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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Die Bildstrecke dieser Ausgabe zeigt die Fotodokumentation der Arbeit Kapitalismus ist für immer von Tomash Schoiswohl. Der Slogan wirkt pessimistisch und entmutigend. Der Spruch entstand in Abwandlung der WIFI-Kampagne Wissen ist für Immer. Seit 2013 verwendet Schoiswohl Kapitalismus ist für immer in Ausstellungen, in Recherchen, auf Plakaten und in Installationen. Am 1. Mai 2016 prangte der Slogan in dicken Lettern auf dem Dach des alten Feuerwerkladens am Matzleinsdorferplatz. Auf Geheiß der ÖBB musste die Installation am darauf folgenden Tag entfernt werden. Die Pappendeckelbuchstaben landeten auf einem Haufen. Dort liegen sie bis heute. Wind, Wetter, Schnecken und der Zahn der Zeit hinterlassen ihre Spuren. Schoiswohl studierte Geschichte und Konzeptkunst in Wien und Glasgow und lehrt an der Akademie der bildenden Künste Wien und an der Kunst Uni Linz. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit dem Wiener Matzleinsdorferplatz. http://matz.city

Şiryan (dt. Die Vögel) ist eine Videoarbeit, deren Stills die Rückseite dieser Ausgabe gestalten. Die kurdische Künstlerin und Lehrerin Fatoş İrwen zeigte diese zum ersten Mal 2016 im Rahmen der Ausstellung Hayat normale Dönüyor (Life is returning to normal) in Istanbul. In dem gezeigten Video bestickt İrwen ihre Handfläche mit einem dünnen schwarzen Faden, den sie am Ende des Videos wieder herauszieht. Haut und Faden, das Einziehen und Entfernen, präsentieren eine fragile Struktur vom Wunsch nach Emanzipation, die zeigt, dass der Kampf und die Erzählungen um Selbstbestimmung sorgfältig und unter Schmerzen in die Körper eingeschrieben, dessen Spuren aber ebenso willkürlich und abrupt wieder entfernt und zerstört werden können. İrwen beschäftigt sich mit Gewalt, Gender, Vulnerabilität, Mehrfach-Diskriminierung und Macht. Irwen wurde am 9. September 2017 im Flughafen in Diyarbakir / Türkei festgenommen und im Rahmen des nach dem versuchten Militärputsch am 15. Juni 2016 verhängten Ausnahmezustandes zu zwei Jahren Haft verurteilt. Seitdem sitzt İrwen ohne irgendeinen Beweis eines Verbrechens, lediglich auf Grundlage einer Aussage einer Zeug*in, deren Identität geheim gehalten wird, im Gefängnis. Ihre Videoarbeit Şiryan ist bei dem Projekt krieg kuratieren im Rahmen der Wienwoche 2018 zu sehen.

Auf dem Mittelposter der Ausgabe ist diesmal die Arbeit Real Fear des rumänischen Künstlers Dan Perjovschi zu sehen. Perjovschi arbeitet an der Schnittstelle zwischen Zeichnung, Cartoons und Graffiti. In den 1990er Jahren, nach dem Ende der Diktatur in Rumänien, arbeitete er als Karikaturist im Redaktionsteam der in Bukarest erscheinenden Zeitschrift revista 22. In dieser Zeit entwickelte er eine satirische Zeichenpraxis, in der er sein Medium auf eine klare Linie reduziert und die seinen Zeichnungen eine maximale Lesbarkeit verleiht. Schreiben und Zeichnen werden als voneinander untrennbare Begriffe betrachtet. Mit den Kommentaren zu den aktuellen politischen und sozialen Entwicklungen ist Perjovschi sichtbarer Teil einer kritischen Zivilgesellschaft in einer postkommunistischen Welt. Perjovschis Arbeiten werden international in Kunstinstitutionen ausgestellt. Darüber hinaus nutzt Perjovschi soziale Netzwerke und Printmedien, um seine Zeichnungen zu aktuellen politischen Themen zu verbreiten.