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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Subventionsansuchen und Projektförderung


Gäste: Karin Rick (Beratungsstelle für Kulturarbeit der Stadt Wien),Dorit Margreiter (Mitglied des Beirats für Bildende Kunst im Bundeskanzleramt)
Moderation
: Christine Haupt-Stummer (Kunsthistorikerin; schnittpunkt, section.a)

Notizen aus der Veranstaltung
Kurzfassen, nachhaken und lästig sein

(23.5.2003) Karin Rick (von der Beratungsstelle für Kulturarbeit der Stadt Wien) und Dorit Margreiter (Mitglied des Beirats für bildende Kunst im Bundeskanzleramt) gaben Auskunft über ihre Tätigkeiten und Einblick in Entscheidungsprozesse und -kriterien bei der Vergabe von öffentlichen Fördermittel. Christine Hauptstummer moderierte den Abend und ergänzte die Informationen um ihre Erfahrungen als Antragstellerin.

Kunstsektion im Bundeskanzleramt

Für die bildende Kunst sind abgesehen vom Beirat für bildende Kunst auch jener für Fotografie und die Ankaufsjury letztlich die für bildende Künstler_innen relevanten Gremien. Zudem werden im BKA Förderungspreise, Staats- und Atelierstipendien vergeben. Die folgenden Informationen beziehen sich primär auf den Beirat für bildende Kunst und spiegeln u.a. die Erfahrungen der Anwesenden wider.

Drei Einreichtermine sind festgelegt (31. Jänner, 31. Mai, 31. Oktober), etwa ein Monat später findet jeweils eine Beiratssitzung statt. Da die Zahl der Einreichungen üblicherweise sehr hoch ist, wird regelmäßig nachgetagt, sodass schließlich etwa zehn Sitzungen pro Jahr stattfinden. Der Beirat berät über die eingegangenen Projekte, erklärt welche er für förderungswürdig hält und legt eine Summe fest, die er dafür vergeben möchte. Diese Empfehlungen sind unverbindlich und dienen dem Staatssekretär für Kunst als Entscheidungsgrundlage für die definitiven Subventionszusagen.

Die Projektauswahl im Beirat erfolgt nicht nach festgelegten Kriterien, sondern ist, so Dorit Margreiter, vielmehr ein gruppendynamischer Prozess. Die Entscheidungsfindung erfolgt im Gespräch. Vorzugsweise werden Projekte gefördert, die auf dem freien Markt keine Chance haben. Experimentelles ist erwünscht. Gerne werden auch Ausstellungsprojekte im Ausland unterstützt. Abseits von inhaltlichen Aspekten spielt die Vergangenheit der Förderungswerber_innen eine Rolle: Wie viel und wie oft haben die Förderungswerber_innen in der Vergangenheit bereits Geld erhalten und wie lange ist das her?

Wird eine Ablehnung ausgesprochen, wird dazu vom Beirat immer eine Begründung angegeben. Diese zu erfragen und darauf zu reagieren ist durchaus empfehlenswert. Hartnäckigkeit hat nicht erst einmal zu späterem Erfolg verholfen, wie die Anwesenden betonten. Vielleicht ist das Subventionsansuchen lediglich an der falschen Stelle gelandet und kann anderswo erneut behandelt werden. Auch eine Einreichung in mehreren Bereichen gleichzeitig ist möglich.

Üblicherweise fallen die Entscheidungen innerhalb eines Monats. Um unliebsame Projektverzögerungen zu vermeiden, hat die Praxis jedoch gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, bereits bis zu sechs Monate vorher einzureichen. Eine telefonische Nachfrage, ob die Unterlagen am richtigen Ort angekommen sind, kann niemals schaden. Und: Dabei auch gleich fragen, wann die entscheidende Sitzung stattfindet, um kurz danach Auskunft über das Ergebnis einzuholen. Nur so wird die Information, ob mit Verzögerungen zu rechnen und Handlungsbedarf angesagt ist, frühzeitig zugänglich.

Kulturabteilung der Stadt Wien

Förderung von einzelnen Künstler_innen gibt es nur in Form von Kunstankäufen (Einreichtermine: 15. Februar, 15. Mai, 1. Oktober). Alle anderen Projekteinreichungen fallen in die Kategorie "Kleinkunst" und können ausschließlich von Vereinen vorgenommen werde.Aber, wie Karin Rick betont, eine Vereinsgründung ist in Österreich "sehr einfach und billig", lediglich drei Leute sind dazu erforderlich. Einreichtermine gibt es nicht, die Anträge werden laufend von der Kulturabteilung bearbeitet.

Pro Projekt kann mit maximal 2.000 bis 3.000 Euro gerechnet werden. Bei einem Gesamtbudget von 116.000 Euro für die bildende Kunst darf es daher nicht verwundern, dass die Wahrscheinlichkeit zum Zug zu kommen nicht die allergrößte ist. Handelt es sich um größere Projekte, dann können diese aus dem sogenannten "Kulturschilling" finanziert werden. Dieses Geld wird aus ORF-Beiträgen lukriert (1% der Beiträge fließen in dieses Budget). Entsprechende Anträge werden im Gemeinderat behandelt. Grundsätzlich will die Stadt Wien vorzugsweise innovative Projekte fördern.

Anders als im BKA, gibt es von der Stadt Wien kein Geld für Organisationsarbeit (z.B. Bürospesen), ausschließlich Sachkosten (Material, Reisespesen,...etc.) werden übernommen. Bei Projekteinreichungen sollten auch Zahlungswünsche angegeben werden, die klar machen, zu welchem Zeitpunkt das Geld benötigt wird. Eine Auszahlung in Etappen ist möglich. Nach Projektende möchte die Kulturabteilung - abgesehen von einer ordentlichen Abrechung - eine kleine Dokumentation, wie das Projekt tatsächlich abgewickelt wurde.

Karin Rick gibt in der eigens eingerichteten Beratungsstelle für Kulturarbeit Auskunft und Hilfestellungen zu anfallenden Fragen bei allen Projekten, die bei der Stadt Wien eingereicht werden sollen. Anträge werden gemeinsam durchgesehen, außerdem wirft Frau Rick ein Auge darauf, ob der Kostenplan realistisch ist. Unterstützung gibt es auch hinterher bei der Projektabrechnung. Termine können täglich telefonisch vereinbart werden.

Das Förderungsansuchen

Sowohl für das BKA als auch für die Stadt Wien gilt: die Förderungsansuchen müssen knapp und präzise das eingereichte Projekt präsentieren. Eine Seite gilt dabei als Maximum. Natürlich sollen Detailinformationen nicht fehlen, sondern durchaus umfangreich, aber stets in übersichtlicher Form beigelegt werden.

Dann der Kostenplan: gewünscht wird eine klare Gegenüberstellung von potentiellen Einnahmen und Ausgaben - mit gleichen Endsummen in beiden Spalten!

Werden mehrere Subventionsansuchen und/oder Sponsoringanträge bei verschiedenen Stellen zur gleichen Zeit eingereicht, so sind die angefragten Beträge entsprechend zu vermerken. Wichtig ist auch hier, dass sich die Entscheidungsträger_innen schnell einen Überblick verschaffen können. Dazu ein abschließender Tipp für Stadt Wien und BKA: lieber die Idealversion eines Projekts kalkulieren und damit Spielräume schaffen, falls die benötigten Beträge nicht in der erwarteten Höhe aufzustellen sind.

Für die Abrechnung müssen Originalbelege abgegeben werden. Als Gegenleistung für die Förderung werden Logos der Subventionsgeber_innen auf Projektankündigungen sowie projektbegleitenden und -dokumentierenden Publikationen angebracht.  (D.K.)

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