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15. Oktober 2013, Wien (19 Uhr)

Ausstellungshäuser


Wie kommt es zur Programmplanung in Ausstellungshäusern? Wer entscheidet, welche Ausstellungen oder weitere künstlerische Projekte und Veranstaltungen realisiert werden? Welche Programmschienen, welche Schwerpunktsetzungen gibt es? Welche Möglichkeiten haben zeitgenössische Künstler_innen involviert zu werden? Wie gestaltet sich die Arbeit der Kurator_innen, insbesondere die Zusammenarbeit mit Künstler_innen? Unter welchen Konditionen findet künstlerische Arbeit statt? Kurzum: Wie sehen die Arbeitsbedingungen für Künstler_innen in Ausstellungshäusern aus?

Gäste: Lucas Gehrmann (Kunsthalle Wien), Luisa Ziaja (21er Haus).
Moderation:
Vasilena Gankovska (bildende Künstlerin, Vorstandsmitglied IG BILDENDE KUNST)
Veranstaltungsort: IG BILDENDE KUNST, Gumpendorfer Straße 10-12, 1060 Wien

Eine Veranstaltung in Kooperation von Alumniverein der Akademie der bildenden Künste Wien und IG BILDENDE KUNST.
Die Veranstaltung war Teil der Ausstellung „In Ihrem Interesse“ zu Geschichte und Gegenwart der IG BILDENDE KUNST, die von 11.9.-25.10.2013 in der Galerie IG BILDENDE KUNST zu sehen war.


Rückblick auf die Veranstaltung,
von Vasilena Gankovska:


Stichwort Künstler_innenhonorare


Wie sehen die Arbeitsbedingungen für Künstler_innen in Ausstellungshäusern aus? Wer bestimmt das Programm? Wie gestalten die Kurator_innen ihr Arbeitsfeld und wie sieht die Zusammenarbeit mit den Künstler_innen aus? Werden Künstler_innen Honorare bezahlt? 

Diese und andere praxisorientierte Fragen stellten wir am 15.10.2013 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Survival-Training für Künstler_innen den Kurator_innen Luisa Ziaja vom 21er Haus und Lucas Gehrmann von der Kunsthalle Wien. Sowohl Kunsthalle Wien als auch das 21er Haus widmen sich zeitgenössischen künstlerischen Praktiken mit Schwerpunkt lokaler (21er Haus) und internationaler Kunst (Kunsthalle Wien). Parallel zu  thematischen Gruppenausstellungen und monografischen Präsentationen laufen im 21er Haus Sammlungsausstellungen, und die Programmschiene 21er Raum ist einer dezidiert jungen künstlerischen Produktion gewidmet. Die Kunsthalle Wien entwickelt thematische Ausstellungsprojekte mit umfangreichem Rahmenprogramm. Da beide Institutionen ihre Finanzierung teilweise durch Eintritte, Sponsoring und Rahmenevents sichern müssen und im Sinne ihrer Vermittlungsaufgabe ein möglichst breitgefächertes Publikum ansprechen wollen, werden auch Marketing und PR-Maßnahmen bei der Programmkonzeption mitberücksichtigt. 

Eine wichtige Kontaktstelle, um interessante künstlerische Positionen zu entdecken und in Ausstellungen einzubinden, bieten die lokalen Galerien und Off Spaces. "Für uns ist die Zusammenarbeit mit den Akteur_innen im Feld sehr wichtig, wie zum Beispiel die Kunstuniversitäten und die Galerien. Ich sehe es aber auch als meine Aufgabe, Kontakt zu Künstler_innen zu halten, Portfolios anzusehen und Ateliers zu besuchen", erklärte Luisa Ziaja.

Eine spannende Diskussion entwickelte sich im zweiten Teil der Veranstaltung rund um die Frage der Künstler_innen-Honorare. Es gibt hierzu keine gesetzlich verankerte Regelung in Österreich, wonach Künstler_innenhonorare bezahlt werden müssen, betonten beide Podiumsgäste. Aus diesem Grund werden sie bedauerlicherweise oft erst gar nicht mitkalkuliert. Sie sind „ein sehr wichtiges Thema“, so Luisa Ziaja, „das noch in viel zu wenigen Institutionen als Selbstverständlichkeit gelandet ist.“ Lucas Gehrmann veranschaulichte diese Situation mit Beispielen: „Bei der Aufführung von einem Video fließt über Verwertungsrechte etwas Geld an die Künstler_innen. Das ist gut, das hat die Gesellschaft durchgesetzt. Aber zB bei Fotografien, die wir in Ausstellungen zeigen, geht nichts an Künstler_innen. Wir als Ausstellungshäuser werden bisher nicht dazu genötigt... Dabei ist vollkommen klar: Wir alle im Ausstellungsbetrieb Tätigen profitieren von der Produktion der Künstler_innen, indem wir damit Programm machen und dafür auch bezahlt werden.“ 

Konzeptions- und Recherchekosten, Transporte, Versicherungen und Aufbaukosten, erforderliche Reisekosten etc. werden üblicherweise von der Institution übernommen, aber die Arbeitszeit für die Produktion der einzelnen Werke oder für die Konzeption des Einzelprojekts wird nicht honoriert. Grundsätzlich gilt aber, dass Vereinbarungen für die Zusammenarbeit vorab getroffen werden. Darin werden unter anderem Leih- und Produktionsmodalitäten festgelegt. Für die Kunsthalle Wien erläuterte Lucas Gehrmann: „Wenn die beteiligten Künstler_innen mit keiner Galerie zusammenarbeiten, werden diese Modalitäten direkt vereinbart. Wird ein Katalog oder anderes Publikationsformat produziert, wird dies durch die Kunsthalle Wien abgewickelt. In der Regel ist es so, dass die Kurator_innen eine Kostenkalkulation erstellen müssen und darin alle anfallenden Kosten auflisten, welche dann mit der Direktion und der Geschäftsführung besprochen werden. Aufführungs- oder Verwertungskosten werden von der Institution übernommen.“

Große Ausstellungshäuser, welche über eigene Sammlungen und Ankaufbudgets verfügen (wie etwa das 21er Haus), tätigen auch Ankäufe im Rahmen ihrer Ausstellungen. Luisa Ziaja: „Im 21er Raum, der dezidiert jungen Produzent_innen gewidmet ist, wird aus jeder Ausstellung etwas angekauft.“ Fallweise Ankäufe sind aber keine Problemlösung für grundsätzlich fehlende Künstler_innen-Honorare, denn es gibt genügend Institutionen, darunter die Kunsthalle Wien, die keine Ankäufe machen oder vordergründig ortspezifische Projekte entwickeln. Nur in Ausnahmefällen werden Honorare im Rahmen von großen Einzelausstellungen bezahlt, welche eine aufwendige, oftmals sich über mehrere Monate erstreckende Vorbereitung verlangen.

De facto sind Künstler_innen die Einzigen am Produktionsprozess Beteiligten, die in der Regel kein Geld für ihre Arbeit erhalten. Podium und Publikum waren sich folglich einig, dass es notwendig ist, auch Fördergeber_innen gezielter auf diese ungerechte Verteilung aufmerksam zu machen. Künstler_innen-Honorare sollten bei der Fördervergabe als fester Bestandteil verankert und die Budgets dementsprechend angepasst werden.

Vasilena Gankovska ist bildende Künstlerin und Vorstandsmitglied der IG BILDENDE KUNST, sie hat am 15.10.2013 die Veranstaltung in Wien moderiert. Insbesondere aufgrund des großen Publikumsinteresses hat der Vorstand der IG BILDENDE KUNST daraufhin das Thema Künstler_innen-Honorare zu einem kulturpolitischen Programmschwerpunkt erklärt und eine Fortführung dieser Diskussion auch in anderen Städten beschlossen.      

Plakat aus der Ausstellung "In Ihrem Interesse" (2013, Galerie IG BILDENDE KUNST)
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