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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Workshop

Strategien sozialer Absicherung


Freitag, 28. September 2007, 17 bis 21 Uhr
Inputs und Moderation: Daniela Koweindl, Andrea Salzmann

Die soziale Lage von – bei weitem nicht nur – KünstlerInnen ist prekär, soziale und ökonomische Absicherung unzureichend bis nicht vorhanden.
Doch welche Möglichkeiten gibt es, prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen zu entkommen bzw. sich dagegen zur Wehr zu setzen? Im Workshop sollen individuelle und kollektive Strategien sowie mögliche gemeinsame Aktivitäten (aktuell insbesondere in Hinblick auf die bevorstehende Novelle des Künstlersozialversicherungsfondsgesetzes) erörtert werden.

Programm und Ziel des Workshops

Einleitend sind kurze Inputstatements geplant: Zur aktuellen Situation in Österreich und Forderungen der Interessenvertretungen sowie ein Blick auf erfolgreiche (KünstlerInnen-) Proteste der Intermittents in Frankreich für den Kampf um soziale Rechte (inkl. Ausschnitt aus einem Video von der Precarity-DVD: "Nous Sommes Partout! Intermittents du Spectacle. Action against the precarity of the French temporary workers in the cultural sector"). Anschließend Erfahrungsaustausch und offene Diskussion über Handlungsspielräume.

Ziel des Workshops ist die Entwickelung von Forderungen und Strategien zur Verbesserung der sozialen Lage. Eine Fortsetzung ist bei Interesse der TeilnehmerInnen geplant.

Hintergrund

Fragen nach individuellen Strategien sind auch Thema im EuroMayDay, einer europaweiten sozialen Bewegung, die sich mit Prekarisierungsprozessen auseinandersetzt. Daran soll der Workshop anknüpfen: Woher kommt dein Geld zum Überleben? Wie kommst du zu deinen Jobs, Aufträgen und Projekten? Darfst du arbeiten? Bist du zufrieden? Bekommst du Anerkennung? Kannst du dir etwas leisten? Machst du dir freie Tage? Und fühlst du dich gut dabei?

Fragen nach strukturellen Verbesserungen mussten sich Interessenvertretungen (im Kunst- und Kulturbereich) in den letzten Jahren zunehmend stellen. Erst seit 2001 gibt es den so genannten Künstlersozialversicherungsfonds, ein kleines Zuschusssystem, das einigen KünstlerInnen einen Zuschuss zum Pensionsversicherungsbeitrag ermöglicht. Schon bald hat sich die bestehende Regelung als Flop erwiesen. Während einerseits der Fonds nur die Hälfte seiner Einnahmen ausgibt, bestehen andererseits rigorose Ausschlussmechanismen. Nur wer mit der Kunst ausreichend Geld verdient, erhält einen Zuschuss. Und wer es wider Erwarten doch nicht schafft, soll ihn zurückbezahlen. In den letzten zwei Jahren hat der Fonds Rückzahlungsforderungen von insgesamt 4,5 Millionen Euro ausgesprochen, jede 4. KünstlerIn war betroffen. Nun ist eine Gesetzesnovelle geplant. Nach anfänglich großen Worten der Kulturministerin, wurde zuletzt nur mehr ein bescheidenes Reförmchen in Aussicht gestellt. Sowohl die Mindesteinkommensgrenze als auch der Rückzahlungsparagraph sollen bleiben. Größere Veränderungen später …

International zeigt beispielsweise die in Frankreich seit dem Sommer 2003 stattfindende Protestbewegung der Intermittants unterschiedliche Aktionsformen auf. Durch medienwirksame Besetzungs- und Streikaktionen thematisieren sie die zunehmende Verunsicherung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen. Sie sprechen von einer doppelten Flexibilisierung, nämlich die der Arbeitszeit und die des Gehaltes. Dabei geht es in ihren Kämpfen um mehr als bloße Gehaltsforderungen, um mehr als ein geregeltes Einkommen. Sie beschäftigen sich mit Fragen der prekären Arbeit weit über den kulturellen Sektor hinaus. Und sie haben lokale Koordinationen organisiert, die landesweit vernetzt sind.

Die Praxis der Intermittants soll als Impulsgeberin für weitere Diskussionen dienen.

Informationsmaterialien

Handout zum Workshops [PDF, 59KB]
Mit mehr Information zum Thema und Linktipps.