kunst-stücke
Für die Interessen der Künstlerinnen und Künstler einsetzen!
Offener Brief der IG BILDENDE KUNST, 6.6.2002
Sehr geehrte Frau ORF-Generalintendantin Dr. Lindner,
sehr geehrte Frau ORF-Kultur-Verantwortliche Dr. Tenner,
sehr geehrter Publikumsrat!
Es ist eine Schande, dass dem schon seit Jahren anhaltenden Kulturberichterstattungsabbau im ORF nun auch die Sendung "kunst-stücke" zum Opfer fällt.
Offensichtlich ein weiterer Schritt in Richtung Totalprivatisierung: Eine ohnehin schon außerhalb der Hauptsendezeit angesiedelte Informationssendung, die sich dadurch auszeichnet, nicht nur den "Mainstream", fast möchte ich sagen das "Mittelmaß" zu beleuchten, soll nun durch ein "Jugendmagazin" der "Quote" wegen ersetzt werden. Um im TV-Wettbewerb mithalten zu können, scheint sich der ORF aus seiner Verantwortung zum "Bildungsauftrag" endgültig davonstehlen zu wollen. Wofür werden eigentlich die Rundfunkgebühren noch eingehoben? Für eine zehnstündige Non-Stop-Übertragung der Feierlichkeiten zum fünfzigjährigen Thronjubiläum der englischen Queen? Großartig!
Wird nun also "Treffpunkt Kultur" in Zukunft die letzte Einrichtung sein, die unsere "Kulturnation" über die Hervorbringungen ihrer "creative industries" am Laufenden halten wird? Was geschieht mit dem Redaktionsteam der kunst-stücke? Wird es auch wegrationalisiert? Mit welcher Begründung muss ausgerechnet die Sendung kunst-stücke dem Jugendmagazin weichen? Es stünden genügend andere Tage zur Disposition deren Sendeplätze zur x-ten Wiederholung von mehr oder weniger schlechten Spielfilmen und Serien missbraucht werden.
Die IG BILDENDE KUNST fordert deshalb die Entscheidung die kunst-stücke abzusetzen, rückgängig zu machen und weist darauf hin, dass der ORF als öffentliche-rechtliche Rundfunkanstalt zu wesentlich mehr als der Quote verpflichtet ist.
Mit freundlichen Grüßen,
Sebastian Weissenbacher IG BILDENDE KUNST
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