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Nachlese

Festivals: Wer bekommt wie viel wofür?


Info- und Diskussionsabend im Rahmen des Arbeitsschwerpunkts "Über Geld reden" am 18. April 2012

Zwei höchst unterschiedliche österreichische Festivals stellten Arbeitsweisen und Finanzierungspolitik unter der Moderation von Ricarda Denzer, bildende Künstlerin und Mitglied im Vorstand der IG BILDENDE KUNST, vor: das „Festival der Regionen“ und „Soho in Ottakring“.

Festival der Regionen

Dagmar Höss, bildende Künstlerin und im Vorstand des Festivals der Regionen (FdR): Das biennal stattfindende Festival bezieht sich jeweils auf eine Region in Oberösterreich, der ein Ausschreibungstext für einen Open Call angepasst wird, der auch international hohe Aufmerksamkeit erzielt. Initiiert wurde es von der oberösterreichischen Landesregierung als künstlerisches Gegengewicht zu den Landesausstellungen. Im Schnitt werden zwischen 300 und 500 Projekte eingereicht. In insgesamt drei Schritten werden 20 bis 30 Projekte ausgewählt – das letzte Wort hat der künstlerische Leiter. Das Gesamtbudget beläuft sich auf knapp eine Million Euro für zwei Jahre, davon geht ca. die Hälfte in die Produktion der Projekte, die andere Hälfte wird für die Arbeit des Personals und für Öffentlichkeitsarbeit, Bewerbung und Dokumentation benötigt.

Soho in Ottakring

Paul Stepan, kaufmännischer Leiter von „Soho in Ottakring“ (Soho): Soho fand ab 1999 jährlich, seit 2010 biennal statt. Da das Festival von einem unabhängigen Künstler_innen-Kollektiv initiiert wurde, ist die Finanzierung im Gegensatz zum FdR nicht wirklich gesichert. Stadt Wien, Bund und Arbeiterkammer sind ständige Subventionsgeber_innen, aber angesichts des notorisch zu geringen Budgets stellt sich immer wieder die Frage, ob weniger, dafür finanziell gut ausgestattete Projekte umgesetzt werden sollen, oder mehr Projekte, die dann vielleicht nicht immer ausfinanziert sind. Der Open Call findet v.a. in Wien Beachtung, aus 100 bis 200 Einreichungen werden 40 bis 60 Projekte von einer Jury ausgewählt. Ein Projekt kann max. 3.000 Euro erhalten. Bei Soho arbeitet eine geringfügig Angestellte, die anderen arbeiten auf Werkvertragsbasis – leben kann niemand davon.

Fragen zu Honoraren und Mehrwert

Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum drehten sich um Honorare, Auswahlkriterien, Zielpublikum und den „Mehrwert“, den die Einreichung bei einem Festival erzielen kann, denn – so wurde bspw. angemerkt – solche Arbeiten, die einer Festival-Ausschreibung angepasst sind, bilden nicht das Tagesgeschäft von Künstler_innen.

Dagmar Höss merkte an, dass es durchaus vorkomme, dass einreichende Künstler_innen in ihrer Projektkalkulation die eigenen Honorare quasi vergessen. Das werde dann aber bei den ausgewählten Projekten besprochen, denn beim FdR soll niemand unbezahlt arbeiten.
Paul Stepan bekräftigte, dass es mehr Selbstbewusstsein brauche, um eigene Honorare einzuplanen. Dass bei Soho Honorare heruntergehandelt werden müssen, weil sie unverhältnismäßig sind, komme kaum vor. Eher sei es der Fall, dass die Einreichenden gar keine Honorare einkalkulieren, weil es schon so üblich ist, gratis zu arbeiten.
Im Bewusstsein, dass die Honorare immer deutlich unter dem liegen, was den Künstler_innen eigentlich zustehen würde, versucht das FdR, so Dagmar Höss, die Projektbudgets durch andere Leistungen aufzufetten. So werden die Reisekosten extra bezahlt, es gibt während des Festivals täglich ein kostenloses Mittagessen und auch ein eigenes Catering. Das gemeinsame Mittagessen eröffnet auch die Möglichkeit des Austauschs zwischen den Künstler_innen.

Was den „Mehrwert“ betrifft, hat besonders das FdR hat eine hohe internationale Reputation, eine Beteiligung mache sich sehr gut im Lebenslauf, so Dagmar Höss. Bei Soho wiederum, erklärte Paul Stepan, seien die Chancen höher, als Berufsanfänger_in ein Projekt umsetzen zu können. Beide Festivals bieten den umgesetzten Projekten eine anhaltende Öffentlichkeit über die Internet-Archive. Das FdR gibt zudem einen hochwertigen Katalog heraus. Verkäufe finden nach dem FdR eher selten statt, da die Projekte vielfach zeitlich oder örtlich begrenzt existieren. Für Ankäufe durch das Land Oberösterreich sei die Beteiligung am FdR aber sehr relevant. Paul Stepan betonte ebenfalls die Vergänglichkeit vieler Festival-Werke, für die es auch einfach keinen Markt gebe. (Sylvia Köchl)

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