IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Kunstbericht 2006

Alarmsignal und Handlungsauftrag für neue Förderpolitik


(27.7.2006, Pressemitteilung) Eine alarmierende Bilanz zeigt der in diesen Tagen veröffentlichte Kunstbericht 2006: Finanzielle Aushungerung von Kunstinitiativen und Kürzungsrekorde für EinzelkünstlerInnen ziehen das Hauptaugenmerk auf sich. Damit ist ein hoffentlich letzter Gipfel des unter Ex-Bundeskanzler Schüssel und Ex-Staatssekretär Morak vor sieben Jahren eingeschlagenen Weges erreicht. Bundesministerin Claudia Schmied ist nun gefordert, Missstände zu beseitigen sowie Ideen und Konzepte für eine nachhaltige Trendumkehr zu entwickeln.

Ein Blick auf die Ausgaben der Abteilung II/1 Bildende Kunst, Architektur, Design und Mode zeigt zwar zum ersten Mal seit Jahren eine geringfügige Erhöhung um 3,6% (bzw. 303.690,50 Euro), doch die Tücke liegt im Detail. Allein für Bundesausstellungen sind die Ausgaben im Jahr 2006 um 641.579,52 Euro (oder gigantische 65%) gegenüber den Vorjahren gestiegen. Dieser Betrag wurde vor allem in eine einzige Ausstellung gesteckt, nämlich 526.800 Euro für "Sculptural Architecture in Austria" in Beijing. Und dies ging zu Lasten fast aller anderen Förderbereiche der Abteilung.

Halbierung von Stipendien

Eingespart wurde vor allem bei der Subventionsvergabe an Kunstvereine und KünstlerInnengemeinschaften sowie bei der Förderung von EinzelkünstlerInnen. Die massivste Kürzung (minus 52,1%) erfolgte bei den Ausgaben für Staats-, Arbeits- und Projektstipendien, sodass 2006 nur noch 173.900 Euro zur Verfügung standen.

Aufwendungen für Preise an bildende KünstlerInnen beliefen sich auf 11.000 Euro (2005: 44.600 Euro) und befinden sich damit auf dem zweitniedrigsten Stand seit 2000 als dieser Ausgabenposten gleich Null war. Einzig die Ausstellungs-, Katalog-, Projekt- und Reisekostenzuschüsse waren höher als im Vorjahr (plus 19,5%) und erreichten somit wieder das Niveau von 2003. Doch das macht das negative Gesamtergebnis nicht wett: Insgesamt standen 2006 um 12,1% (bzw. 115.783 Euro) weniger für die Einzelförderung von bildenden KünstlerInnen zur Verfügung.

Historischer Tiefstand bei Subventionen für Kunstinitiativen

Kontinuität bewies die Moraksche Kulturpolitik auch bei der Reduzierung von Subventionen für Kunstvereine und KünstlerInnengemeinschaften, wo Jahr für Jahr ein paar Hundert Tausend Euro gestrichen wurden. 2006 ist dieser Förderbereich auf einem historischen Tiefstand von 2,39 Millionen Euro (für insgesamt 42 Jahres- und 38 Einzelprojekte) angelangt. Das entspricht einem weiteren Minus von 6,9% nach bereits gravierenden Budgeteinbrüchen in den Jahren zuvor (2005: Kürzung von 15,66% gegenüber 2004; 2004: Kürzung von 20,73% gegenüber 2003).

Was der zunehmende Entzug von Basis- und Infrastrukturförderungen in der Praxis bedeutet, lässt sich an der Prekarisierung des Diskussionsraums Depot (Wien) exemplarisch ablesen: Gelegentliche minimale Projektkostenschüsse für einzelne Themenschwerpunkte statt Jahresförderung. Antragsmarathon statt Planungssicherheit.

Handlungsbedarf für Bundesministerin Schmied

Letztlich bestätigt der Kunstbericht 2006 lediglich in Budgetzahlen die Festivalisierung von zeitgenössischer Kunst. Großveranstaltungen sind die großen Gewinnerinnen bei den öffentlichen Fördervergaben - in der bildenden Kunst ebenso wie in anderen Sparten. Hier gilt es einen Schlussstrich zu ziehen!

Die IG BILDENDE KUNST erwartet von Bundesministerin Claudia Schmied starke Impulse für eine zukunftsweisende Kultur- und Förderpolitik, die einen verlässlichen Rahmen für ein vielfältiges wie auch unabhängiges zeitgenössisches Kunstgeschehen schaffen.

Mehr zum Thema
Links