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Antwortbrief von Bürgermeister Heinz Schaden


Antwort auf den offenen Brief der IG BILDENDE KUNST zur Zitatergänzung auf der Gedenktafel für Theodor Herzl in Salzburg und darauf folgende Anzeige wegen Sachbeschädigung an den Künstler Wolfram P. Kastner, der mit dieser Kunstaktion gemeinsam mit weiteren KünstlerInnen auf eine Manipulation von Geschichte aufmerksam gemacht hat.

Salzburg, 27. Februar 2002

Betrifft: Theodor Herzl Gedenktafel


Sehr geehrte Frau Koweindl!

In Beantwortung Ihrer in einem offenen Brief an die Mitglieder der Salzburger Landesregierung und Stadtregierung gerichteten Fragen darf ich Ihnen einen kurzen Abriss der Vorgeschichte dieser Gedenktafel aus Sicht des mit dem Thema befassten Kulturamtes der Stadt Salzburg zur Kenntnis bringen:

1.
8. Februar 2000: Dem Kulturamt wird ein Fax von Frau Dr. Petra Neumayr (Fremdenverkehrsbetriebe) übermittelt, in dem der Vorschlag für die Anbringung einer Herzl-Tafel unterbreitet wird. Der Textvorschlag lautet: "In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu. In Erinnerung Dr. Theodor Herzl (1860-1904)". Als Betreiber der Tafel wird Prof. Gottfried Tichy (Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg) benannt.

2.
Der Leiter des Kulturamtes, SR Dr. Alois Haslinger, hielt im Verlauf des Frühjahrs 2001 mehrfach mit Herrn Prof. Tichy als auch mit HR Feingold (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg) fernmündliche sowie schriftlich Kontakt, um sowohl die Textierung als auch den mutmaßlichen Ort von Herzl Tätigkeit beim Salzburger Landesgericht zu verifizieren. Hinsichtlich des Ortes ergibt siche keineeindeutige Klärung, mehrfach wird jedoch schriftlich sowohl von Prof. Tichy als auch HR Feingold der obige Text als Wunschtext angeführt und dem Amt in Auszügen übermittelt.

3.
Nachdem die Anbringung der Tafel nicht mehr im Jahr 2000 realisierbar erschien und andererseits seitens der Israelitischen Kultusgemeinde der Wunsch geäußert wurde, einen zeitlichen Konnex mit der 100Jahr Feier der Synagoge im Juli 2001 herzustellen, wird in mehreren Gesprächen und Lokalaugenscheinen mit HR Feingold und Prof. Tichy der Ort für die Tafelanbringung in der Kaigasse am Außenportal der Neuen REsidenz festgelegt.

4.
Am 4.4.2001 erhielt das Amt ein Schreiben von Dr. Clemens Hutter, in dem dieser sich einerseits erfreut über die Anbringung einer Herzl-Tafel im Bereich der Neuen Residenz äußerste (dieser Vorschlag wurde zu einem früheren Zeitpunkt seitens des Landes abgelehnt), andererseits sich sehr kritisch mit der Textierung auseinander setzte. Laut Dr. Hutter ist das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen und der entscheidende Nachsatz - "Ich wäre auch gerne in dieser schönen Stadt geblieben, aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden" - fehlte.

5.
In der Folge wurde daraufhin HR Feingold (der offensichtlich aber auch bereits eine Kopie des Schreibens vom 4.4. erhalten hatte) zu einer Stellungnahme gebeten. Seitens des Amtes wurde darauf hingewiesen, dass auch diese von Herrn Hutter vorgeschlagene Variante denkbar wäre. Von HR Feingold wurde jedoch eindeutig und unmissverständlich der Wunsch geäußert, es bei dem ursprünglichen Textvorschlag zu belassen, da er die von Prof. Hutter vorgeschlagene Version für kontraproduktiv und geeignet für antisemitische Reaktionen halte. Auch Prof. Tichy hat sich in der Folge für die Beibehaltung des ursprünglich von ihm vorgeschlagenen Textes ausgesprochen.

6.
Auch ein weiteres kritisches Schreiben von Dr. Hutter, das mit HR Feingold und Prof. Tichy besprochen wurde, änderte nichts an der eindeutigen Haltung der Betreiber, es bei dem abgesprochenen Text zu belassen. Auch bei einer kurzfristig vor der Tafelenthüllung einberufenen Besprechung mit HR Feingold, wird von diesem nochmals ausdrücklich versichert, dass die Tafel sowohl hinsichtlich des TExtes als auch bezüglich der Gestaltung den Wünschen der Betreiber entspricht.


Ich glaube, die oben geschilderte Vorgangsweise - in Abstimmung mit den Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg - zeigt deutlich, dass sich die Stadt Salzburg nichts vorzuwerfen hat.
Ihre letzte Frage über dem Umgang mit Wolfram Kastner kann ich Ihnen nicht beantworten, da die Sachbeschädigungsvorwürfe nicht von der Stadt Salzburg ausgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heinz Schaden