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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Solidaritätserklärung der IG BILDENDE KUNST mit den Studierenden und Lehrenden

Bildungs- statt Sparpolitik!
Schließung der Wiener Kunstschule verhindern.


(16.1.2014, Pressemitteilung) Seit Jahren kämpft die Wiener Kunstschule immer wieder um das finanzielle Überleben. Zuletzt hat die Stadt Wien mitgeteilt, sich als Fördergeberin gänzlich zu verabschieden. Damit droht eine Schließung mit Ende Mai 2014. Doch Studierende und Lehrende haben sich organisiert und kämpfen seit November gemeinsam für den Fortbestand der Ausbildungseinrichtung. Die IG BILDENDE KUNST unterstützt dieses Anliegen mit Nachdruck: "Die Wiener Kunstschule ist insbesondere auch als demokratische Ausbildungsinstitution ein wichtiger Beitrag zu einer heterogenen, künstlerischen (Aus-)Bildungslandschaft.", unterstreicht Vasilena Gankovska aus dem Vorstand der IG BILDENDE KUNST.

Die Wiener Kunstschule ist eine Besonderheit in der Kunstausbildungslandschaft. Mit einem verpflichtenden Orientierungsjahr, in dem ohne Aufnahmeprüfung ein Kennenlernen und Ausprobieren vieler künstlerische Sparten möglich ist. Mit einem Blick auf praxisnahe künstlerische Überlebensstrategien und hoher Projektorientierung im Curriculum. Mit der einzigen Comic-Ausbildung in Österreich. Mit einem basisdemokratischen Bildungskonzept, das - in der Themensetzung und Projektentwicklung - sehr von einem partnerschaftlichen Umgang zwischen Lehrenden und Studierenden sowie einem stetigen Bemühen um möglichst nicht-hierarchische Strukturen geprägt ist.

Vergleichbare Einrichtungen gibt es nicht - gerade das macht die Situation für die Studierenden der vierjährigen Ausbildung umso prekärer. Wer mitten in der Ausbildung steckt, hat keine Möglichkeit woanders fortzusetzen, um das angestrebte Diplom doch noch zu erreichen!

Dass ausgerechnet eine Ausbildung dem Rotstift zum Opfer fallen soll, die konzeptuell quer zu den immer stärker dominierenden Bachelor- und Master-Systemen liegt, verwundert gleichzeitig wenig angesichts dem vorherrschenden Verständnis von Bildungspolitik. "Die beabsichtigte Schließung der Wiener Kunstschule ist symptomatisch für die gegenwärtige Krise der Bildungspolitik (...). Es ist - insbesondere für künstlerische Fähigkeiten - fatal, sich diesem uniformierenden Prozess von Bildung zu unterwerfen: Künstlerische Kreativität ist ohne Alternativen, Ausnahmen und Besonderheiten nicht denkbar und auch nicht vermittelbar.", bringen es auch die Studierenden und Lehrenden in ihrem Manifest für den Erhalt der Wiener Kunstschule auf den Punkt.

Der Widerstand gegen die beabsichtige Schließung der Wiener Kunstschule ist somit auch ein klares Statement in einer Zeit voranschreitender Ökonomisierung und Elitisierung im Bildungsbereich. "Die politischen Versuche einer Nivellierung und Normierung der künstlerischen Ausbildung haben auch in diesem Fall massiv eingegriffen", wie Vasilena Gankovska betont und auf entsprechende Parallelitäten bei den Kunstuniversitäten verweist, die "mit Restrukturierungen und Gesetzesvorgaben zur Einführung des Bologna-Systems kämpfen." Die Stadt Wien ist dringend aufgefordert Verantwortung zu übernehmen und den Fortbestand der Wiener Kunstschule zu sichern.

Wiener Kunstschule