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Offener Brief zur Zukunft der Landesgalerie Linz

Der oberösterreichische Kulturwinter - ein kunstpolitisches Attentat 


Im Zuge der Eröffnung der Ausstellung "Spielraum. Kunst, die sich verändern lässt" am 4.10.2017 in der Landesgalerie Linz richten Künstler_innen ihre Kritik öffentlich an den anwesenden Landeshauptmann - und ernten tosenden Applaus aus dem Publikum. Sie kritisieren den geplanten "Totalumbau" der OÖ Museumslandschaft, vor allem die intransparente Vorgangsweise und die massiven Einsparungen. Die Künstlerin Margit Greinöcker prangert planlose „Umstrukturierungspläne“ sowie den fatalen Sparkurs gegen die Kunst- und Kulturszene in Oberösterreich generell an. Alexander Jöchl (Vorsitzender der IG BILDENDE KUNST) ist mit dem offenen Brief der IG BILDENDE KUNST vor Ort am Wort: 

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer!

Detaillierte Angaben zum „Totalumbau“ der Museumslandschaft, dem größten Umbruch ihrer Geschichte fehlen. Mit den an die Öffentlichkeit gelangten Vorgaben - „Einsparungen“, die Institutionen sollen „effektiver“, „wirkungsvoller“, „noch effizienter“, „kostengünstiger“, „zukunftsfit“ werden, „ohne Tabus bei organisatorischen Zusammenlegungen“ - wurden große Verunsicherung und Angst verbreitet. 

Es ist flächendeckend von 10% Kürzungen bei den Landeskulturausgaben 2018 die Rede. Das werden viele, vor allem kleine Kunst- und Kulturinitiativen nicht überleben. Oberösterreich wird ärmer. Ärmer an Kunst und Kultur, und das war noch nie ein Zeichen dafür, dass es den Menschen in diesem Land besser gehen wird. 

Stellungnahmen Ihrerseits, Herr Landeshauptmann, zu den konkreten Vorhaben im Kunst und Kultursektor blieben bislang aus. Aktueller Stand: Die Landesgalerie soll ins Schlossmuseum integriert, der derzeit zentrale Standort aufgegeben werden. Eine Zusammenlegung der Sammlung mit jener des Lentos ist angedacht. Die Kulturdirektoren der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich sind seit September mit dem Projekt der Einsparung betraut. Die Umsetzung ist für spätestens Herbst 2018 avisiert. 

Eine Schließung der Landesgalerie Linz, einem Haus mit über 120 Jahren Tradition an diesem eigens für die Landesgalerie errichteten Standort, ist ein beispielloser Akt von unüberlegten Planspielen. Wir möchten hier einige Punkte ansprechen und klarstellen. Und wir ersuchen dringend um Antworten:

Verlust für Kunstschaffende und Kunstinteressierte
Das Haus wurde über Jahrzehnte hinweg von engagierten Fachleuten aufgebaut. Es sind nicht nur die unmittelbar Angestellten, sondern auch viele weitere Menschen im Kunst- und Kulturbetrieb, die mit derartigen Ausgabenkürzungen Aufträge, Arbeitsplätze, Ausstellungen und einen wichtigen Ort der Auseinandersetzung verlieren.  

Geld kann nicht das einzig ausschlaggebende Argument sein 
Übersiedlungen und Umstrukturierungen kosten sehr viel Geld. Depotflächen, die derzeit schon massiv unterbudgetiert sind, um die Kunstwerke fachgerecht zu lagern, kosten Geld. Dieser radikale Umbruch ist teuer, mit welchen zusätzlichen Mitteln sollen diese Ausgaben gedeckt werden? 

Was ist tatsächlich geplant? 
Was sind die inhaltlich langfristigen kunst- und kulturpolitischen Ziele dieser Maßnahmen? Was ist konkret geplant? Welche Museumsexpert_innen werden einbezogen? Wie wird ein transparenter und demokratischer Entwicklungsprozess sichergestellt? Wo und wie soll sich die zeitgenössische Kunst in Oberösterreich weiterentwickeln, wenn die Ausstellungsmöglichkeiten weniger werden?

Was passiert mit den Mitarbeiter_innen? 
Mit welchen Verträgen und Aufgabengebieten werden die Mitarbeiter_innen in Zukunft zu tun haben? Wird es in diesem Sektor Nachbesetzungen beim Land Oberösterreich geben – oder lagern Sie diese in externe Konstrukte aus? 

Einsparung schöngeredet…
Wenn die Landesgalerie ihre Ausstellungsflächen und das Depot verliert, ist das keine „Umstrukturierung“, sondern das Kaputtsparen einer renommierten Institution für zeitgenössische Kunst.

Wir protestieren vehement gegen diese unüberlegten Pläne! 

Als Nutzer_innen, Kunstschaffende und Unterstützer_innen der Landesgalerie Linz fordern wir Sie auf, diese sinn- und planlose, geschichtsvergessene, undemokratische und kleingeistige „Umstrukturierung“ zurückzuziehen. Die 1854 gegründete Landesgalerie und die oberösterreichischen Kunst- und Kultureinrichtungen haben es sich verdient.

Wir fordern bei jedweder Neuplanung einen demokratischen Prozess. Eine Einbeziehung aller Beteiligten! Einen offenen, partizipativen Umgang. Eine sofortige Offenlegung sämtlicher Pläne. Die Erhaltung dieser wichtigen Institution in ihrem derzeitigen Umfang. Einen qualitativ hochwertigen Kunst- und Kulturstandort Oberösterreich mit ausdifferenzierten Schwerpunkten.  

Denn wie Sie von ihrem Vorgänger wissen sollten: „Kultur kostet Geld, Unkultur noch viel mehr.“

Mit freundlichen Grüßen,  

IG BILDENDE KUNST
Alexander Jöchl, Eva Dertschei, Ezgi Erol, Vasilena Gankovska, Paula Pfoser, Elke Smodics

Wien/Linz, 4.10.2017 


#dankeschwarzblau

Landesgalerie Linz: Der oberösterreichische Kulturwinter - ein kunstpolitisches Attentat
Landesgalerie Linz: kritische Intervention am 4.10.2017