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Auslagerung der Artothek des Bundes

Was ist mit der Sammlung tatsächlich geplant?


Offener Brief der IG BILDENDE KUNST, 21.1.2002


Sehr geehrter Herr Staatssekretär Franz Morak,

aus gegebenem Anlass, wegen der „skandalwitternden“ Berichterstattung seit Beginn des Jahres über die Artothek und die merkwürdigen Vorkommnisse, ersucht die IG BILDENDE KUNST um Aufklärung und Beantwortung folgender Fragen:

1. Wann und wo war der "Verwaltungsposten" für die Artothek ausgeschrieben?

2. Wer waren die anderen Bewerber?

3. Was geschieht, wenn die EU-Förderung dem jetzt mit der Arbeit betrauten Verein nicht oder nicht mehr zugeteilt wird?

4. Wird die bewährte Ankaufspraxis, mit welcher der Bund seit Jahrzehnten KünstlerInnen sehr direkt unterstützt, in gleicher Weise fortgesetzt?

5. Wenn ja, wer wird in Zukunft die Auswahl treffen?

6. Wird es weiterhin Ausstellungen geben, in denen die Neuerwerbungen der Artothek präsentiert werden? Angeblich wurden weitere Ausstellungen untersagt.

7. Wo sollen künftig die Bestände der Artothek gelagert werden, nachdem der jetzige Standort "nicht geeignet" und zu "teuer" ist?

8. Stimmt es, dass in Zukunft auch Privatpersonen Werke in der Artothek ausleihen können?

Sollte letzteres der Fall sein, spricht sich die IGBILDENDE KUNST entschieden dagegen aus, weil sie befürchtet, dass die Kauflust der Kunstinteressierten dadurch sabotiert wird. Wozu noch kaufen, wenn günstig ausgeliehen werden kann?

Ein großer Vorteil der bisherigen Vorgangsweise war auch, dass sehr viel neue, unangepasste, auch spröde und sperrige Kunst, durch ihre Platzierung in öffentlichen Einrichtungen, relativ viel Publikum bekommen hat, was bei ausschließlicher Selektion durch einen gewinnorientierten Kunstmarkt nie der Fall gewesen wäre.

Aus diesem Grund haben wir auch große Bedenken bezüglich der "Galerienförderung", wie sie seit letztem Jahr praktiziert wird. Dass die Museen ausgerechnet in risikobereiten und experimentierfreudigen "Informationsgalerien" die Arbeiten von noch nicht oder kaum etablierten KünstlerInnen kaufen werden, eben von jenen, die der Förderung am meisten bedürfen, ist mehr als unwahrscheinlich. Daher erwarten wir schon mit großer Neugier den Bericht, wie die Museen ihre Millionen im Jahr 2001 angelegt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Weissenbacher
IG BILDENDE KUNST