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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Und nach der Konferenz: Prekäre Perspektiven?


Teilnehmer_innen der Konferenz zur sozialen Lage der Kreativen am 22./23. Juni 2009 haben das BMUKK mit einem umfassenden Arbeitspaket ausgestattet. Zentrale Themen:
Soziale Absicherung, Arbeitsrechte, Gleichbehandlung, Mobilität.


(Pressemitteilung, 24.6.2009) Als einen "Schatz" bezeichnete Kunstsektionschefin Andrea Ecker die Bühne voller Flipcharts mit Lösungsansätzen und Forderungen am Ende der eineinhalb Tage dauernden Konferenz "Prekäre Perspektiven? Zur sozialen Lage der Kreativen" (22./23. Juni). Nachdem die Studie zur sozialen Lage der Kunstschaffenden im letzten Jahr akuten Handlungsbedarf zur Verbesserung der prekären Arbeitsbedingungen und mangelnden sozialen Absicherung aufgezeigt hatte, ist seit April dieses Jahres eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Einbeziehung der Interessenvertretungen mit der Entwicklung eines Maßnahmenpaketes beauftragt. Die Konferenz war Teil dieses Prozesses.

In fünf Arbeitsgruppen haben die Konferenzteilnehmer_innen Forderungen formuliert. Auch Probleme in punkto Mobilität standen auf der Agenda. - Ein Thema zu dem die IG BILDENDE KUNST seit dem Fremdenrechtspaket 2005 intensiv gearbeitet hat. Mobilität ist nämlich nicht nur eine Frage von Stipendien- und Austauschprogrammen, sondern auch fremdenrechtlichen Bestimmungen unterworfen. So brachte es Petja Dimitrova (stv. Vorsitzende IG BILDENDE KUNST) auf den Punkt: "Mobilität ist in Europa sehr eng verbunden mit der Logik des Nationalstaates zur Förderung der eigenen Kulturproduktion. Künstler_innen ohne EU/EWR-Pass sind hier nicht gewollt, wenn sie nicht rentabel sind. Sie sind einer verschärften Prekarisierung ausgesetzt, und wenn sie nicht durchhalten, sollen sie weg."

Von Verschärfungen wussten bei der Konferenz sowohl Kulturveranstalter_innen als auch die Fremdenrechtsexpertin Doris Einwallner zu berichten. Zunehmend wird das Erlangen von Visa für Künstler_innen aus so genannten Drittstaaten für kurzfristige Aufenthalte wie Tourneen oder Projekte schwieriger. Erst nach intensivem Nachhaken der Veranstalter_innen und im letzten Moment könnte ein Visum erfolgen, oder auch nicht. Eine solche Risikoplanung ist für Veranstalter_innen nicht zumutbar. Gleichzeitig sind Austausch und Mobilität notwendig für die künstlerische Tätigkeit. Auch (förder)politisch wird die Internationalisierung des Kunstbetriebs gefordert (wenn auch längst nicht entsprechend finanziell gefördert).

Auf dem Fahrplan der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) stehen bislang drei Unterarbeitsgruppen (Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung). Aber, wie Andrea Ecker resümierte, es ist auch wichtig, die IMAG thematisch noch zu verbreitern, denn mit vielen Themen, die nun aufgelistet sind, wurde noch nicht begonnen.

Mobilität von Künstler_innen muss nach der Konferenz auch in der IMAG auf die Agenda. Der Mobilität von Künstler_innen ist nicht mit dem Export österreichischen Kunstschaffens ins Ausland Genüge getan. Die Freiheit der Kunst muss das Recht, den Ort der künstlerischen Tätigkeit (wieder) frei wählen können, umfassen. Kurzfristig und auch auf Dauer. "Die rassistische Teilung in Staastbürger_innen und Migrant_innen muss ein Ende haben", so Petja Dimitrova bei der Konferenz.

 

[Anm.: Mitte Juli ist auf der Website des BMUKK die Veröffentlichung der Dokumentation zur Konferenz geplant.]