IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Kooperationsprojekt AIR - Artist in Residence NÖ

UNDER THE CURRENT CIRCUMSTANCES...

 

ANCA BENERA & ARNOLD ESTEFAN (RO) und OELLINGER/RAINER (A)


Kuratiert von Verena Gamper und Sonja Schön
Eröffnung
17. November 2015, 19 Uhr
Ausstellungsdauer 10. Jänner 2016


Kooperation mit AIR artist-in-residence Krems

 

>> Scroll down for english version

Kunst zu machen hat heute wie ehedem seine je zeitgemäßen Begleiterscheinungen. Wahlweise mit Keule oder feiner Klinge widmen sich die beiden Künstler_innenpaare Anca Benera & Arnold Estefan sowie oellinger/rainer (Hannah Oellinger und Manfred Rainer) den Produktionsbedingungen im Feld der Kunst. Es sind die Schattenseiten der zum Beruf gemachten Kreativität, denen sie dabei besondere Beachtung schenken: von unbezahlten Praktika bis zum unverzichtbaren Netzwerken, von der sich selbst perpetuierenden verzerrten Selbst- und Fremdbespiegelung bis zur Querfinanzierung des Künstler_innendaseins durch sogenannte Brotberufe.

Das in Wien lebende Duo oellinger/rainer richtet seinen kritischen Blick vor allem auf die Kunstszene selbst. Wie wird – wenn überhaupt – über Kunst gesprochen? Üben Künstler_innen untereinander Kritik oder wird diese der guten Stimmung wegen gerne vermieden? Wie steht es um Konkurrenzkämpfe in der Aufmerksamkeitsökonomie? Welches sind die wichtigsten Tools, um als Künstler_in erfolgreich zu sein? Wer definiert solche Regeln, oder sind sie gar selbstgemacht? In ihrem Projekt Superintern versuchen oellinger/rainer seit einigen Jahren – mittels unterschiedlicher Strategien, aber bisher erfolglos – das von ihnen hoch geschätzte Künstlerkollektiv Superflex davon zu überzeugen, sein Angebot eines unbezahlten Praktikums zurückzuziehen. In Fail CV wird dem internationale Aktivität und Kontinuität vermittelnden Lebenslauf des zeitgenössischen Kunstschaffenden ein Lebenslauf der Misserfolge gegenübergestellt, der mit allen abgelehnten Projekten und Förderansuchen den Weg des Erfolgs als steinigen ausweist.

 

Anca Benera & Arnold Estefan, die in Bukarest leben, liefern ebenso profunde wie gewitzte Kommentare zu den gegenwärtigen Verhältnissen im Kunstfeld: von Aktualisierungen kunsthistorischer Referenzwerke wie Mladen Stilinovićs Flagge bis hin zur Entwicklung einer Software, die algorithmisches Rechnen als spekulatives Denken begreift und auf Basis der Onlineaktivitäten von Benera und Estefan potenzielle neue Kunstwerke generiert. Die mikroökonomischen Produktionsbedingungen im Kunstbetrieb werden von Benera und Estefan aber auch in Zusammenhang mit den geopolitischen und makroökonomischen Machtverhältnissen betrachtet. So reflektieren sie in Compensation for the Lack of Resources das Verhältnis zwischen den Fördergeldern, die sie in den vergangenen Jahren von österreichischen Institutionen erhalten haben, und den Gewinnen der OMV aus dem Ölgeschäft in Rumänien. Im Rahmen ihrer Residency in Krems 2015 entstand die Videoarbeit Šwarţe Perspective. From the Black Forest to the Black Sea, in der anhand dreier in simuliertem „Deutsch“ geführter Gespräche zur Donau und der mit ihr verbundenen Interessen die politische und ökonomische Dominanz Deutschlands thematisiert wird.

 

Das in der Ausstellung präsentierte dichte Gewebe an kritischen Fragen und Kommentaren zur Situation zeitgenössischer Kunstproduktion zeigt, dass die derzeitigen Bedingungen zwar nichts Gutes für die Kunst bedeuten, so doch gute Kunst hervorbringen.

 

>>english version

The making of art has always had its topical concomitants. Whether with deep cuts or fine slices, the two artist couples Anca Benera & Arnold Estefan and oellinger/rainer (Hannah Oellinger and Manfred Rainer) take on the production conditions in the field of art, focusing particularly on the downsides of making creativity one’s occupation: from unpaid internships to indispensable networking, from the self-perpetuating, distorted mirroring of oneself and others to the cross-financing of the artist’s existence through day jobs.

The Vienna-based artists oellinger/rainer direct their critical gaze above all at the art scene itself. How do people talk about art – if they talk about it at all? Do artists offer each other criticism, or do they largely avoid this for the sake of keeping peace? What about the competition in attention economics? What are the most important tools that contribute to an artist’s success? Who defines these rules, or are they self-made? The project Superintern documents the duo’s so far unsuccessful attempts to persuade the much-admired Danish artist collective Superflex to withdraw their offer of an unpaid internship from their homepage. In Fail CV, the regular CV conveying a contemporary artist’s achievements, international activities, and continuity is thwarted by a CV of failures, whose listings of rejected projects and grant proposals show the road to success to be a rocky one.

 

The Bucharest-based artists duo Anca Benera & Arnold Estefan provide both profound and smart commentaries on current circumstances in the art world: from the updating of art-historical reference works such as Mladen Stilinović’s flag to the development of a software that regards algorithmic calculation as speculative thinking and generates potential new artworks based on the couple’s online activities. Benera and Estefan also consider the microeconomic production conditions in the art business in their relation to geopolitical and macroeconomic balances of power. Compensation for the Lack of Resources, for example, reflects the relationship between the funding the couple has received in recent years from Austrian cultural institutions on the one hand and the profits made by the Vienna-based OMV oil and gas company through its oil business in Romania on the other. As part of their residency in Krems in 2015, Benera and Estefan created the video work Šwarţe Perspective. From the Black Forest to the Black Sea, in which Germany’s political and economic dominance is examined through three dialogues in simulated German concerning the Danube River and the various interests linked to it.

 

The dense fabric of critical questions and comments on the current situation of art production presented in the exhibition shows that the current circumstances do not bode well for art, but it they do make for good art.

 

 

Galerie IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12
1060 Wien
Tel. +43 (0)1 524 09 09
galerie(at)igbildendekunst.at