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Kooperation mit AIR-Artist in Residence NÖ

BELEUCHTUNGSWECHSEL - REFLECTING YOUTH

Claudiu Cobilanschi (RO) & Katharina Gruzei (A)


Kuratiert von Alexandra Hennig und Sonja Schön

Eröffnung: 25. November 2014, 19 Uhr
Ausstellungsdauer  bis 16. Jänner 2015


Kooperation mit AIR artist-in-residence Krems

Im Rahmen der Kooperation zwischen der IG Bildende Kunst und AIR Artist-in-Residence in Krems präsentieren wir 2014 in dieser Ausstellung Claudiu Cobilanschi, einen Gastkünstler aus Rumänien. In bewährter Form zeigen wir ihn gemeinsam mit einem Mitglied der IG BILDENDE KUNST: Katharina Gruzei, Positionen, die sich beide in ihren Arbeiten verstärkt mit soziopolitischen Themen beschäftigen.

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Mannigfaltige und ambivalente Eigenschaften werden der Jugend zugeschrieben; diese reichen von Anmut und Liebreiz, geistigem Erwachen und strotzender Energie bis hin zur gegenteiligen Vorstellung des widerständigen Jugendlichen, der sich all dieser vermeintlichen Versprechen zum Trotz durch Desinteresse und Rebellion auszeichnet. Bittersüß manifestiert sich am Beispiel der Jugend wie sehr es auf die Perspektive ankommt, aus der man etwas oder jemanden betrachtet. Im Wechsel der Beleuchtung wird Vertrautes fremd und Geheimnisvolles entzaubert. So erinnert ein gewöhnlicher Gartengrill im Widerschein des Mondes schon einmal an ein Requisit aus einem Horrorfilm, und die Fotografie eines Jugendlichen, der einen ausgestopften Raubvogel aus dem verstaubten Depot eines Kleinstadtmuseums vor seinen Körper hält, mutet auf dem professionell ausgeleuchteten Bild, wie einem Modemagazin entnommen, an. Zwei Szenen, die sich scheinbar diametral zueinander verhalten und die doch, stellvertretend zu den beiden in der Ausstellung gezeigten Bildzyklen, das Thema der Jugend am Leitfaden wechselnder Beleuchtung und unterschiedlicher Standpunkte austarieren.

Fullmoon, die 20-teilige Fotoserie von Katharina Gruzei (A), aus der die Ausstellung eine repräsentative Auswahl zeigt, visualisiert im hellen Licht des Vollmondes, vordergründig trostlos erscheinende suburbane Nicht-Orte, die sich Jugendliche untertags erobert und zu Nutze gemacht haben. Im diffus-nächtlichen Mondschein erfahren die Personen und Objekte eine enigmatische Aufladung, die diesen einerseits eine auratische Präsenz verleiht und sich gleichsam im Oszillieren zwischen Wirklichkeit und Phantasma äußert. So unheimlich der erste Eindruck sein mag, den Gruzeis mondhelle Szenen evozieren, setzen diese das magische Potential der Nacht wie der Jugend zueinander in Beziehung; wohnen doch beiden, leidlich erforschten Territorien, befreiende und erkenntnisbringende Momente inne.

Im Dialog mit Gruzeis „Nocturne“ zeigt die Ausstellung die neunteilige Fotoserie Muzeul de Stiinte Naturale von
Claudiu Cobilanschi (RO). Auch seinen hoch-ästhetischen, hell-ausgeleuchteten Porträts attraktiver junger Menschen, die mit edlen Vögeln posieren, haftet ein unleugbarer „delightful horror“ an. Wird erst das Trugbild der perfekten Oberfläche – ein Abglanz von Jugend, Schönheit und Freiheit – hinterfragt, öffnet sich sukzessive die Büchse der Pandora; Unbehagen und Befremden stellen sich ein mit der Erkenntnis, dass es sich bei den Tieren um tote Objekte handelt, deren Beziehung zu den jugendlichen Protagonisten kalt und rätselhaft bleibt, während gleichzeitig die Grenzen zwischen Mensch und Tier zusehends porös werden. Wie Tag und Nacht mögen die fotografischen Serien von Katharina Gruzei und Claudiu Cobilanschi erscheinen, was sie verbindet, ist der strategische Zweifel, nicht nur an der Wahrhaftigkeit des Bildes sondern auch an dem Glauben an das Sosein. Ambiguität und Krisenhaftigkeit kennzeichnen nicht nur die beiden Werke, sondern charakterisieren gleichermaßen den Prozess des Erwachsenwerdens als eine Zeit des Übergangs und des Wandels.


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BELEUCHTUNGSWECHSEL - REFLECTING YOUTH
Claudiu Cobilanschi (RO), Katharina Gruzei (A)


Curated by Alexandra Hennig and Sonja Schön

Opening:
Tuesday, November 25th 2014, 7 pm

 

In cooperation with
AIR artist-in-residence Krems


The characteristics ascribed to youth are manifold and ambivalent. They range from grace and charm, intellectual awakening and boundless energy, to an image with the opposite polarity: defiant youth typified by the rejection of all that alleged potential by being uninterested and rebellious. In the context of youth the extent to which perspective influences how one sees something or someone takes on a bittersweet quality. With a change in illumination the familiar becomes foreign, the mysterious is demystified. And so it is that in the light of the moon a common garden grill comes to remind one of a prop from a horror film and, because of its professional lighting, a photograph of a youth holding in front of himself a stuffed bird of prey taken from the store room of a small town museum suggests it came from a fashion magazine. The two scenes seem diametrically opposed but actually represent the two picture cycles being presented in the exhibition which hold the balance between two different standpoints from which the subject of youth under changing illumination is examined.

Fullmoon, a 20-part photo series by artist Katharina Gruzei (A)—of which a selection will be shown—uses the brightness of the full moon to capture images of what might be considered superficially desolate suburban non-places which young people take over and make use of during the day. In the diffuse moonlight people and objects become enigmatically charged. On the one hand this lends them an auratic presence and, at the same time, allows them to oscillate between reality and the phantasmic. However uncanny the first impressions evoked by Gruzei’s moonlight scenes might be, the magic potential of the night intersects with that of youth, both of which, as partially explored territories, contain liberating and enlightening moments.

The exhibition brings Claudiu Cobilanschi’s (RO) nine-part series, Muzeul de Stiinte Naturale, into a dialogue with Gruzei’s ‘nocturne’. But here, too, it cannot be denied that his highly aesthetic, brightly lit portraits of attractive young people posed with noble birds contain an inherent “delightful horror”. As soon as the perfect surface—a pale reflection of youth, beauty and freedom—is questioned, Pandora’s box opens successively: with the recognition of the animals as dead bodies whose relationship to the youth protagonists remains cold and cryptic, unease and alienation slips into the mind while at the same time the borders between human and animal become increasingly porous. The photographic series from Katharina Gruzei and Claudiu Cobilanschi may appear to be as different as day and night but they are bound together by a strategic doubt that not only questions the veracity of the image but also the belief in essence. Ambiguity and crisis are not only stamped on both works but also characterise the process of growing up as a time of transition and change.


Claudiu Cobilanschi, Muzeul de Stiinte Naturale 05, 2012
Katharina Gruzei/ IG BILDENDE KUNST 2015

Galerie IG BILDENDE KUNST
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