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Ausschreibungsprojekt

Die Ästhetik des Widerstands


Ausstellung und Veranstaltungsprogramm zum Roman
„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss

initiiert von

Julia Lazarus und Moira Zoitl

Eröffnung Dienstag, 4. Februar 2014, 19 Uhr
Ausstellungsdauer bis 21. März 2014

Projektbeteiligte:

Aesthetic of Resistance Reading Group (London), Akademie einer anderen Stadt (Knobloch/Vorkoeper), Dorothee Albrecht, Iris Andraschek, bankleer, Daniela Brahm/Les Schliesser, Yvon Chabrowski, Fred Dewey, Heiner Franzen, Christine de la Garenne, Erik Göngrich, Mathilde ter Heijne, Naomi Hennig, Ralf Hoedt, annette hollywood, Halina Kliem, Ralo Mayer, Warren Neidich, Julia Lazarus, Hubert Lobnig, Lizza May David, Matthias Mayer, Manoa Free University, Jana Müller, Kirsten Palz, Andrea Pichl, Stefan Römer, Isa Rosenberger, David Rych, Judith Siegmund, Melissa Steckbauer, trafo.K, Jan Verwoert/Federica Bueti, Bettina Vismann, Simon Wachsmuth, Franziska Wildt, Sabine Winkler, Andreas Wutz, Moira Zoitl, u.a.


Die Ästhetik des Widerstands

„Ich gehöre nicht zu den Autoren, die ihre Kunst von ihrem gesellschaftlichen Leben trennen, und die der Kunst eine autonome Existenz zusprechen. Auch ich bin ... davon überzeugt, dass die größte Qualität der Kunst in ihrer Fähigkeit liegt, in die Wirklichkeit einzugreifen, um diese zu verändern.“ Peter Weiss(1)

Peter Weiss (* 1916 bei Potsdam; † 1982 in Stockholm) war ein deutsch/schwedischer Schriftsteller, Künstler und Experimentalfilmer. Der Roman „Die Ästhetik des Widerstands“, 1975, 1978 und 1981 in drei Bänden veröffentlicht, gilt als sein schriftstellerisches Hauptwerk. Es entwickelte sich in den 80ern2) zum Kristallisationspunkt politisch-ästhetischer Diskussionsveranstaltungen und wurde angesichts seiner außergewöhnlich breiten Rezeption auch als der „letzte gemeinsamen Nenner“ der Linken bezeichnet. Eines der Kernanliegen der Triologie bildet die Reflexion des Verhältnisses von Kunst und Politik, eine Fragestellung, die bis heute immer wieder neu verhandelt wird.3)

Der Roman liefert dabei weniger einen Beitrag zur ästhetischen Theorie, sondern eher die Ausarbeitung einer ästhetischen Pädagogik. In diesem Sinne ist das Buch ein Bildungsroman, in dem junge Arbeiter eine widerständige Praxis durch die Wechselhaftigkeit der Geschichte erlernen, sich aber auch eine ästhetische Kultur aneignen, die die politische Ausbildung ergänzen soll und ihr vielleicht sogar vorausgeht.4)

Eine der zentralen Thesen des Romans von Peter Weiss ist, dass sich durch die Auseinandersetzung mit Werken der Bildenden Kunst und der Literatur neue Modelle für die politische Aktion und für ein Verständnis des Sozialen entwickeln lassen. Die jungen Protagonisten des Romans, dessen Handlung sich von den späten 30er Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg spannt, treffen sich immer wieder in Museen und Galerien um gemeinsam Kunstwerke zu betrachten und diese im Hinblick auf den politischen Kampfes der Unterdrückten neu zu interpretieren. 

In dem Buch geht es also um die Ausbildung von politischen Überzeugungen und den Gewinn von neuen Erkenntnissen durch das Lesen und Interpretieren von Kunst, letztendlich also um das Erlernen und Sammeln von in der Gegenwart anwendbarem Wissen und politischem Verständnis durch die selbstbestimmte Rezeption der Kulturgeschichte. Damit knüpft Peter Weiss an die Ideale und Ideen der Arbeiterbildung an, die möglicherweise – wenn auch unter anderen Vorzeichen – eine Fortsetzung finden in der gegenwärtigen Praxis des selbstbestimmten Lernens. 

Mit der Ausstellung und dem begleitenden Programm zu dem Buch „Die Ästhetik des Widerstands“ in der Galerie IG-Bildende-Kunst wollen wir die dem Roman zugrunde liegenden Themen in der Gegenwart neu verorten und der Frage nachgehen, inwieweit die in Peter Weiss´s Roman aufgestellten Thesen für das künstlerische und das politische Feld auch heute noch Gültigkeit haben. Mittels einer breit angelegten Einladung, die sich an Bildende Künstler_innen, als auch Schriftsteller_inen, Kritiker_innen und Kuratoren_innen richtet haben wir Personen die sich in ihren Arbeiten bereits mit dem Werk von Peter Weiss beschäftigt haben, eingeladen einen Beitrag zu gestalten. 

1  Antwort auf einen Offenen Brief von Wilhelm Girnus, 1965

2  Volksuni ’80. Bilder und Texte, Berlin/W 1981

3  Gerhard Scheit in „Diese bebende, zähe, kühne Hoffnung“. 25 Jahre Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands. St. Ingberg: Röhrig, 2008

4  Fredric Jameson, aus der Einführung in der englischen Ausgabe von „Die Ästhetik des Widerstands“


RAHMENVERANSTALTUNGEN:


Sonntag 16. März, 12 Uhr – 20 Uhr
Arbeiterkino

TOP KINO

Montag 17. März 19 Uhr
„Das Verhältnis zu den Verhältnissen. Zur Geschichte der Arbeiterbildung.“
Vortrag von Lisa Sinowatz

Dienstag 18. März, 19 Uhr
„Der Streit um den ästhetischen Blick“
Buchvorstellung von Jens Kastner

>> Bilder zu den Rahmenveranstaltungen


Moira Zoitl

ist Künstlerin und und Kuratorin, geboren 1968 in Salzburg (AT) und lebt und arbeitet in Berlin. Von 1990 bis 1997 Studium an der Universität für angewandte Kunst, Wien (Diplom 1995); und 1997 an der Universität der Künste, Berlin, DE

Sie ist Mitinitiatorin von kollaborativen und kuratorischen Projekte wie z. B.: SEXY MYTHOS – Selbst- und Fremdbilder von KünstlerInnen (NGBK, Berlin 2006, Forum Stadtpark Graz 2006, HGB Leipzig, 2006, Kunstverein Lübeck, 2007); Dreams of Art Spaces Collected, Künstlerbund Berlin 2008, Volkspark Halle 2012 (mit Dorothee Albrecht, Andreas Schmid und IGBK – Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste) und Other Possible Worlds – Entwürfe diesseits von Utopia (NGBK, Berlin 2011). Preise und Auslandsstipendien: u.a. in Budapest (1994), Rom (1998/99, bm:ukk – Österreichisches Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur), Hong Kong (2002/2004), London (2003/2009, bm:ukk), Bukarest (2006) und Stockholm (2007, Goethe Institut), Beijing (2010 Land Salzburg) und erhielt u. a. 2001 den Österreichischen Förderpreis und 2004 das Österreichische Staatsstipendium für Bildende Kunst (bm:ukk). Moira Zoitl’s Videoarbeiten und Installationen wurden in einer Vielzahl an internationalen Ausstellungen gezeigt: u. a. 2011 «Rencontres Internationales», Paris»; «Other Possible Worlds», NGBK, Berlin; «Re/Production: Mothering», Kunstraum Kreuzberg, Berlin. «An Exchange with Sol LeWitt», MASS MoCA, New York, US 2010 «To Serve – House without a Maid», Huis Sonneveld und NAI (Netherlands Architecture Institute), Rotterdam. «Aussicht auf Veränderungen» Hamburg. «To Serve – House without a Maid», HAU Berlin. 2009 «Zeichen von Respekt», Elbinselsommer Hamburg. 2008 «The Third Guangzhou Triennial: ‘Tea Room’», Guangdong Museum of Art, China. «°I MYSELF AM WAR!», Open Space, Wien, AT. «Show Down», Projektraum exex, St. Gallen, CH. 2007 «Moira Zoitl – EXCHANGE SQUARE», Kunsthalle Exnergasse, AT. «As in real life» P74 Gallery, Ljubljana, SLO; 2006 «Arbeit/labour*» OBG Ormeau Bath Gallery, Belfast, Northern Ireland und Galerie im Taxispalais Innsbruck, AT. «Equal and less Equal» Museum on the Seam, Israel. «HOW TO DO THINGS? – In the Middle of (No)where...», International Center for Contemporary Art, Bukarest und Kunstraum Kreuzberg, Berlin.

www.moirazoitl.com


Julia Lazarus

ist Filmemacherin und Künstlerin und Kuratorin, geboren 1971 in Berlin. Sie studierte an der Hochschule der Künste, Berlin und am California Institute for the Arts, Los Angeles. Gegenwärtig lebt und arbeitet sie in Berlin.

Sie ist Mitinitiatorin von kollaborativen und kuratorischen Projekte wie z.B.: Rip it! Reappropriate popular culture – Internationales Videokunst- und Musikfestival (club 103, HKF 2006), TwenFM (2005-2006), rebootFM (bootlab e.V., HKF 2003) Preise und Stipendien: Katalogförderung, Berliner Senat (2011) Projektförderung Berliner Senat (2009); Projektförderung Hauptstadtkulturfonds (2006); Dokumentarfilmpreis, Diagonale Graz (2005 ); Stipendium Villa Aurora, Los Angeles (2003); Arbeitsstipendium Berliner Senat für Wissenschaft, Forschung und Kultur (2002). Die Filme von Julia Lazarus sind im Vertrieb bei Sixpackfilm Wien und bei e-flux Berlin/New York und wurden im In- und Ausland sowohl bei Ausstellungen als auch auf internationalen Festivals gezeigt. U. a.: 2013 12×12. Die IBB-Video-lounge, Berlinische Galerie, Berlin; Kunsthaus 19/21 Pforzheim 2012 A Burnt-Out Case, NGBK, Berlin; Hungry City, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien 2011 Let the rythm hit´em Kunstraum Kreuzberg, Berlin; It might all come together for a moment and then just as quickly it is gone, Galerie Funke, Berlin; Andererseits – künstlerische Entwürfe zur Frauenfussball- WM, Schwules Museum, Berlin 2010 MANIFESTA – Eventos Paralelos Murcia Spain; Casting, Visite ma tente, Berlin 2009 Kosten senken! Wachstum steigern!, West-Germany, Berlin; Perspektiven des Substituts, Le centre d´art Neuchâtel 2008 rencontres international, Paris; Globale, Berlin 2006 Rotterdam Filmfestival; Istanbul Filmfestival; Kasseler Dok-Fest 2005 Diagonale, Graz; Transatlantische Impulse, Martin-Gropius Bau, Berlin 2003 c-level, Los Angeles 2001 Viennale, Wien; Österreichisches Filmmuseum, Wien; Framed 7, Museumsquartier Wien. Julia Lazarus wird vertreten von Galerie Funke, Berlin

www.julialazarus.com

 

Bildcredits: Zoitl/ Lazarus
Ausstellungsansichten/ Fotos: Ralf Hoedt, 2014

Galerie IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12
1060 Wien
Tel. +43 (0)1 524 09 09
galerie(at)igbildendekunst.at