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Kooperation mit AIR-ARTIST IN RESIDENCE

FOREST GARDEN, BREAKFAST TEA

Katrin Hornek (A) und Sally Mannall (AUS)

Eröffnung: DIENSTAG, 2. Oktober 2012
Ausstellungsdauer
bis 23. November 2012

Kuratiert von Alexandra Hennig und Elke Smodics-Kuscher

Programm:

Dienstag, 23. Oktober, 19 Uhr:

The garden: poetics and politics

Sally Mannall, Künstlerin, und Katrin Ehlert, Repräsentantin der Arche Noah, im Gespräch über die Installation Hope eddies and microclimates, über das Engagement der Arche Noah zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und deren kulturpolitischer und ökologischer Bedeutung sowie Mannalls metonymischen Gebrauch des Gartens als Abbild der Welt auf kleinstem Raum. (Gespräch in englischer Sprache)

Donnerstag, 15. November, 18 Uhr:
Oh Wilderness

Katrin Hornek, Künstlerin, und Elke Krasny, Kuratorin und Kulturtheoretikerin, im Gespräch über Fragen der kritischen Auseinandersetzung mit Landschaft, Ressourcenpolitiken, Rechten und projektiven Imaginationsreservoiren sowie einer Referenz an die Arbeiten von Joyce Wieland. Mit einem Input der kanadischen Künstlerin Leila Sujir aus Montréal.

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Was geschieht mit einem Kunstraum, wenn Fragen zu kollektiven und individuellen Vorstellungen von Natur vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Normierungs- und Ordnungs - systeme betrachtet werden? In ihren Arbeiten nähern sich Katrin Hornek und Sally Mannall einem Ansatz, der als Heterotopie im Sinne Foucaults gelesen werden kann – als Erschaffung von Illusionsräumen, die ausgehend von örtlichen Spezifika ortsimmanente sowie historische, gesellschafts- und geopolitische Phänomene in Relation setzen. Die Künstlerinnen fokussieren in der Ausstellung forest garden, breakfast tea die Unschärfen des Naturbegriffs und vollziehen eine Bewegung zwischen Wäldern, Gärten und künstlerischen Repräsentations - räumen von Australien über Kanada nach Österreich. In Hope eddies and microclimates untersucht die australische Künstlerin Sally Mannall den Mikrokosmos Garten – vor allem am Beispiel von Nutz- und Gemüsegärten – unter besonderer Berücksichtigung mikroklimatischer Bedingungen und Windbewegungen, die sie mit Hilfe von zu Windsäcken umfunktionierten Militärhandschuhen, an deren Ende ein leuchtender Signalstreifen angebracht ist, visualisiert. Unter der heimlich/unheimlichen Regie des Windes und seinen böigen Bewegungen durch die Architektur des Gartens richten sich die Handschuhe sprichwörtlich wie «Fähnchen im Wind» aus und wirbeln mitunter spielerisch um die eigene Achse. Mit Hope eddies and microclimates gelingt es Mannall, die oszillierende Transition zwischen Idyll und Horror, Selbst- und Fremdbestimmtheit, Privatheit und Öffentlichkeit an einem Ort zu versammeln und offensichtlich zu machen. In den Räumlichkeiten der IG Bildende Kunst wird das Ergebnis von Sally Mannalls Installationen in verschiedenen privaten und öffentlichen Gärten in und um Krems, die sie derzeit während ihres Atelierstipendiums bei AIR—ARTIST IN RESIDENCE realisiert, sowohl dokumentiert als auch in Form einer eigenständigen Installation präsentiert.

Auch in Katrin Horneks Arbeiten geht es darum, Zusammen - hänge herzustellen – neuralgische Orte zu finden, an denen sich das Bezugssystem Natur in seiner Aufgeladenheit und im Spannungsfeld von naturwissenschaftlichen, kulturellen und historischen Prozessen offenbart. Im Gegensatz zu Mannall bewegt sie sich in einem vermeintlich öffentlichen Umfeld, quasi in der Wildnis – sei es der Großstadt oder eines National - parks –, wo sie historische, nomadische und migratorischinvasive Bewegungen von Arten aufspürt und das vielfach bemühte «natürliche Gleichgewicht» als utopisches Konstrukt zur Rechtfertigung grotesker Strategien entlarvt. So zeichnet Hornek in popcorn landscapes eine Karte auf den Spuren ihrer Stipendienaufenthalte in Melbourne (AUS) und erst kürzlich im BANFF Centre in Kanada, deren Topographie mit empi ri - schen Mitteln Spuren von Kolonialisierung und Landaneignung evaluiert. Ebenfalls im BANFF Centre entstanden ist die Arbeit The Park Ranger, die den für den Nationalpark zuständigen «Surveillance Manager» und Wildtier Biologen in einem Fernsehstudio posierend zeigt. Hornek inszeniert die Szene in Anlehnung an Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde Der Mönch am Meer, nur dass 200 Jahre später der Ausblick auf die unendliche Weite des Horizonts durch den «studio green screen» ersetzt wird. Die Ehrfurcht vor der Erhabenheit der Natur wird durch Kontrollmechanismen in eine virtuelle Realität überführt. Selbst der Ranger als Inbe griff des Hüters der Wildnis findet sich vor einem Riesen display wieder, das mit dieser nur noch die Farbe gemein hat. Die Arbeit der beiden Künstlerinnen verbinden nicht nur die gemeinsamen Fragestellungen nach Wirksamkeit, Sinn und Unsinn von Ordnungs- und Kontrolleinrichtungen, sondern auch eine wissenschaftliche Methoden aneignende Heran - gehensweise beispielsweise der Entnahme von Bodenproben. Weder Mannall noch Hornek offerieren Erklärungsmodelle, sondern begreifen ihre Kunst als fraktale Räume, als Brennglas für die Vielheit möglicher Relationen, Orte und Zeiten.

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>>english version

FOREST GARDEN, BREAKFAST TEA
Katrin Hornek und Sally Mannall


Curated by Alexandra Hennig und Elke Smodics-Kuscher

Opening
 October 2, 7pm
Exhibition until November 23/2012    

What happens to an art space when questions relating to collective and individual conceptions of nature are viewed against the background of society’s normative and regulatory systems? In their work Katrin Hornek and Sally Mannall approach a position that might be read as heterotopian, as Foucault understands the notion—as the creation of illusory spaces that start from the specifics of place and set site- specific, historical, social and geo-political phenomena in relationship to another. In the exhibition forest garden, breakfast tea, the artists focus on the blurriness of the notion of nature and follow the movement between forests, gardens and spaces of artistic representation from Australia to Austria via Canada. In Hope eddies and micro-climates Australian artist Sally Mannall examines the microcosm of the garden. Using mainly examples of kitchen and vegetable gardens she pays particular attention to the microclimatic conditions and the fluctuations of wind which is visualized using wind vanes made of adapted military gloves with reflecting signal stripes attached to their extremities. Following the wind’s secret/ uncanny direction, its changeable gusts through the garden architecture, the gloves really do flutter playfully on their own axes, like pennants in the wind. With Hope eddies and micro-climates Mannall succeeds in collecting the oscillating transitions between idyll and horror, self and heteronomous determination, privacy and public presence in one place and then making them obvious. The results of Sally Mannall’s installations in various private and public gardens in and around Krems realized during a studio scholarship of the AIR—ARTIST IN RESIDENCE programme will be documented and presented, in the form of an independent installation, in the gallery space of the IG-Bildenden Kunst.

Katrin Hornek’s work is also concerned with creating corre - lations—critical sites where nature is revealed as a highlycharged referential system in field of tension generated by the processes of natural science, culture and history. In contrast to Mannall’s work though, she moves in an allegedly public environment, in what might be called wilderness—whether it is situated in the urban space of a large city or in a national park—where she seeks out the historical, nomadic and migratory/ invasive movements of species and unmasks the manifold efforts at «natural balance» as a utopian construct in order to justify grotesque strategies. Thus in popcorn landscapes Hornek drew a map tracing her scholarship stays in Melbourne (AUS) and, just recently, in the BANFF Centre in Canada, the topo - graphy of which empirically evaluates traces of colonization and land appropriation. The Park Ranger is another work which was made in the BANFF Centre and shows the National Park «Surveillance Manager» and Wildlife Biologist in a television studio. Hornek’s staging of the scene alludes to Caspar David Friedrich’s famous painting The Monk by the Sea, though two hundred years later the view of endless space to a distant horizon has been exchanged by a studio green screen. The awe of the sublime in nature has been replaced by control mechanisms. Even the ranger, the embodiment of nature’s guardian, finds himself in front of a huge display which only has the colour in common with it. The work of the two artists is not only linked by the shared questions as to the effectiveness, sense and nonsense of mechanisms of order and control but also through the appropriation of scientific methods and their approach to it as for example by taking soil samples. Neither Mannall nor Hornek offer explanatory models but consider their art as fractal sites, as a burning glass for the multiplicity of possible relations, places and times.


Sally Mannall/ Hope, eddies and micro-climates, 2012
Katrin Hornek/ Park Ranger, 2012

Galerie IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12
1060 Wien
Tel. +43 (0)1 524 09 09
galerie(at)igbildendekunst.at