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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Ausschreibungsprojekt

GIB DEINEN IDEEN KEINE NAMEN


Eröffnung: Dienstag 8. Februar 2011, 19 Uhr
Ausstellungsdauer bis 18. März 2011


Die IG BILDENDE KUNST wird im Projektzeitraum zum temporären und dezentralen Treffpunkt und Diskussionsraum. Gleichzeitig finden im Rahmen des Projektes Aktionen, Performances und Interventionen im öffentlichen Raum sowie in zwei weiteren Veranstaltungsorten, dem BOEM und in der Schenke statt.

In der IG BILDENDE KUNST wird ein Archiv mit Büchern, Magazinen, Texten zu (Staats)Repression, Unterdrückungsverhältnissen und Widerstand dagegen angelegt, aus dem kostenlos kopiert werden kann: eine lebendige Sammlung von theoretischem und praktischem Wissen, die auch kontinuierlich erweitert wird – geschriebenes Wort in welcher Form auch immer, ist sehr Willkommen, COPYRIOT!

Die InitiatorInnen arbeiten als temporäre, offene Gruppe mit dem Ziel, die IG und ihre Öffentlichkeitswirksamkeit für diese Themen zu nutzen


Ausstellunsfolder [PDF, 84 KB]


Termine

8. Februar, 19 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst
Eröffnung
Performances: Die Entweihung der Körper

10. Februar, 19 Uhr, SCHENKE
Eröffnung
Happening: Kontrolle
SCHENKE: Pfeilgasse 33, 1080 Wien
Projektdauer bis 20.3. 2011
Öffnungszeiten: Mo und Do 16 bis 20 Uhr, Di 16 bis 20 Uhr für inter* lesben* frauen* trans*

Ab 14. Februar, montags, 20 Uhr, BOEM
glotz&quatsch
, zusammen Fernsehen
(WEGA – die Spezialeinheit), Filmreihe zu Repression mit Diskussionen
BOEM: Koppstraße 26, 1160 Wien

Mittwoch, 2. März, 18 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst
Diskussionsveranstaltung:

Repression und Öffentlichkeit
Wie kann das Verhältnis von Polizei und Medien, von Gefängnis und Kommunikation, von Schweigen und Sprechen, von Isolation und Teilhabe gedacht, verstanden und gestaltet werden? Es soll ein offener Diskussionsprozess über Möglichkeiten von Solidarität und gesellschaftlicher Veränderung unter den gegebenen Ausschlussbedingungen angeregt werden.

Teilnehmende: Angehörigen-hilfe, Bettellobby, Redaktionsmitglieder "die Feile - freie Zeitung für Unfreie", Özden Celik vom Radioprojekt für Strafgefangene "24. Bezirk", Ilija Trojanow u.a.

Freitag, 11. März, 18 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst
Performance: Wissensdramatisierung

Freitag, 18. März, 17 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst
Finissage

Diskussionsveranstaltungsreihe zu Repression im Alltag
Wöchentliche Filmscreenings

 

 

Gib deinen Ideen keine Namen

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Das erste große Gemetzel, das von 1914 bis 1918 ermöglichte sich auf einen Schlag eines großen Teils der ländlichen und städtischen Arbeiter_innenklasse zu entledigen wurde im Namen der Freiheit, der Demokratie und der Zivilisation geführt.

Im Namen derselben Worte setzt sich heute der «Krieg gegen den Terror» oder besser der «Krieg der Sicherheit» fort und reicht von politischen Verhaftungen bis zu Spezialeinsätzen. Die «positive» Ideologie der westlichen Imperialisten, oder der «soziale Frieden» ist nicht mehr so offensichtlich den zu Assimilierenden einzutrichtern. Die Freiheit ist nicht mehr der Name der auf die Wände geschrieben wird, sondern sein Schatten «Sicherheit».

Die Demokratie ist hinreichend bekannt dafür, sich in reinsten Ausnahmegesetzen und einem permanenten Ausnahmezustand aufzulösen. So zum Beispiel in der Wiedereinführung der Folter in den USA oder den Anti-Terrorgesetzen in Westeuropa.

In einem Jahrhundert wurde das Konstrukt der Freiheit und der Demokratie  auf den Zustand von Hypothesen reduziert. Die ganze Arbeit der Herrschenden besteht im Errichten von materiellen, moralischen, symbolischen und sozialen Bedingungen unter denen diese Hypothesen scheinbar bestätigt werden, im Modellieren sowie Kontrollieren von Räumen und Körpern wo sie funktionieren.

Alle Mittel sind zum Erreichen dieses Ziels recht, auch die am wenigsten demokratischen und die am meisten mit Sicherheitsmaßnahmen verbundenen. Im vergangenem Jahrhundert hat die Demokratie regelmäßig der Geburt des Faschismus vorgestanden. Mensch hat sich darauf geeinigt, dass die Manipulation der Massen, die Aktivitäten der Geheimdienste, die Einschränkung der wenigen öffentlichen Freiheiten und die vollständige Willkür der verschiedenen Polizeien angemessene Mittel zur Sicherung jener Pseudodemokratie, Pseudofreiheit und  jener zerstörerischen Zivilisation sind.

Im letzten Stadium dieser Entwicklung: der erste sozialistische Bürgermeister von Paris der Hand anlegt an die soziale Befriedung, d.h. die polizeiliche Erneuerung eines Migrant_innen sowie Arbeiter_innenviertels und sich mit sorgfältig abgewogenen Worten rechtfertigt: «Hier wird ein zivilisierter Raum errichtet».

Vieles ist dem hinzuzufügen, alles zu zerstören.

 

2

Die heutige Praxis der Demokratie ist eine Illusion der patriarchalen, weißen, westlichen Bürgerlichkeit. Um diese und manch andere Illusionen, wie die der «allgemeinen Sicherheit und Ordnung» noch aufrecht zu erhalten braucht es staatliche Gewalt und Sicherheitspropaganda, die Angst und Paranoia produzieren.

Staatliche und überstaatliche Gewalt wie Abschiebungen, Gefängnisstrafen, Verfolgungen aufgrund von sexueller Orientierung oder politischer Einstellung sind die offensichtlichsten Formen von Unterdrückung/Repression. Viele Ausprägungen von Unterdrückung/Repression bleiben meist unsichtbar und gehören zur Normalität. Der allgegenwärtige Zwang, dass Geld die menschlichen Existenzen

bestimmt, macht problemlos für alle Formen von Ausbeutung und Unterdrückung erpressbar. Für Frauen* ist der Zwang zur Selbstausbeutung, um die ökonomische Existenz zu sichern noch zugespitzter. Wer versucht aus dieser Normalität der

Gehorsamkeit auszubrechen, wird mit dem Kampfinstrument der Sicherheit zu Konformität diszipliniert.

Wir befinden uns in der permanenten Ausweitung der Herrschaft in Form von Möglichkeiten der Kontrolle, der Verwaltung, der Disziplinierungs- und Regierungstechniken. Die zunehmende Verpolizeilichung der Gesellschaft ist dabei nur ein Merkmal des Netzes der herrschenden Verhältnisse. Diese Dispositive der Macht entfremden uns und gehören jener scheinbaren Normalität an, die diese fortwährende Entfremdung reproduzieren. Die Welt in der wir leben entpuppt sich mehr und mehr als ungeheure Wucherung von Dispositiven. Für die Einzelnen gibt es keinen einzigen Moment mehr, der nicht von solchen Anordnungen, von solchen «Apparaturen der Kontrolle» modelliert, kontrolliert und kontaminiert wäre.

Neue Formen repressiver Staats - macht, die nicht zuletzt durch den so genannten «Krieg gegen Terror» globale Anwendung finden, vereinfachen die Kriminalisierung von Individuen, sozialen Bewegungen und zivilem Ungehorsam. Außerparlamentarische Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen wird zum kriminellen oder terroristischen Akt gemacht.

 

Weitere Termine und Infos auch unter:

kbst.blogsport.eu

 

SCHENKE - KostnixLaden, Kaffee und Theoriebüro/ Foto: d'schenke
BOEM - Verein zur Förderung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Kommunikatio/ Foto: http://bit.ly/eweyxW
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Galerie IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12
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Tel. +43 (0)1 524 09 09
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