AusschreibungsprojektGIB DEINEN IDEEN KEINE NAMEN
Die IG BILDENDE KUNST wird im Projektzeitraum zum temporären und dezentralen Treffpunkt und Diskussionsraum. Gleichzeitig finden im Rahmen des Projektes Aktionen, Performances und Interventionen im öffentlichen Raum sowie in zwei weiteren Veranstaltungsorten, dem BOEM und in der Schenke statt. In der IG BILDENDE KUNST wird ein Archiv mit Büchern, Magazinen, Texten zu (Staats)Repression, Unterdrückungsverhältnissen und Widerstand dagegen angelegt, aus dem kostenlos kopiert werden kann: eine lebendige Sammlung von theoretischem und praktischem Wissen, die auch kontinuierlich erweitert wird – geschriebenes Wort in welcher Form auch immer, ist sehr Willkommen, COPYRIOT! Die InitiatorInnen arbeiten als temporäre, offene Gruppe mit dem Ziel, die IG und ihre Öffentlichkeitswirksamkeit für diese Themen zu nutzen
8. Februar, 19 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst 10. Februar, 19 Uhr, SCHENKE Ab 14. Februar, montags, 20 Uhr, BOEM Mittwoch, 2. März, 18 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst Repression und Öffentlichkeit Freitag, 11. März, 18 Uhr, Galerie IG Bildende Kunst Diskussionsveranstaltungsreihe zu Repression im Alltag
Gib deinen Ideen keine Namen 1Das erste große Gemetzel, das von 1914 bis 1918 ermöglichte sich auf einen Schlag eines großen Teils der ländlichen und städtischen Arbeiter_innenklasse zu entledigen wurde im Namen der Freiheit, der Demokratie und der Zivilisation geführt. Im Namen derselben Worte setzt sich heute der «Krieg gegen den Terror» oder besser der «Krieg der Sicherheit» fort und reicht von politischen Verhaftungen bis zu Spezialeinsätzen. Die «positive» Ideologie der westlichen Imperialisten, oder der «soziale Frieden» ist nicht mehr so offensichtlich den zu Assimilierenden einzutrichtern. Die Freiheit ist nicht mehr der Name der auf die Wände geschrieben wird, sondern sein Schatten «Sicherheit». In einem Jahrhundert wurde das Konstrukt der Freiheit und der Demokratie auf den Zustand von Hypothesen reduziert. Die ganze Arbeit der Herrschenden besteht im Errichten von materiellen, moralischen, symbolischen und sozialen Bedingungen unter denen diese Hypothesen scheinbar bestätigt werden, im Modellieren sowie Kontrollieren von Räumen und Körpern wo sie funktionieren. Alle Mittel sind zum Erreichen dieses Ziels recht, auch die am wenigsten demokratischen und die am meisten mit Sicherheitsmaßnahmen verbundenen. Im vergangenem Jahrhundert hat die Demokratie regelmäßig der Geburt des Faschismus vorgestanden. Mensch hat sich darauf geeinigt, dass die Manipulation der Massen, die Aktivitäten der Geheimdienste, die Einschränkung der wenigen öffentlichen Freiheiten und die vollständige Willkür der verschiedenen Polizeien angemessene Mittel zur Sicherung jener Pseudodemokratie, Pseudofreiheit und jener zerstörerischen Zivilisation sind. Im letzten Stadium dieser Entwicklung: der erste sozialistische Bürgermeister von Paris der Hand anlegt an die soziale Befriedung, d.h. die polizeiliche Erneuerung eines Migrant_innen sowie Arbeiter_innenviertels und sich mit sorgfältig abgewogenen Worten rechtfertigt: «Hier wird ein zivilisierter Raum errichtet». Vieles ist dem hinzuzufügen, alles zu zerstören.
2Die heutige Praxis der Demokratie ist eine Illusion der patriarchalen, weißen, westlichen Bürgerlichkeit. Um diese und manch andere Illusionen, wie die der «allgemeinen Sicherheit und Ordnung» noch aufrecht zu erhalten braucht es staatliche Gewalt und Sicherheitspropaganda, die Angst und Paranoia produzieren. Staatliche und überstaatliche Gewalt wie Abschiebungen, Gefängnisstrafen, Verfolgungen aufgrund von sexueller Orientierung oder politischer Einstellung sind die offensichtlichsten Formen von Unterdrückung/Repression. Viele Ausprägungen von Unterdrückung/Repression bleiben meist unsichtbar und gehören zur Normalität. Der allgegenwärtige Zwang, dass Geld die menschlichen Existenzen bestimmt, macht problemlos für alle Formen von Ausbeutung und Unterdrückung erpressbar. Für Frauen* ist der Zwang zur Selbstausbeutung, um die ökonomische Existenz zu sichern noch zugespitzter. Wer versucht aus dieser Normalität der Gehorsamkeit auszubrechen, wird mit dem Kampfinstrument der Sicherheit zu Konformität diszipliniert. Wir befinden uns in der permanenten Ausweitung der Herrschaft in Form von Möglichkeiten der Kontrolle, der Verwaltung, der Disziplinierungs- und Regierungstechniken. Die zunehmende Verpolizeilichung der Gesellschaft ist dabei nur ein Merkmal des Netzes der herrschenden Verhältnisse. Diese Dispositive der Macht entfremden uns und gehören jener scheinbaren Normalität an, die diese fortwährende Entfremdung reproduzieren. Die Welt in der wir leben entpuppt sich mehr und mehr als ungeheure Wucherung von Dispositiven. Für die Einzelnen gibt es keinen einzigen Moment mehr, der nicht von solchen Anordnungen, von solchen «Apparaturen der Kontrolle» modelliert, kontrolliert und kontaminiert wäre. Neue Formen repressiver Staats - macht, die nicht zuletzt durch den so genannten «Krieg gegen Terror» globale Anwendung finden, vereinfachen die Kriminalisierung von Individuen, sozialen Bewegungen und zivilem Ungehorsam. Außerparlamentarische Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen wird zum kriminellen oder terroristischen Akt gemacht.
Weitere Termine und Infos auch unter:
|






