Kooperation mit AIR artist-in-residence KremsSFERE
Kuratiert von Eröffnung: Dienstag, 19. Jänner 2010 Folderpdf [PDF, 225 KB]
SFERE Die Ausstellung „SFERE“ vereint zwei künstlerische Positionen – Irena Lagator und Wendelin Pressl – die sich beide durch die Vielzahl von verschiedenen Medien auszeichnen, die sie für ihre Erkundung und Vermessung der Welt anwenden: von Video, Fotografie, Zeichnung und Malerei über Objektkunst bis hin zu räumlichen Installationen und Interventionen im privaten und öffentlichen Raum. „Sfere“ ist das montenegrinische Wort für „Sphären“, das vom griechischen Wort „sphaira“ mit der Bedeutung „Ball“, „Kugel“ herrührt. In einem metaphorischen Sinn bezeichnet „Sphäre“ auch einen bestimmten Bereich, der eine Person, ein Konzept, ein Land, eine Macht oder eine Kultur umgibt, wie z.B. „Einflusssphäre“, „Privatsphäre“, „Sphäre des Öffentlichen“, „Handlungssphäre“ oder „Interessenssphäre“. Im geozentrischen Weltbild der Antike bezog sich „sphaira“ auf das Himmelsgewölbe, das, wie man glaubte, aus mehreren konzentrischen, kristallinen Kugelschalen bestand, die in verschiedenen Distanzen voneinander und in verschiedenen Geschwindigkeiten rotierten und an die die Sterne angeheftet waren. Wendelin Pressl und Irena Lagator sind beide, auf ihre jeweils eigene Art, ebenfalls an dieser „himmlischen Sphäre“ interessiert. Irena Lagators subtile Installation „Present Space Expansion“ (2010) ist eine Fortführung der Arbeiten „Near Universe“ (2006) und „How Small Is the Universe“ (2007). Die Besucher betreten eine Box, einen stockdunklen Raum, und fühlen sich schwindelig und desorientiert, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Dann beginnen tausende kleiner Lichtpunkte zu erscheinen, wie eine sternenerfüllte Nacht. Dieser Eindruck entsteht durch handgefertigte Nadelstiche, die die schwarzen Polyethylän-Planen, die Wände und Decke der Box bilden, durchstoßen und von hinten beleuchtet werden. Ein dreidimensionales, begehbares Universum, scheinbar bis in die Unendlichkeit reichend. Die Besucher erfahren wechselnde Eindrücke, während sich das künstliche Universum vor ihren Augen entfaltet, je nachdem wie sich darin bewegen und wie lange sie sich in dieser Umgebung aufhalten. Eine andere – genauso atmosphärische – interaktive Erforschung von Raum- und Zeitstrukturen bilden Lagators site-spezifische Installationen, unter Verwendung dünner Garne in den Farben des Regenbogens oder in Gold und Silber (u.a. „Please Wait Here“, 2005, „Own Space“, 2006, „What We Call Real“, 2008). Farbige Schnüre hängen frei von der Decke; die Wahrnehmung der Farben verändert sich ständig, abhängig von der Lichtsituation und den Bewegungen und der Perspektive des Betrachters. Diese minimalistischen Installationen sind ein Spiel mit Licht, Farbe und Bewegung, ein Oszillieren zwischen Materialität und Immaterialität, Leere und Präsenz. Die ephemeren Strukturen, gleichzeitig haptisch und wandlungsfähig, sind beinahe transzendent in ihrer Flüchtigkeit. Dem Verwischen von Grenzen, der Transformation der Wirklichkeit, aber auch der Erkundung des Verhältnisses zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen, zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis, gilt immer wieder Irena Lagators künstlerisches Interesse. So stellen sowohl Irena Lagator als auch Wendelin Pressl – oft mit einfachsten Mitteln – unsere gewöhnliche, alltägliche Sicht und Wahrnehmung von Realität, Raum, Zeit und Vorstellungen auf die Probe und verwandeln scheinbar vertraute in bisher unbekannte, unerforschte Sphären. Lebenslauf Irena Lagator [PDF, 66 KB]
Lebenslauf Wendelin Pressl [PDF, 31 KB]
Textbasis: Karin Buol-Wischenau |





