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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Künstler_innen kuratieren Künstler_innen

GESCHICHTE/N VERWAHREN


Beteiligte Künstler_innen


Renée Green, Juma Hauser, Johanna Kirsch, Katharina Lampert/Cordula Thym, Marion Porten und Tracey Rose

Kuratiert von

Katharina Lampert und Julia Kläring

Eröffnung: 3. Juni 2009
Ausstellungsdauer 4. Juni bis 24. Juli 2009

Filmvorführung: 25. Juni 2009, 20:30h ÖSTERREICHPREMIERE
"Lover Other", Barbara Hammer 2006
In einer Collage aus Fotos, Dokumenten, Interviews, lyrischen Passagen und nachinszenierten Szenen erinnert Barbara Hammer an zwei surrealistische Künstlerinnen und lesbische Widerstandskämpferinnen – an Claude Cahun (eigentlich Lucie Schwob, 1894–1954) sowie an ihre Freundin und Geliebte Marcel Moore (Suzanne Malherbe, 1892–1972).

Top-Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien, Eintritt € 2,-

Das Bedürfnis von KünstlerInnen zu fragen, welche (historischen) Geschehnisse für die Gegenwart von Relevanz sind, und die (Kunst-)Geschichte zu berichtigen, scheint besonders stark in einer medialen Landschaft, die kaum mehr auf direkte Erfahrung, sondern auf einer ständigen Verfügbarkeit von medialer Repräsentation aufbaut. Die Auseinandersetzung mit Dokumenten und die Herstellung dokumentarischen Materials, sind in diesem Projekt die Ausgangspunkte und führen uns zu Überlegungen rund um die paradoxe Suche nach einem Moment der Wahrheit innerhalb ihrer Konstruktion. 

Geschichte/n

Wir begeben uns hier in einen Raum, in dem mehrere Diskurse verschränkt sind: Wahrheits- und Wirklichkeitsbegriffe und die Analyse ihrer Konstruktion in poststrukturalistischen Theorien, sowie die Verhandlung von Identitäten, Sichtbarkeiten und Sprache in postkolonialer und (post-)feministischer Kritik. Die Strategien der Suche nach Geschichte und Geschichten sind in dieser Ausstellung geprägt von ihrer Herstellung durch eine gegenwärtige Position, vom Nebeneinanderstellen von Dokument und Inszenierung, von der Analyse der eingesetzten Medien, dem Sichtbarmachen der Produktionsbedingen, dem Potential der Lakunen, also der Lücken, in dokumentarischem Material.

Nicht die Frage welche Wahrheit durchgesetzt werden müsse, sondern die Frage wie Wahrheit hervorgebracht werde, bringt die Herstellung von Machtverhältnissen zur Sprache. Reflexive Formen, die eine emanzipative Position der BetrachterIn fordern, und die Binarität von Subjekt und Objekt aufheben, greifen die konstruktivistische Perspektive der Auseinandersetzung auf. Ruth Sonderegger verweist in diesem Zusammenhang allerdings auch auf die Debatten des Postkolonialismus und hebt hervor, „was für eine Unverschämtheit es ist, dass die weißen Akademien Europas und der USA sich anmaßen, in just dem Moment Repräsentation, Identität und Wahrheit zu verabschieden, wo sich ehemalige Kolonialstaaten das recht herausnehmen, eine Identität zu reklamieren, ...“ (1)

Dokument/ation

Eine ontologische Trennung von künstlerischer Arbeit und Dokumenten vorzunehmen, wurde seit der Entstehung der Konzeptkunst in Frage gestellt und seither von Künstler_innen thematisiert.

Diese Überlegung lässt sich an verschiedenen Diskursen und Disziplinen ablesen: Die Geschichtsforschung befragt ohne Unterlass das Medium der Fotografie, die sich Zeit ihres Bestehens zwischen der Zuweisung Wirklichkeit abzubilden, ihrer Einbettung in textuelle Beschreibung und Entstehungsgeschichte, sowie ihrer Verwendung als vielseitiges künstlerisches Medium bewegt.

Performance-Kunst und ihre Dokumentation werden heute mehrheitlich als ontologisch voneinander abhängig verstanden, der Körper als nicht von dem ihn zu vermittelnden Medium zu trennen. Die  Rezeption von Performances mittels Dokumenten ist die überwiegende Form der Auseinandersetzung mit diesen Arbeiten und wird seit der Entstehung der Performance Kunst diskutiert. Welche Art der Verschiebung ergibt sich also bei der Aufzeichnung?

Besonders Film und Video, mit den Möglichkeiten Bild, Ton, Text und Zeit zu nutzen, wurden zu Trägern von Dokumentarismen, die Geschichten und Geschichte erforschen, tradieren, konstruieren und wieder auseinandernehmen. Denn der Umgang mit den Abbildern des Realen eröffnet ein weites Feld und beschränkt sich nicht auf diese Funktionen, sondern verwickelt uns immer auch in fiktive und spekulative Vorstellungen.


(1) Ruth Sonderegger, Nichts als die reine Wahrheit? Ein Versuch, die Aktualität des Dokumentarischen mit den materialistischen Wahrheitstheorien Benjamins und Adornos zu verstehen, in: Karin Gludovatz (Hg.), Auf den Spuren des Realen. Kunst und Dokumentarismus, MUMOK Reihe Theorie, Band 01, Wien 2004, S. 67

 

SENTIMENT IS FOR AUDIENCES / HDV 16:9 Color & Stereo 29:00 Min. / Marion Porten/ 2008 / A /GER / Foto: Marion Porten
Ausstellungsansicht / Ausstellungsarchitektur Johanna Kirsch / Foto: IG BILDENDE KUNST

Galerie IG BILDENDE KUNST
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