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Junge Kurator_innen

WEGE NACH RAVENSBRÜCK

Eine Ausstellung weiterdenken.

 

Projektgruppe:

Katrin Auer, Daniela Gahleitner, Sylvia Köchl und Christa Putz


Eröffnung: 18.1.2006, 19h
Ausstellungsdauer: 19.1.-17.2.2006

Begleitprogramm:
 
Do, 26.1.2006, 19h
Lesung
Gabriela Schmoll: Ah, was wir da erlebt haben an verdrehten Gehirnen! Erzählungen von Überlebenden des Konzentrationslagers Ravensbrück über das Zurückkehren nach Österreich

Do, 2.2.2006, 19h
Werkstattbericht und Diskussion
Bernadette Dewald/Gerda Klingenböck VideoArchiv Ravensbrück: Konfrontation Erzählung

Do, 9.2.2006, 19h
Werkstattbericht und Diskussion
Helga Amesberger/Brigitte Halbmayr: Forschungsprojekt Namentliche Erfassung der ehemaligen Inhaftierten im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

Fr, 17.2.2006, 19h
Werkstattbericht und Diskussion
Ausstellungsarbeit mit Lebensgeschichten

Programmdetails


Neubearbeitung im aktuellen Kontext des "Vermächtnisses"

 
Im November 1999 wurde die Ausstellung "Wege nach Ravensbrück. Erinnerungen von österreichischen Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers" in Wien eröffnet. Die Ausstellung wanderte bis März 2003 durch Österreich und wurde danach demontiert und verstaut. Für Jänner 2006 ergab sich nun die Möglichkeit, die Ausstellung in der Galerie der IG Bildende Kunst in Wien noch einmal in einer Neubearbeitung zu zeigen. Im Mittelpunkt stehen dabei Lebensgeschichten von Überlebenden und im KZ Ermordeten, ergänzt um die Geschichte der Ausstellung selbst und offenen Fragen nach dem Umgang mit einem Vermächtnis, das die Lagergemeinschaft Ravensbrück aktuell an Frauen der nächsten Generationen übergeben hat.
 
Die "alte" Ausstellung beschäftigte sich mit den Biografien von neun Frauen, die in das nationalsozialistische Frauen-KZ deportiert wurden, überlebten und von denen acht Ende der 1990er Jahre im Rahmen eines Forschungsprojekts interviewt und gefilmt worden waren. Aus unterschiedlichsten Gründen, als Jüdin, Kommunistin, Lesbe, Kärntner Slowenin, Romni, Sintezza, Zeugin Jehovas, Partisanin oder Geliebte eines polnischen Zwangsarbeitern, wurde Ravensbrück, die "Hölle der Frauen", zur einzigen Gemeinsamkeit in ihrem Leben. Nach der Befreiung sahen sie sich durchgängig mit Ignoranz konfrontiert, mit einem lähmenden und verletzenden Schweigegebot, viele sogar mit fortgesetzter Diskriminierung, Ausgrenzung und Kriminalisierung. Manche wurden nie, andere erst viel zu spät als Opfer der Nazi-Verfolgung anerkannt. Einige wiederum setzten den antifaschistischen Kampf zum Teil bis heute fort.
 
Eine solche, auf Interviews und Zusammenarbeit mit Überlebenden beruhende Arbeit wäre heute, nur 6 Jahre nach ihrer Entstehung, kaum mehr möglich. Die Hälfte der portraitierten Frauen ist – wie viele andere der interviewten Frauen – inzwischen verstorben. Mittlerweile hat auch die Organisation der Überlebenden, die österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück, die Leitung des Vereins an jüngere Frauen übergeben. So ist vielfach diese kurze Zusammenarbeit auch für uns jüngere Frauen schon Geschichte, die wir trauernd zur Kenntnis nehmen müssen. Das Sterben der Überlebenden konfrontiert uns mit dem drohenden Ende der erzählten Geschichte von Frauen über Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus. Gleichzeitig haben uns die Überlebenden aber auch ein Vermächtnis übergeben, das uns beauftragt und ermächtigt, weiter zu erinnern und auch politisch zu handeln. Diese schwierige Situation greifen wir in der Neubearbeitung der Ausstellung auf und stellen sie in den Kontext offener und unbeantworteter Fragen.

Wir danken  >>

Galerie IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12
1060 Wien
Tel. +43 (0)1 524 09 09
galerie(at)igbildendekunst.at

 

Installationsansicht (Foto: IG BILDENDE KUNST 2006)