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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Vorstandsprojekt

DE-REVOLUTION

Mit künstlerischen und diskursiven Beiträgen von:

Robo Blaško, Kristine Briede/Carl Biorsmark, Cosmin Costinas, Branka Curcic, Harun Farocki/Andrej Ujica, Marina Grzinic, Dominik Hruza, Piotr Krajewski/Violetta Krajewska, Margarethe Markovec, Dan Perjovschi, Lia Perjovschi, Pink Barrett (Peter Kučerík, Ľuboš Kopták, Martin Smatana), Zelimir Zilnik


Kuratiert von:

Luise Ziaja und Berthold Molden


Eröffnung: 26.4.2006, 19h
Ausstellungsdauer: 27.4.-9.6.2006

Veranstaltungen:


Mi, 26.4.2006, 19 Uhr

Eröffnung mit einem Konzert der Garage Band "Pink Barrett"

Fr, 28. April 2006, 19 Uhr

Critical cultural work between independence and economic colonization Podiumsgespräch mit Robo Blasko (Stanica, Zilina/SK), Branka Curcic (kuda.org, Novi Sad/YU), (k@2, Karosta/LV), Margarethe Makovec (rotor, Graz/A, angefragt)

Mi, 7. Juni 2006, 19 Uhr
How to transform transition? Concepts and practices of intervention Podiumsgespräch mit Cosmin Costinas und Marina Grzinic

Ausstellungsfolder [PDF, 261 KB]

de-revolution


Das Konzept der politischen und ökonomischen Transition hat sich als "ideologieverdächtige Kategorie" enttarnt. Gerade im Zusammenhang mit dem Ende des Kalten Krieges und den gesellschaftspolitischen Umwälzungen in Osteuropa spiegelt der Transformationsoptimismus selten hinterfragte westliche Hegemonien: Allzu leicht geraten komplexe historische Situationen zu linearen Heilsgeschichten, die notwendig in Demokratien euro-amerikanischen Zuschnitts zu münden haben. Das elitendominierte Paradigma des Marktkapitalismus beansprucht als politisches Projekt Deutungshoheit für unsere Gesellschaften – gleichzeitig jedoch gerät dieser Fortschrittsentwurf ins Wanken, eröffnen sich Reibungsflächen und Widerstände jenseits des Erwarteten, wie sie Slavoj Žižek treffend beschrieben hat:

"The disappointment was mutual: the West, which began by idolising the Eastern dissident movement as the reinvention of its own tired democracy, disappointedly dismisses the present post-socialist regimes as a mixture of corrupt ex-communist oligarchy and/or ethnic and religious fundamentalists. [...] The East, which began by idolising the West as the model of affluent democracy, finds itself in the whirlpool of ruthless commercialisation and economic colonisation.”

Diese Spannung zwischen revolutionärem Potential und posttransitiver Ernüchterung verortet die Ausstellung "de-revolution" im doppelten Erfahrungshorizont eines ereigniszentrierten und strukturignoranten Medienblicks einerseits und individueller Erkundungsgänge in die neuen gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen Realitäten andererseits. Drei ausgewählte Perspektiven werden eröffnet: "The Lost Project" (1993-2005), eine raumgreifende Fotoinstallation von Robo Blasko, und der Film "Borderland" (2001) von Kristine Briede und Carl Biorsmark dokumentieren mit unterschiedlichen Ansätzen Veränderungen sozialer und räumlicher Topographien in der ländlichen und urbanen Peripherie der Slowakei bzw. in der verlassenen lettischen Stadt Karosta. Auch Zelimir Zilniks Film "Cosmo Girls" (1999) wählt eine individuelle, lebensgeschichtliche Herangehensweise an die Transitionsthematik, wenn er engagierte Frauenbiographien in Zentraleuropa betrachtet.

Die Deutungsmacht westlicher Medien – das zweite Thema der Ausstellung – greift Dominik Hruza mit der Plakatinstallation "Televised Revolutions" (2006) auf, indem er den inflationären Umgang mit dem Begriff Revolution in das Sujet des Ankündigungsposters einspielt. Als historische Referenz zu dieser Frage zeigen die "Videogramme einer Revolution" (1992) von Harun Farocki und Andrej Ujica die zentrale Rolle und das Manipulationspotential der Medien in Zusammenhang mit dem Sturz des Ceausescu-Regimes in Rumänien auf.

Dan Perjovschis Arbeit "My World" (2006) sowie das gemeinsam mit Lia Perjovschi realisierte Zeitungsprojekt "Detective Draft” (2005) setzen sich schließlich auf struktureller Ebene mit gesellschaftspolitischen und kulturellen Dimensionen der postkommunistischen Transition auseinander.

Diese thematischen Leitlinien werden in Vorträgen und Podiumsgesprächen vertieft und erweitert.

Wir danken  >>

Dominik Hruza, Plakatinstallation "Televised Revolutions" 2006 (Foto: IG BILDENDE KUNST)
Ausstellungsansicht (Foto: IG BILDENDE KUNST 2006)

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