Künstler_innen kuratieren Künstler_innen
BORN TO BE WHITE
Rassismus und Antisemitismus in der weißen Mehrheitskultur
Mit Beiträgen von
Fatih Aydogdu (A), BUM – Büro für ungewöhnliche Maßnahmen (A), Melissa Gould (USA), Kanak TV (D), Anna Kowalska (A)
Kuratiert von
Rosa Reitsamer und Jo Schmeiser
Eröffnung: 1. Juni 2005, 19 Uhr Ausstellung: 2. Juni bis 22. Juli 2005 Es erscheint eine Begleitende Broschüre mit Theorie, künstlerischen Beiträgen und weiterführenden Hinweisen zum Thema. Die Vortragsreihe stellt Fragen nach Repräsentationskritiken und -politiken, denn die Kuratorinnen begreifen die Ebene der Darstellung und Artikulation als grundlegende Komponenten für künstlerische und gesellschaftspolitische Prozesse.
Disskussionsreihe:
Freitag, 3. Juni 2005, 19.00 Uhr Katherine Klinger (Wiener Library und Second Generation Trust, London) Das Gegenteil des Schweigens. Wie wirkt der Nationalsozialismus auf die Nachfolgegenerationen?
Donnerstag, 16. Juni 2005, 19.00 Uhr Araba Johnston-Arthur (Wissenschafterin, Wien) Ein Schwarzer Beitrag zur Dekonstruktion österreichischer Realitäten
Donnerstag, 23. Juni 2005, 19.00 Uhr Jamika Ajalon (Künstlerin, Musikerin, London) "Recently I bought a white hat" — Transnationale Erfahrungen des Schwarz-Seins
Donnerstag, 30. Juni 2005, 19.00 Uhr Heribert Schiedel (Wissenschafter, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien) Siegfrieds Phobien: Der "arische" Männerbund und die Kastrationsabwehr
Rassismus und Antisemitismus in der weißen Mehrheitskultur
“Born to be white” beschäftigt sich mit Rassismus, weiß-Sein und Antisemitismus. Wenn von Rassismus die Rede ist, so ist damit gewöhnlich die Benachteiligung von Männern, Frauen und Kindern nicht-weißer Hautfarbe, nicht-westlicher Herkunft oder außereuropäischer Kultur gemeint. Unbenannt und unhinterfragt bleibt in diesem Verständnis die andere und in ihrer unsichtbaren Normalität viel mächtigere Seite des rassistischen Verhältnisses: die Bevorzugung von Männern, Frauen und Kindern mit weißer Hautfarbe, westlicher Herkunft und europäischer Kultur.
Der Begriff des weiß-Seins (whiteness) wurde von feministischen Migrantinnen geprägt, um Macht- und Herrschaftsverhältnisse analysieren und angreifen zu können sowie eine Auseinandersetzung von Mehrheitsangehörigen mit ihrer unsichtbaren Machtposition zu forcieren. Wir verwenden den Begriff des weiß-Seins, um in der antirassistischen feministischen (Kultur-)Arbeit eine notwendige Verschiebung zu bewirken. Ethnisierte Identitäten sind nicht nur jene von Afroösterreicherinnen oder -deutschen, von Latinos/as oder AsiatInnen. Auch weiße Österreicherinnen sind Ethnisierte.
“Born to be white” stellt deshalb die Auseinandersetzung mit weißer Identität in den Mittelpunkt. Weiß-Sein wird nicht nur als Privileg benannt, sondern auch historisch, ort- und gruppenspezifisch kontextualisiert. In Österreich und Deutschland bedeutet eine solche Kontextualisierung die Beschäftigung mit der Kolonialgeschichte, dem Nationalsozialismus und der Shoah, sowie deren Nachwirkungen in der Gegenwart.
“Born to be white” wird in Form einer Gruppenausstellung, einer Vortragsreihe und einer Broschüre realisiert. Es werden KünstlerInnen und kulturelle ProduzentInnen eingeladen, die in ihrer Arbeit weiß-Sein kritisch thematisieren, es historisch kontextualisieren sowie die Rolle (audio-)visueller und textueller Darstellung und Artikulation bei der Festigung weißer hegemonialer Machtpositionen untersuchen und subvertieren.
Arbeiten im Detail
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