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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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2012: Neuer Vorstand: Ricarda Denzer, Petja Dimitrova, Vasilena Gankovska, Ivan Jurica, Hansel Sato, Sophie Schasiepen, Susanne Schuda

Mit Blick auf Ausschlussmechanismen für mehr Solidarität!


(2.7.2012, Pressemitteilung) Die Generalversammlung der IG BILDENDE KUNST hat einen neuen, nun wieder größeren Vorstand gewählt. Von den bisher vier Vorstandsmitgliedern bleiben bis auf Nora Sternfeld, die demnächst eine Stelle im Ausland antritt, alle dabei: Ricarda Denzer als neue Vorsitzende, Ivan Jurica als ihr Stellvertreter sowie Petja Dimitrova, Vorsitzende von 2009 bis 2012.

Als Verstärkung konnten vier engagierte Bildende Künstler_innen für die weiteren Vorstandspositionen gewonnen werden: Vasilena Gankovska, Hansel Sato, Sophie Schasiepen und Susanne Schuda.

„Die Arbeit bei einer Interessenvertretung“, meint Vasilena Gankovska, „sehe ich als Möglichkeit, neue Handlungsspielräume für die Kunst- und Kulturproduzent_innen zu schaffen.“ Veraltete Vorstellungen von künstlerischer Arbeit und der Rolle von Künstler_innen zwingen, so Gankovska, zur Ökonomisierung. Aber: „Gemeinsam können wir weiter Strategien gegen die sukzessive Prekarisierung der Künstler_innen andenken.“

Hansel Sato sieht es als „politische Notwendigkeit“, sich mit „Fragen der kulturellen Produktion eingewanderter Künstler_innen unter den Bedingungen des ‚globalisierten’ Kunstfeldes“ zu beschäftigen: „Die Unsichtbarkeit der Produktion von nicht dem nord-westlichen Zentrum entstammenden Künstler_innen im lokalen Kunstbetrieb bedarf nach wie vor einer gründlichen Analyse, und zwar insbesondere aus einer anderen Perspektive als jener des historisch legitimierten Kunstdiskurses.“ Unter den aktuell herrschenden Bedingungen gehe es nicht um das Erreichen von bloßer Sichtbarkeit, sondern um eine anerkannte Sichtbarkeit, die auf die Infragestellung dieser Bedingungen abzielt. „Dies macht eine systematische Dekonstruktion der Spektakularisierung (Guy Debord) der kulturellen Differenz unter der Logik des westlichen Kunstmarktes notwenig“, so Sato. Er betont, dass zudem „Diskurse und Markierungen des lokalen Kunstbetriebs, die die kulturelle Produktion von Migrant_innen auf bestimmte ethnisch-soziale Themen reduzieren, historische Ausschlussmechanismen darstellen“. Wobei diese Ausschlussmechanismen nicht nur innerhalb des Kunstbetriebs zu finden seien, sondern auch in anderen Kontexten des migrantischen Alltags. „In diesen problematischen Raum – den Zwischenraum der Migration (Homi Bhabha) – möchte ich eingreifen, versuchen ihn zu resignifizieren und neu zu gestalten.“

Eine Position, der sich der gesamte neue Vorstand anschließt, denn es soll bei seiner Arbeit um weit mehr als um Partikularinteressen einer Berufsgruppe gehen – gesellschaftliche Strukturen, die Ausschlüsse produzieren, werden, wie schon bisher, im Blick behalten, und ein würdiges Leben für alle bleibt das Ziel.

Um das zu erreichen, setzt sich der neue Vorstand der IG BILDENDE KUNST weiterhin konkret für Niederlassungsrechte für Künstler_innen ohne EU/EWR-Pass ein und fordert ein Ende der derzeitigen Visa-Schikanen. Zudem bleibt die soziale Sicherheit aller im Fokus, wobei die Lage vieler Künstler_innen hier als besonders prekär bezeichnet werden muss. Aus dieser Situation leitet der Vorstand der IG BILDENDE KUNST weitere konkrete Positionen und Arbeitsvorhaben ab:

# Bildende Künstler_innen können nicht wie Einzelunternehmer_innen behandelt werden! Die Kunst- und Kulturproduktion darf und soll nicht auf einer reinen Marktlogik funktionieren.

# Die Einkommensverhältnisse und das Sozialversicherungssystem gehören grundsätzlich reformiert. Die sehr verschiedenen Arbeitsverhältnisse und Bedingungen müssen auch wahrgenommen und berücksichtigt werden. Honorare für künstlerische Leistungen sollen mit einer Mindestgrenze etabliert werden.

# Wir möchten auch das Thema der Konkurrenz im Kunstbetrieb diskutieren und uns für mehr solidarisches Verhalten einsetzen. Dieses Handeln braucht eine Basis der offiziellen politischen Ebenen. In diesem Sinne streben wir nach mehr Solidarität der Kunstschaffenden miteinander und mit anderen Bevölkerungsgruppen und sozialen Schichten.

# Vor diesem Hintergrund möchten wir auch andere aktuelle Fragestellungen behandeln, wie z.B. ein differenzierter Blick auf das System der UrheberInnenrechte im Bereich der (bildenden) Kunst.

Kurzbiografien der Vorstandsmitglieder

Foto: IG BILDENDE KUNST