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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2019

Spatium Libre


Ohne den Zwischenraum zwischen zwei Buchstaben (Spatium) wäre kein Wort lesbar. Das unbedeutend erscheinende Dazwischen erweist sich als notwendige Bedingung für die Entstehung von Sinn und Bedeutung. Aber nicht wegen dieser Notwendigkeit wurde das Dazwischen in den postcolonial studies schon vor Jahren gefeiert, sondern als Raum für alternative Möglichkeiten. Das Spatium ist auch Verbindung und Grenze, Übergang und Kontaktzone, sicher ein Fall fürs „border thinking“ (Gloria Anzaldúa). Aber muss die Feier angesichts der tödlichen Entwicklungen im gegenwärtigen Grenzregime vielleicht doch abgesagt werden? Zwischen Aktivismus, Kunst und den Disziplinen sowie queer und quer zu ihnen, lotet dieser Bildpunkt die Potenziale der Zwischenräume neu aus.



Heft Herbst 2019

Solidarität*

*Vorwärts und fast vergessen.


Das Leiden Marginalisierter wahrzunehmen und dann Anteilnahme in Politik zu verwandeln, die Ausbeutung der anderen auch zur eigenen Agenda zu machen: Nichts schien aus emanzipatorischer Perspektive selbstverständlicher. Man nannte es Solidarität. Doch auch diese Selbstverständlichkeit ist dahin. Hat einerseits die neoliberale Sozialordnung solidarische Impulse mehr und mehr zerstört, werden andererseits die Bedingungen der Möglichkeiten von Gesten der Solidarität auch von links in Frage gestellt. Nicht zuletzt im Kunstfeld ist ein Streit darum entbrannt, ob oder inwiefern Bezugnahmen auf bestimmte Zeichen nicht viel eher illegitimes Aufgreifen als politische Empathie sind: Das Gemälde „Open Casket“ (2016) der (weißen) Künstlerin Dana Schutz verbildlichte ein Foto des 1955 von einem weißen Mob gelynchten Schwarzen Teenagers Emmett Till. Schwarze AktivistInnen interpretierten es als Verwandlung Schwarzen Leids in Spektakel und weißen Profit und forderten die Entfernung des Bildes von der Whitney Biennale. Ähnliche Debatten wurden anhand von Dreadlocks oder Hip Hop geführt: Übernehmen Weiße, wenn sie sich auf Schwarze Kultur beziehen, immer nur „everything but the burden“ (Greg Tate)? Wird hier nur noch Cultural Appropriation statt Mitgefühl und Parteinahme gesehen, regt sich die mehrheitliche Gegenseite über eingeschränkte Meinungsfreiheit oder gar Zensur auf – und verkennt dabei die realen Machtverhältnisse. Was die institutionelle Verhinderung von Solidarität tatsächlich bedeuten kann, zeigt momentan vielmehr die EU-weite Kriminalisierung von Seenotrettung und Kirchenasyl. Nichts scheint zuweilen schwieriger als die solidarische Aktion. Angesichts globaler sozialer Ungleichheit ist sie notwendig wie nie. Nur was sind ihre Grundlagen, unter welchen Bedingungen ist sie möglich? Davon handelt diese Ausgabe des Bildpunkt.



Heft Sommer 2019

Alternative Medien


Alternative Medien entwickeln sich als solche im Anschluss an die globalen Protestbewegungen von 1968. Sie wollten und sollten dem liberalen, kapitalistischen Mainstream sozialistische, feministische und libertäre Perspektiven entgegensetzen, Ausgegrenzte und Diskriminierte zu Wort kommen lassen und neue – eben alternative – Formen des Sprechens und Schreibens entwickeln. Aus der „Alternativbewegung“ der 1970er gingen Tages- und Wochenzeitungen, freie Radios und viele andere Medieninitiativen hervor. Alternative Medien waren und sind immer zugleich Selbstverständigungs- und Agitationsforen, nicht selten auch relativ dauerhafte Kulminationsorte sozialer Mobilisierung. Mittlerweile bezeichnen sich auch regierungstreue rechtsnationalistische blogs wie „unzenzuriert.at“ sowie auch die gesamte ultrakonservative und protofaschistische Internetgemeinde der AfD als „alternative Medien“. Dringend an der Zeit also, Begriff und Realitäten wieder mit linkem Leben zu füllen! Die 50ste Ausgabe des Bildpunkt ist uns Anlass für Selbstreflektion, aber auch für Selbstbehauptung in Zeiten der rechten Konterrevolution. Diese Ausgabe findet in Kooperation mit den Zeitschriften, Zeitungen und Projekten von BAM! (Bündnis Alternativer Medien) statt.



Heft Frühjahr 2019

Sicherheitsdispositiv


Auch am Eingang von Galerien und Kunst-Messen mittlerweile zu finden: Security. Die Sicherheitsdienste sind die Folklore der Kontrollgesellschaft. Unter dem Banner der Inneren Sicherheit werden individuelle Freiheiten eingeschränkt und Kontrollmaßnahmen verschärft. Geopolitische Maßnahmen zum Schutz der materiellen Eigentums- und Produktionsverhältnisse werden Sicherheitsinteressen genannt. Der Ausbau von beiderlei „Sicherheit“ wird weithin akzeptiert, weil er als placebohaftes Substitut für den Verlust anderer Sicherheiten eingesetzt wird: Soziale Sicherheit nämlich, die den Deregulierungen und Flexibilisierungen geopfert wird, und Sicherheit im Sinne jener allgemeinen Gewissheit, dass das, was man heute weiß und kann, auch morgen noch sinnvoll, nützlich, gültig ist. Ist Sicherheit zum einen immer diffus, wird ihr angebliches Fehlen zum anderen für sehr konkrete Assoziationen und Maßnahmen genutzt. Das ist das „Sicherheitsdispositiv“, von dem Michel Foucault sprach. Künstler_innen beschäftigen sich seit rund zwei Jahrzehnten in ihren Arbeiten mit Fragen der Sicherheit und wie ihr zu begegnen ist. Grund genug für den Bildpunkt, auf Nummer sicher zu gehen und dem Sicherheitsdispositiv ein Heft zu widmen.