anarchivieren
Jeder Kanon schafft Ausschlüsse, alles Sammeln ist ein Privileg. Das Archiv ist einer der Orte, an und in dem diese politisch problematischen Prozesse stattfinden. Viele künstlerische Arbeiten der letzten Jahre haben sich ihnen gewidmet. Das Archivieren ist aber auch ein Um- und Neusortieren, das Installieren anderer Ordnungen. Es ist ein Aufheben, an dem Hegel seine Freude gehabt hätte, d.h. es bewahrt und schafft zugleich ab. Für den Zusammenhang von Kunstproduktion und sozialen Bewegungen stellt sich die Frage, was verwahrt und geschützt werden muss von der eigenen Geschichte, was muss überhaupt wie zum „Eigenen“ gemacht werden und was sollte oder müsste sich einer Überschreibung oder Umschichtung aussetzen? Mit dem Themenschwerpunkt „anarchivieren“ fragt der BILDPUNKT nach herrschaftskritischen Verfahren – die verneinende Vorsilbe wie in Anarchie, der Abwesenheit von Herrschaft, deutet darauf hin – der bewahrenden Aneignung und damit auch der Frage nach künstlerischen Erinnerungs- und Geschichtspolitiken.
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