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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Bildpunkt

Zeitschrift der IG BILDENDE KUNST
Erscheint vier Mal im Jahr.

Der nächste Bildpunkt erscheint Ende November 2018 mit folgendem Schwerpunkt:

pay the artist now! 

Im künstlerischen Feld ist der Hinweis auf symbolische Gewinne gang und gäbe: Die Ausstellung oder der Auftritt bringe genug Ruhm und Reputation, wozu da noch bezahlen?! Geld mit Kunst zu verdienen galt bis zu Andy Warhol ohnehin als anrüchig, als Gütekriterium gilt der Marktwert auch heute nicht unbedingt. Aber von symbolischem Kapital allein lässt sich nicht leben, seine Konvertierbarkeit ist begrenzt. Deshalb braucht es neben kultureller Anerkennung auch finanzielle Entlohnung: „Kunst ist Arbeit. Und gehört bezahlt!“ heißt es daher in der aktuellen Kampagne der IG BILDENDE KUNST. Diese Forderung steht in einer langen Tradition emanzipatorischer Kämpfe, die weit über das Kunstfeld selbst hinausgehen und etwa um die Bezahlung der Haus- und anderer reproduktiver Arbeiten geführt wurden (und werden). „Unter der Devise ‚pay the artist now!‘ tritt die IG BILDENDE KUNST für eine angemessene Bezahlung künstlerischer Arbeit ein.“ Wie die aussehen könnte und in welchem Kontext diese Forderung steht, welche Modelle und was für mögliche Einwände es gibt, wie theoretisch und aktivistisch damit umzugehen ist, diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt.

Schwerpunkte in Planung

Die folgenden Themen stehen in der Bildpunkt-Redaktion auf der Agenda und werden voraussichtlich in den nächsten Heften umgesetzt. Die endgültige Festlegung erfolgt in den Redaktionssitzungen. 

Sicherheitsdispositiv

Auch am Eingang von Galerien und Kunst-Messen mittlerweile zu finden: Security. Die Sicherheitsdienste sind die Folklore der Kontrollgesellschaft. Unter dem Banner der Inneren Sicherheit werden individuelle Freiheiten eingeschränkt und Kontrollmaßnahmen verschärft. Geopolitische Maßnahmen zum Schutz der materiellen Eigentums- und Produktionsverhältnisse werden Sicherheitsinteressen genannt. Der Ausbau von beiderlei „Sicherheit“ wird weithin akzeptiert, weil er als placebohaftes Substitut für den Verlust anderer Sicherheiten eingesetzt wird: Soziale Sicherheit nämlich, die den Deregulierungen und Flexibilisierungen geopfert wird, und Sicherheit im Sinne jener allgemeinen Gewissheit, dass das, was man heute weiß und kann, auch morgen noch sinnvoll, nützlich, gültig ist. Ist Sicherheit zum einen immer diffus, wird ihr angebliches Fehlen zum anderen für sehr konkrete Assoziationen und Maßnahmen genutzt. Das ist das „Sicherheitsdispositiv“, von dem Michel Foucault sprach. KünstlerInnen beschäftigen sich seit rund zwei Jahrzehnten in ihren Arbeiten mit Fragen der Sicherheit und wie ihr zu begegnen ist. Grund genug für den Bildpunkt, auf Nummer sicher zu gehen und dem Sicherheitsdispositiv ein Heft zu widmen.

Alternative Medien

Alternative Medien entwickeln sich als solche im Anschluss an die globalen Protestbewegungen von 1968. Sie wollten und sollten dem liberalen, kapitalistischen Mainstream sozialistische, feministische und libertäre Perspektiven entgegensetzen, Ausgegrenzte und Diskriminierte zu Wort kommen lassen und neue – eben alternative – Formen des Sprechens und Schreibens entwickeln. Aus der „Alternativbewegung“ der 1970er gingen Tages- und Wochenzeitungen, freie Radios und viele andere Medieninitiativen hervor. Alternative Medien waren und sind immer zugleich Selbstverständigungs- und Agitationsforen, nicht selten auch relativ dauerhafte Kulminationsorte sozialer Mobilisierung.  Mittlerweile bezeichnen sich auch regierungstreue rechtsnationalistische blogs wie „unzenzuriert.at“ sowie auch die gesamte ultrakonservative und protofaschistische Internetgemeinde der AfD als „alternative Medien“. Dringend an der Zeit also, Begriff und Realitäten wieder mit linkem Leben zu füllen! Die 50ste Ausgabe des Bildpunkt ist uns Anlass für Selbstreflektion, aber auch für Selbstbehauptung in Zeiten der rechten Konterrevolution. Diese Ausgabe findet in Kooperation mit den Zeitschriften, Zeitungen und Projekten von BAM! (Bündnis Alternativer Medien) statt.

Spatium libre

Ohne den Zwischenraum zwischen zwei Buchstaben (Spatium) wäre kein Wort lesbar. Das unbedeutend erscheinende Dazwischen erweist sich als notwendige Bedingung für die Entstehung von Sinn und Bedeutung. Aber nicht wegen dieser Notwendigkeit wurde das Dazwischen in den postcolonial studies schon vor Jahren gefeiert, sondern als Raum für alternative Möglichkeiten. Das Spatium ist auch Verbindung und Grenze, Übergang und Kontaktzone, sicher ein Fall fürs „border thinking“ (Gloria Anzaldúa). Aber muss die Feier angesichts der tödlichen Entwicklungen im gegenwärtigen Grenzregime vielleicht doch abgesagt werden? Zwischen Aktivismus, Kunst und den Disziplinen sowie queer und quer zu ihnen, lotet dieser Bildpunkt die Potenziale der Zwischenräume neu aus.

 

Zur ästhetischen Ökonomie der Schulden

Für Maurizio Lazzarato ist die „Fabrikation der Schulden“ das „strategische Zentrum neoliberaler Politik“. Gerade die semantische Nähe der Schulden zur Schuld gräbt die Wirtschafts- demnach besonders gut in die Subjektivierungsweisen hinein. Die Philosophin Nathalie Sarthou-Lajus hingegen erkennt in der Verknüpfung von Schulden und Schuld gerade die Potenziale der „Utopie einer schuldenfreien Gesellschaft“. Auch Stefano Harney und Fred Moten sehen es in Die Undercommons eher optimistisch: „Schulden sind sozial, und Kredit ist asozial.“ Das wird in der Schuldnerberatung sicherlich anders beurteilt. So oder so sind Schulden offenbar nicht bloß Teil der Warenökonomie. Sie basieren auf bestimmten Konzepten von Zeit und Praxis, in die sie selbst intervenieren. Solche Eingriffe in Denk- und Wahrnehmungsweisen und die Zirkulation von Vor- und Darstellungen lassen sich als ästhetische Ökonomie beschreiben.  Spätestens hier kommt die Kunst ins Spiel: Nicht nur als Feld hoch verschuldeter Akteur*innen, sondern als besonderer Austragungsort der Kämpfe ums Ästhetische.

Kultureller Populismus

Mit Populismus ist in der Kunst kein Turner Preis zu holen. Denn je mehr Autonomie ein soziales Feld (wie das der Kunst) aufweist, desto unwichtiger ist der Bezug aufs Volk. Braucht die Politik das Volk als zentrale Legitimationsinstanz, ist die Ausrichtung am populären oder popularen Geschmack für künstlerische Praktiken nicht gerade ein Gütesiegel. Zu elitär darf es allerdings auch nicht werden, sonst überlässt man den Volksmund ganz der Repräsentation durch rechte Demagogie. Die Auseinandersetzung um die Chancen und Möglichkeiten eines kritischen und linken Populismen macht also vor dem kulturellen Feld nicht halt. Handelt es sich beim Linkspopulismus um einen Widerspruch in sich, weil linke Politik, wie der Journalist Christian Semler einst mahnte, vom Anspruch auf Selbstverantwortung ausgehen muss, nicht auf rationale Begründung verzichten kann „und nicht auf Führerfiguren reduzierbar ist.“ Oder tut ein linker Populismus längst Not, damit der „gerechte Zorn der Leute auf die gegenwärtigen ungerechten Verhältnisse“ einen nicht-rechten Ausdruck finden kann, wie der Politikwissenschaftler Benjamin Opratko meint? Und lassen sich etwa feministische Forderung von links popularisieren, wo doch der Antifeminismus fester Bestandteil des Rechtspopulismus ist? Der Bildpunkt sucht einfache Lösungen zwischen Aktivismus, Kunst und Theorie. Mit Fremdworten und Nebensätzen.

art on my mind

Eine neue Phase in der Auseinandersetzung um Kunst und Ideologiekritik: Nachdem die Kunst in der materialistischen Kritik häufig als eine Sphäre der Ideologie gebrandmarkt wurde, die über die reale Beschaffenheit der sozialen Welt Lügen verbreitet, wurde sie später als Raum erkannt, in dem gerade der Gegensatz zwischen wahrem und falschem Bewusstsein als unhaltbar beschrieben wird. Da mittlerweile überhaupt fraglich ist, ob am Begriff der Ideologie noch festzuhalten ist – und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen –, tritt auch sein Verhältnis zur Kunstproduktion und -rezeption in eine neue Phase.

 

Bildpunkt (Foto: Jens Kastner, 2015)
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