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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Bildpunkt

Zeitschrift der IG BILDENDE KUNST
Erscheint vier Mal im Jahr.


Bildpunkt Winter 2017/2018
erscheint im Februar mit folgendem Schwerpunkt:

Kunst, Forschung, Politik (Arbeitstitel)

Kunst erzeugt Erkenntnis. Eine Ahnung davon gibt es zwar (in etwa) schon seit Heraklit, doch die Rede von „künstlerischer Forschung“ ist erst im vergangenen Jahrzehnt in die Feuilletons und in die Lehrpläne gesickert. Sie wirkte als Herausforderung für die konventionelle Wissenschaftspraxis, weil sie „performative, mediale, soziale aber auch ökonomische Einflüsse reflektiert“ (Elke Bippus). Allerdings: Kaum war das Spezifische, das Kunst zur Forschung beizutragen hat, anerkannt und etabliert, gilt die künstlerische Forschung schon wieder als verwerflich: Als ein Label, das künstlerische Produktion quantifiziert und evaluierbar macht, kurz: das die Ökonomisierung nicht nur reflektiert, sondern selbst betreibt. Ist also eine emanzipatorische künstlerische Forschung in der Bologna-Universität überhaupt noch denkbar? Und wenn ja, wie sähe sie aus? Diese Ausgabe des Bildpunkt greift also die Debatten der letzten Jahre auf und forscht nach den Potenzialen und Verwerfungen künstlerischen Forschens.
 

Schwerpunkte in Planung

Die folgenden Themen stehen in der Bildpunkt-Redaktion auf der Agenda und werden voraussichtlich in den nächsten Heften umgesetzt. Die endgültige Festlegung erfolgt in den Redaktionssitzungen. 

Spatium libre

Ohne den Zwischenraum zwischen zwei Buchstaben (Spatium) wäre kein Wort lesbar. Das unbedeutend erscheinende Dazwischen erweist sich als notwendige Bedingung für die Entstehung von Sinn und Bedeutung. Aber nicht wegen dieser Notwendigkeit wurde das Dazwischen in den postcolonial studies schon vor Jahren gefeiert, sondern als Raum für alternative Möglichkeiten. Das Spatium ist auch Verbindung und Grenze, Übergang und Kontaktzone, sicher ein Fall fürs „border thinking“ (Gloria Anzaldúa). Aber muss die Feier angesichts der tödlichen Entwicklungen im gegenwärtigen Grenzregime vielleicht doch abgesagt werden? Zwischen Aktivismus, Kunst und den Disziplinen sowie queer und quer zu ihnen, lotet dieser Bildpunkt die Potenziale der Zwischenräume neu aus.

 

Zur ästhetischen Ökonomie der Schulden

Für Maurizio Lazzarato ist die „Fabrikation der Schulden“ das „strategische Zentrum neoliberaler Politik“. Gerade die semantische Nähe der Schulden zur Schuld gräbt die Wirtschafts- demnach besonders gut in die Subjektivierungsweisen hinein. Die Philosophin Nathalie Sarthou-Lajus hingegen erkennt in der Verknüpfung von Schulden und Schuld gerade die Potenziale der „Utopie einer schuldenfreien Gesellschaft“. Auch Stefano Harney und Fred Moten sehen es in Die Undercommons eher optimistisch: „Schulden sind sozial, und Kredit ist asozial.“ Das wird in der Schuldnerberatung sicherlich anders beurteilt. So oder so sind Schulden offenbar nicht bloß Teil der Warenökonomie. Sie basieren auf bestimmten Konzepten von Zeit und Praxis, in die sie selbst intervenieren. Solche Eingriffe in Denk- und Wahrnehmungsweisen und die Zirkulation von Vor- und Darstellungen lassen sich als ästhetische Ökonomie beschreiben.  Spätestens hier kommt die Kunst ins Spiel: Nicht nur als Feld hoch verschuldeter Akteur*innen, sondern als besonderer Austragungsort der Kämpfe ums Ästhetische.

Kultureller Populismus

Mit Populismus ist in der Kunst kein Turner Preis zu holen. Denn je mehr Autonomie ein soziales Feld (wie das der Kunst) aufweist, desto unwichtiger ist der Bezug aufs Volk. Braucht die Politik das Volk als zentrale Legitimationsinstanz, ist die Ausrichtung am populären oder popularen Geschmack für künstlerische Praktiken nicht gerade ein Gütesiegel. Zu elitär darf es allerdings auch nicht werden, sonst überlässt man den Volksmund ganz der Repräsentation durch rechte Demagogie. Die Auseinandersetzung um die Chancen und Möglichkeiten eines kritischen und linken Populismen macht also vor dem kulturellen Feld nicht halt. Handelt es sich beim Linkspopulismus um einen Widerspruch in sich, weil linke Politik, wie der Journalist Christian Semler einst mahnte, vom Anspruch auf Selbstverantwortung ausgehen muss, nicht auf rationale Begründung verzichten kann „und nicht auf Führerfiguren reduzierbar ist.“ Oder tut ein linker Populismus längst Not, damit der „gerechte Zorn der Leute auf die gegenwärtigen ungerechten Verhältnisse“ einen nicht-rechten Ausdruck finden kann, wie der Politikwissenschaftler Benjamin Opratko meint? Und lassen sich etwa feministische Forderung von links popularisieren, wo doch der Antifeminismus fester Bestandteil des Rechtspopulismus ist? Der Bildpunkt sucht einfache Lösungen zwischen Aktivismus, Kunst und Theorie. Mit Fremdworten und Nebensätzen.

Aus dem utopischen Halbdunkel

„Die Probleme der Organisation“, schrieb Georg Lukács 1922, „gehören zu den Fragen, die theoretisch am allerwenigsten durchgearbeitet sind.“ Ging es hier noch eindeutig um das Proletariat und die Partei, stellen sich Organisierungsfragen heute zugleich allgemeiner und spezifischer. Zudem sind Subjekt und Objekt unbestimmt: Wer braucht überhaupt Organisation – die Zivilgesellschaft oder die postsozialdemokratische Linke, das alternative Milieu, das Prekariat oder die Subalternen? Und welche – Netzwerk, Mosaik, Schwarm, oder doch Partei? Auch stellen sich Fragen der Organisierung im Kunstfeld strukturell anders als im politischen Feld. Während mit dem Aufbruch der langen Reihe linker Organisierungsversuche ein weiterer hinzugefügt wurde, hat auch die Geschichte des künstlerischen Feld einige Zusammenrottungen um Programme, Mitglieder und Statuten zu bieten. Vor dem Hintergrund dieser historischen Differenzen und gegenwärtiger Entwicklungen stellt der Bildpunkt die Organisationsfrage(n), um sie nicht länger im „utopischen Halbdunkel“ zu belassen, wo Lukács sie noch sah.  

art on my mind

Eine neue Phase in der Auseinandersetzung um Kunst und Ideologiekritik: Nachdem die Kunst in der materialistischen Kritik häufig als eine Sphäre der Ideologie gebrandmarkt wurde, die über die reale Beschaffenheit der sozialen Welt Lügen verbreitet, wurde sie später als Raum erkannt, in dem gerade der Gegensatz zwischen wahrem und falschem Bewusstsein als unhaltbar beschrieben wird. Da mittlerweile überhaupt fraglich ist, ob am Begriff der Ideologie noch festzuhalten ist – und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen –, tritt auch sein Verhältnis zur Kunstproduktion und -rezeption in eine neue Phase.

 

Bildpunkt (Foto: Jens Kastner, 2015)
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