IG Bildende Kunst Logo
Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

Solidarisieren, Mitglied werden, Vorteile genießen!

Zur Schrift Scala Jewel Saphir

Carlos Toledo

In jeder Ausgabe wird der Titel des Schwerpunktthemas in einer anderen Schrifttype gesetzt, diesmal in der Scala Jewel Saphir (Martin Major, 1996). Die Scala ist eine erfolgreiche große Schriftfamilie, mit serifenlosen und Serifenschriften, bis hin zu den Scala Jewels, welche aus vier Schnitten bestehen: Crystal, Diamond, Pearl und Saphir. Stuart Hall war Chefredakteur des ersten HerausgeberInnenkomitees von der New Left Review (NLR) in Großbritannien 1960 (Folgeblatt vom The New Reasoner, gegründet 1957). 1962 löste Perry Anderson ihn ab. Das Erscheinungsbild der Zeitschrift änderte sich von 1964 bis 2000 nicht und stammte vom renommierten Grafik Designer Derek Birdsall. Anderson beauftragte dann aber Peter Campbell (1937–2011), um das NLR neu zu gestalten. Die NLR erscheint bis heute in dieser Form. Susan Watkins schrieb in memoriam Campbells einen Artikel über ihn in der NLR. Campbell gestalte den neuen Schriftzug für die Zeitschrift und verwendete dafür die Scala. Watkins beschreibt sein Design als „delicate“, eine sehr charmante Bezeichnung. Campbell zeichnete händisch die Initialen „n“, „l“ und „r“, die den Inhalt auf dem Umschlag – die Titel der Beiträge und die AutorInnen – umrahmen. Watkins schreibt: „Formal harmonisieren die verschiedenen Elemente Kaligraphie, Typographie und Farbenkombination flüssig und erzeugen ein vielfältiges Design, das trotzdem unverwechselbar bleibt“. Aber vor allem beschreibt sie eben den vielseitigen Charakter Campbells. Er studierte Philosophie und Geologie und machte eine Lehre als Schriftsetzer, arbeitete dann fünfzehn Jahre in der BBC als Designer, z.B. für das interne Magazin The Listener. Dessen RedakteurInnen gründeten später die London Review of Books (LRB), für deren Erscheinung auch Campbell verantwortlich zeichnet. Er illustrierte mit seinen Aquarellen die Umschläge der LRB und definierte damit den Charakter der LRB nicht weniger als deren redaktionelle Mitglieder. Watkins meint das sei so, weil in Neuseeland, wo Campbell aufwuchs, künstlerische und intellektuelle Kultur untrennbar sind. Und das ist formal sinnvoll. 


Carlos Toledo