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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Die Bildstrecke zeigt Seiten aus einem Zine, das bei einem (e)merging Identities Creative Workshop der Künstler_innen Evan Ifekoya und Raju Rage innerhalb der Ausstellung What is Queer Today Is Not Queer Tomorrow in der nGbK Berlin im August 2014 entstanden ist. Der Workshop diente als Rahmen für eine kritische Reflexion von Mikrokulturen, die Identitäten bilden: Klasse, Ethnizität, Geschlecht, Sprache, Religion, … In einer Auseinandersetzung damit, welche Mikrokulturen wie zur eigenen Identität beitragen, haben die Teilnehmer_innen Portraits von sich gefertigt und präsentiert. So konnten zukünftige und vergangene Identitäten dargestellt, transformiert und neu entworfen werden.

Ein Foto der Performance The Year of the White Bear and Two Undiscovered Amerindians visit the West (1992–1994) von Coco Fusco und Guillermo Gómez-Peña ist auf der Rückseite zu sehen. Als „Zwei Unentdeckte Amerindians“ begaben sich Fusco und Gómez-Pena zur Zeit der 500-Jahr-Feiern zur „Entdeckung“ Amerikas in verschiedenen US-amerikanischen und europäischen Städten in einen Käfig. Die „Ureinwohner_innen“ einer Insel, die von Columbus übersehen worden war, vollzogen diverse authentische Rituale (am Laptop arbeiten, Radio hören, Fernschauen etc.) und waren traditionell gekleidet (Bastrock, Federschmuck, Cowboy-Stiefel, Wrestlermaske etc.). Obwohl die Aktion rein ironisch gemeint gewesen war, hielten ca. die Hälfte aller Zuschauer_ innen die beiden für „echte“ Gefangene. Von rassistischen Beschimpfungen und Angriffen bis hin zu Protesten gegen die unmenschlichen Zustände der Käfighaltung reichten die Reaktionen. Mit The Year of the White Bear legten Fusco und Gómez-Pena so inmitten eines sich etablierenden postkolonialen Diskurses und gleichzeitiger kolonialistischer Feierlichkeiten die Fortdauer rassistischer Vorstellungen offen und entlarvten die absurden Ausmaße westlicher Authentizitätsphantasmen.

Pfusch Baustelle (2014) ist ein Performance-Projekt, von Anna Knapp, Vinko Nino Jaeger, Nataša Mackuljak, Ivana Marjanović, Barbi Marković, Zeynep Sarıkartal, Claudia Tomassetti, und Amina Hassan. Pfusch im Deutschen bedeutet achtlos, schlampig ausgeführte oder auch illegalisierte Arbeit. Im Serbokroatischen steht das Wort für schlecht gemachte Arbeit, ein Produkt mit mangelhafter Qualität. Pfuscher kann auch „majstor _ka kvariša“ bedeuten, was wörtlich übersetzt in etwa „Meister _in Kaputtmachen“ bedeutet. Eine Person, die Dinge zerstört, jedoch mit der Absicht sie zu reparieren oder neu zu erfinden. Pfusch bzw. Fuš Subjekte könnten die sein, die daran scheitern, eine „gut gemachte Arbeit” der Ideologie zu performen. Pfusch Baustelle ist ein kollaboratives Projekt, in dem es um die Lebens- und Arbeitsverhältnisse im Kapitalismus geht, um Migrant_innen in Wien bzw. Österreich, und ihre Netzwerke der Unterstützung, Liebe und Freund_innenschaft, die nicht immer nur aus Migrant_innen bestehen. Fuš überwindet binäre, identitäre Zuschreibungen. (Unterstützung: kültüřgemma!, diverCityLab, ÖH, Bundeskanzleramt; Foto: Lisbeth Kovacic; Bearbeitung: Daniel Jarosch)