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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2014

Positionierung

 

Identität, hatte Stuart Hall einst geschrieben, sei nicht ein Wesen, sondern eine Positionierung. In den sozialen Raum gestellt, durch Klassifikationen wie Klasse, Ethnizität und Geschlecht an bestimmte Plätze verwiesen, heißt Positionierung für individuelle und kollektive AkteurInnen aber immer auch, sich in Stellung zu bringen - möglicherweise gegen den vorgefundenen Platz. Wann Widerstand und unter welchen Bedingungen stattdessen Konformität entsteht, war eine der Schlüsselfragen in den Schriften des jamaikanisch-britischen Kulturtheoretikers. Stuart Halls Werk umfasst neben solchen politischen, an Antonio Gramsci angelehnten Fragestellungen auch Medientheorie, Debatten zum Multikulturalismus, Repräsentationskritik und marxistische Staatstheorie und gehört zu den bedeutendsten für die Entwicklung der Cultural Studies überhaupt. Die besondere Verbindung von kulturtheoretischen, politisch-analytischen und aktivistisch-strategischen Fragen bei Hall scheint uns den Versuch wert, erstmals eine monografische Ausgabe des BILDPUNKT zu wagen und die Anknüpfungspunkte an das Schaffen des 2014 verstorbenen Theoretikers auszuloten.

 

Heft Herbst 2014

Kreativitätsroutinen


Galt das kreative Potenzial ehedem noch als von allerlei Emanzipationstechnik hervorzulockender Befreiungshorizont, ist es längst verkommen: zum Anspruch, der selbst an die stupideste Arbeit angelegt wird, zum Entwicklungsziel, dem kein Individuum der Spätmoderne mehr entkommt, zum freiwilligen Zwang neoliberaler Prägung. Und dabei hatten sich die künstlerischen Avantgarden den gesellschaftlichen Strukturwandel, zu dem sie beitrugen,  ganz anders vorgestellt.
Lässt das "Kreativitätsdispositiv" keinen Ausweg offen oder lässt sich das Kreative gegenüber den durchrationalisierten Routinen dennoch retten? Ist gestalten noch möglich oder müssen wir das schließlich mit Bartleby lieber nicht tun wollen? An praktischen wie theoretischen Beispielen diskutiert dieser Bildpunkt Bedingungen und Möglichkeiten von Kreativität und der Kritik an ihr, ganz kreativ.


Heft Sommer 2014

Re:Produktion

 
Spätestens seit Walter Benjamins Kunstwerk-Aufsatz wird über die Auswirkungen und Effekte der Reproduktion in der und für die Kunst diskutiert. Jenseits der Kunsttheorie hat das Thema nicht nur Louis Althusser und seinen SchülerInnen Kopfzerbrechen bereitet, sondern war auch ein gewissermaßen feministisches Steckenpferd. Aber wie hängen eigentlich Vervielfältigung und Wiederherstellung in der Kunst mit jener Art von Reproduktion zusammen, über die Sozial- und Kulturtheorien reflektieren?
Da die Reproduktion stets aus verschiedenen Verfahren mit unterschiedlichen historischen Methoden geschieht, geben vielleicht die gegenwärtigen Arbeits- und Lebensverhältnisse über jene Zusammenhänge Auskunft. Was aber tun in und mit den Reproduktionsarbeiten und -prozessen, danach und schließlich nach künstlerischen und politischen Strategien fragt diese Ausgabe des Bildpunkt.


Heft Frühling 2014

Exitstrategien


So vernehmbar wie nie zuvor waren und sind Proteste von Flüchtlingen/Refugees in Österreich und Deutschland in den letzten Monaten und Jahren, so wenig präsent und repräsentiert sind sie im staatspolitischen wie im kulturellen Alltag. Die Proteste klagen aber längst nicht nur die schon lange erhobenen Forderungen nach Sichtbarkeit und Vertretung der Nicht-Repräsentierten ein: Zum einen zeigen sich die tausendfache Flucht und die Prozesse des Fliehens als konstitutive Elemente der Herrschaft, die immer wieder die vielfältigen Praktiken des Abhauens und An- wie Unterkommens unter die Logik der Fluchtburg zwingt; zum anderen aber untergräbt das Fliehen selbst die identitären Gewissheiten von Wir und die Anderen, von Hier und Dort, von Meins und Deins. Über Widersprüche und Potenziale im Fluchtverhalten und über freigehaltene wie verbaute Fluchtwege diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt, und hat dabei durchaus Gilles Deleuze in den Hinterköpfen: „Fliehen, ja, aber im Fliehen eine Waffe suchen.“