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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Schon von undok gehört?
Kontinuierliche gewerkschaftliche Unterstützung für undokumentierte Arbeitnehmer_innen in Sicht

Daniela Koweindl

„Lohnarbeit von Migrant_innen ohne Aufenthalts- und/oder Arbeitspapiere ist unsicher, schlecht bezahlt und gefährlich. Wir sprechen dabei von undokumentierter Arbeit“, heißt es im Editorial der von der Arbeiterkammer Wien und dem Arbeitskreis undokumentiert arbeiten herausgegebenen Broschüre „Arbeit ohne Papiere, … aber nicht ohne Rechte!“. Auch wenn Personen ohne EU-/EWR-Pass vielfach vom formellen Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind und Arbeitgeber_innen diese Situation ausnutzen, so heißt das noch lange nicht, dass keine Arbeits- und Sozialrechte gelten. Doch diese Rechte tatsächlich einzufordern, ist in der Praxis nicht so einfach.

Gegen Lohndumping und Sozialbetrug


Genau hier will undok ansetzen. Undok? Im Sommer hat sich der Verband zur gewerkschaftlichen Unterstützung von undokumentiert Arbeitenden gegründet und kurz danach eine Stelle für eine Mitarbeiter_in ausgeschrieben. Anfang September wurde der erste Vereinsvorstand gewählt. Als nächstes soll eine Anlaufstelle namens undok eröffnen. Hinter diesem flotten Fahrplan steckt eine mehrjährige Vorarbeit. Die involvierten Akteur_innen – Arbeiter_innenkammer, Gewerkschaften, NGOs, migrantische Selbstorganisationen und antirassistische Aktivist_innen – waren bereits seit März 2011 im Arbeitskreis undokumentiert arbeiten aktiv. Es wurde erfolgreich Unterstützungsarbeit geleistet, eine Fachtagung organisiert, Kostenpläne formuliert, die Anlaufstelle konzipiert und für deren Realisierung lobbyiert. Auch der regelmäßige Austausch mit bereits existierenden Anlaufstellen für undokumentiert arbeitende Kolleg_innen in Deutschland hat beigetragen, die Idee immer konkreter werden zu lassen. Kurzum: Gemeinsam wurde und wird das Ziel verfolgt, die realen Möglichkeiten der Rechtedurchsetzung – in individueller wie auch struktureller Hinsicht – zu verbessern. Die Einrichtung einer Anlaufstelle in Wien steht dabei als nächster wichtiger Schritt an.

Empowerment von Migrant_innen ohne Arbeitspapiere


Dabei geht es nicht bloß um kompetente Einzelfallberatung. Zentral soll etwa die Unterstützung bei Empowerment und Selbstorganisation von undokumentiert Arbeitenden in Hinblick auf die Durchsetzung ihrer Rechte sein. Die aufenthaltsrechtlichen Gefahren dürfen zwar nie außer Acht gelassen werden, allerdings ist das Einfordern von Rechten keineswegs grundsätzlich mit solchen Risiken verbunden. Oftmals ist es – wie in jedem Arbeitskampf – eine Frage der Strategie. Und/oder des Timings. Wen kann es betreffen?
Alle, die in Österreich keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben: die eben migrierte EU-Bürger_in aus Kroatien, die keine Chance auf eine Beschäftigungsbewilligung hat (Quoten!); die kanadische Studentin, die zum Überleben mehr als die im ersten Abschnitt erlaubten zehn Wochenstunden arbeiten muss; die georgische DJ mit „Aufenthaltsbewilligung Künstler_ in“, die auch nicht-künstlerischen Beschäftigungen nachgeht; die Asylwerber_in, die mit der Grundversorgung allein nicht auskommen kann; die (Ehe)Partner_in mit „Aufenthaltstitel – Familienangehörige“, die nach der Scheidung bzw. Auflösung der eingetragenen Partner_innenschaft, aber vor Erteilung eines von der Angehörigenschaft unabhängigen Aufenthaltstitels eine (neue) Beschäftigung aufnimmt; Sans Papiers, die ohne gültige Aufenthaltspapiere hier sind, aber auch von etwas leben müssen. Und viele andere mehr. Die Anlaufstelle undok wird im Winter 2013/14 in Wien eröffnet und von Gewerkschaften und der AK Wien finanziert.


Daniela Koweindl ist kulturpolitische Sprecherin der IG Bildende Kunst und für diese im undok-Verband aktiv.