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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Herbst 2013

What a feeling!


Nach Jahren rationalistischer Durchdringung sind jetzt die Gefühle wieder dran: Nicht mehr ganz so authentisch wie früher, aber doch die Sinne betreffend und so manche Erschütterung hervorrufend, scheinen die emotionalen und affektiven Ebenen von Kunstproduktion und –rezeption neue Bedeutung zu erlangen. Auch im politischen Feld sind Wut und Empörung zu festen Größen sozialer, manches Mal sogar emanzipatorischer Mobilisierung geworden. Das Ganze geht, nicht zuletzt dank schlechthin aufgewerteter Theorie, nicht ohne avancierten Diskurs um die Affekte ab.
Eröffnet Spinozas Affekt als Affizieren und Affiziertwerden eine Erweiterung der analytischen Perspektiven? Und führt sie politisch in Widerstandsstrategien gegen soziale Ungleichheit und Gleichgültigkeit oder doch zu Gefühlsduselei? Über die Frage, ob die Aufregung also gerechtfertigt ist und was daraus folgt, diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt.

 

 

Heft sommer 2013

un/vermittelt


Die Kunstvermittlung hat in den letzten zwanzig Jahren eine rasante Aufwertung erlebt. Die äußert sich nicht zuletzt im etablierten Substantiv, zuvor gab es schließlich nur Tätigkeiten wie „Führungen machen“. In der geografischen und milieuspezifischen Peripherie beliebt, ist die Vermittlung im Zentrum des Kunstfeldes aber schlecht angesehen und bleibt deshalb auch hinsichtlich Reputation, Prestige und nicht zuletzt Bezahlung strukturell weit hinter KunstproduzentInnen und KuratorInnen zurück. Und schließlich geht es nicht nur um die Steigerung des Ansehens, sondern darum, Inhalte rüberzubringen. Davon können auch politische AktivistInnen ein Liedchen singen, mit Strophen etwa zur Verständlichkeit der Sprache, den richtigen Bildern und der Repräsentation überhaupt. Die Inhalte brauchen vermittelnde Formen, um annehmbar zu sein, ohne anbiedernd zu werden. Wenn man, wie seinerzeit Antonio Gramsci, den „melodramatischen Geschmack des kleinen Mannes [...] bekämpfen“ will, scheiden melodramatische Mittel schon mal aus. Zu vermitteln gibt es also einiges zwischen Stil, Stellung und Stellungnahme.


 

Heft Frühling 2013

critical correctness

Seit rund zwanzig Jahren wird nun die Vokabel der „political correctness“ (PC) politisch eingesetzt. Auch mit Kunst hatte das zu tun, denn gerne wurde der Etat des National Endowments for the Arts von der US-amerikanischen Rechten zum Anlass für Debatten um den Fortbestand der Zivilisation und dessen Gefährdung durch Künstler_innen und andere (vor allem ethnisch markierte) Minderheiten genommen. Obwohl es nie eine linke political correctness-Bewegung gegeben hat, wurde mit dem Begriff hantiert, als sitze eine kleine Clique aus radikalen Linken, dekonstruktivistischen Theorie-Fans und Feministinnen an den Schaltstellen der Macht und terrorisiere die übrige Bevölkerung mit ihren Sprachregelungen und Denkverboten (worüber sich vor allem ältere, rechtsgesinnte weiße Männer beschwerten). Nach zwanzig Jahren haben sich die Wogen kaum geglättet. Anders als Worte wie Impressionismus hat sich PC nicht von einer einstmaligen Schmähvokabel zum konsensuell gelobten Gegenstand gewandelt. Der Kampf um die soziale Etablierung marginalisierter/peripherer Positionen kommt gegenwärtig auch in den Debatten um Critical Whiteness zum Ausdruck. Aber nicht nur darin finden sich Kristallisationspunkte sich wandelnder politischer Allianzen. Vom Stand im Stellungskrieg beim Kampf um die Worte berichtet diese Ausgabe des Bildpunkt.