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Die IG BILDENDE KUNST ist die Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Mit Kunst leben.

Editorial

„Sollte aber Kunst wirklich nur als alternative Anlage des Vermögens gesehen werden?“, fragt sich die Sotheby’s Austria Direktorin Andrea Jungmann in der Zeitschrift Geld & Leben. Aber nein! Denn Kunst „hat einen viel größeren als den finanziellen Wert“, heißt es in ihrem Artikel unter der Überschrift „Kunst als Investment“ in der Kundenzeitung der Volksbank (1/2012). Und worin besteht der Mehrwert der Kunst? Das kann man natürlich nicht so genau wissen, es sei denn man ist Kunstsoziologin – oder Investor: „Wer schon einmal mit Kunst gelebt hat“, heißt es in Geld & Leben abschließend, „weiß zu schätzen, welche Freude und Bereicherung diese im Leben sein kann.“ Yep!

Die mit Kunst leben und diejenigen, die versuchen, von Kunst zu leben, bewegen sich vielleicht im selben sozialen Feld, aber letztlich (zu rund 98 Prozent) doch in verschiedenen Welten. Wir haben es in der vorletzten Bildpunkt-Ausgabe zum Thema Anders Handeln schon thematisiert, dass der Kunstmarkt einer der ungerechtesten Märkte von allen ist (extremes Preisgefälle bei qualitativ gleichwertigen Leistungen und Produkten, extrem ungleiche Zugangsbedingungen etc.). Zudem verdienen KünstlerInnen mit ihrer Kunst in Österreich zwei Drittel weniger als andere unselbständig Beschäftigte im Durchschnitt. Und zu allem Überfluss ist die Kunst auch gesellschaftlich alles andere als unschuldig: Wir alle, die wir hier mit Kunst zu tun haben, genießen doch noch eine Art spezieller Kunstfelddividende, denn – das hatte die Künstlerin Andrea Fraser in einem Texte zur Kunst-Artikel vorgerechnet – für den Kunstmarkt gilt: Je größer die allgemeine, gesellschaftliche Diskrepanz zwischen Arm und Reich, „desto mehr steigen hier die Preise.“

Aber, und in der Hinsicht hat die Sotheby’s-Autorin ja durchaus recht, Kunst ist weit mehr als der Kunstmarkt. Zum Beispiel handelt es sich auch um ein Feld, an dessen linken Rändern verstärkt über jene kreativen Arbeitsbedingungen reflektiert wird, die, so flexibel, mobil und voller Hingabe, gesamtgesellschaftlich vom Außenseiter- zum Rollenmodell geworden sind. Als Teil dieser Auseinandersetzungen versteht sich auch die vorliegende Nummer.

Erstmals seit sieben Jahren, als wir den Bildpunkt in seiner neuen Form entwickelt haben, sind nun redaktionell geradezu erdrutschartige Transformationen eingetreten: Daniela Koweindl geht in Bildungskarenz und wird für das nächste Jahr in der IG Bildende Kunst wie auch in der Redaktion von Sylvia Köchl vertreten. Und Nora Sternfeld gehört der Redaktion aus beruflichen Gründen nunmehr vor allem als assoziiertes Mitglied an. Dafür ist als ständiges Mitglied fortan Sophie Schasiepen im IG-Vorstand und der Redaktion. Selbstverständlich trauern wir schon jetzt den alten Zeiten nach und freuen uns zugleich sehr auf eine gute neue Zusammenarbeit!


Jens Kastner, koordinierende Redakteur