|
Die Bildstrecke zeigt Fotografien von Carla Bobadilla. Sie bat Straßenverkäufer_innen in Chile T-Shirts mit der Aufschrift Creativity is our Hope anzuziehen und darin ihre gewohnten Arbeitsabläufe zu verrichten. Bobadilla bezeichnet die Fotos als Dokumentationen von Performances. Die Protagonist_ innen sind Teil einer inoffiziellen Wirtschaft, in der sie sich als unabgesicherte Selbständige ihren Lebensunterhalt zu verdienen suchen. Verschiedene Vertreibungs- und Repressionsmethoden, die je nach geographischer und politischer Lage variieren (bspw. in der Stadt härter sind als auf dem Land), und auch wechselnde Nachfrage zwingen sie zu immer neuen Strategien und Umsetzungen ihrer Tätigkeiten. Creativity is our Hope muss in diesem Kontext also in erster Linie wortwörtlich genommen werden. Zugleich weisen die Arbeiter_innen Eigenschaften auf, die auch der/die idealtypische neo-liberale Arbeiter_in mit sich bringen sollte: Flexibilität, Dynamik, Kreativität. So lassen sich die Bilder als ironischer Kommentar auf globale marktwirtschaftliche Entwicklungen lesen. Aber auch als ein weiterer Hinweis darauf, dass heutige „kreative Arbeiter_innen“ keineswegs vor allem „immaterielle Arbeit“ verrichten. Creativity is our Hope enstand im Rahmen der Forschungsgruppe Another Roadmap for Art Education.
Das Mittelposter von Andreas Leikauf bringt mit Let’s talk about your Money das Thema dieser Nummer auf einen Punkt: das Ziel eines Pistolenlaufes. Der richtet sich zwar nicht auf die Betrachter_innen, die Aufforderung aber wirkt trotzdem direkt. Offenbar sind doch mehrere Perspektiven involviert. Leikauf recycelt Slogans und Bildmaterial aus der alltäglichen Informationsflut, von der er sich umgeben sieht. Die Malerei als kontrastreich langsames Medium hilft ihm, Text und Bild in ihrer Trivialität zu sowohl plakativen als auch vielschichtigen Aussagen zu pointieren bzw. verdichten. „wie ist die welt so?“, fragt Leikauf an anderer Stelle und antwortet sich: „ich muss mir erst mal ein bild machen. das soll dann bitte verkauft werden, kostet ja nicht die welt.“
Auf dem Rückencover fordert die virtual community investment bank spacebank zur Investition in den Brooklyn Stock Exchange auf. Sie ist ein Unternehmen des cooperative media comglomerate Diego de la Vega. Fran Ilich, der sich als mexikanischer Medienaktivist, Schriftsteller und Unternehmer bezeichnet, nimmt dort die Position des CEO ein. Diego de la Vega ging 2008 online und behauptet die Möglichkeit einer anderen Welt – durch Zusammenarbeit von Medienaktivismus, digitaler Arbeit, Solidarischer Landwirtschaft und weiteren aktivistischen Praxen. 2010 erhielt Diego de la Vega 17,20 USD über Google Adsense. Diese wurden als Basiskapital für die Gründung der spacebank verwendet. 10.000 Pixel wurden geprägt, die proportional zum jeweiligen Anteil am Gewinn in die an Diego de la Vega beteiligten Kooperativen angelegt wurden – errechnet mit den Metriken des Brooklyn Stock Exchange und einem Wert von 0.00172 USD pro Pixel. Gültige Währung des BSXE ist die Digital Maoist Sunflower. Einzelpersonen, NGOs, Kollektive können ab 10 USD ein Konto bei der spacebank eröffnen, solange sie der Paretoeffizienz-Verteilungs-Regel entsprechen, zum Erreichen ihrer Ziele keine anderen zu Schaden kommen zu lassen. Die spacebank legt vor allem in Kunst, Literatur und Medienstrategie-Projekte an – eine andere Welt ist möglich.
|