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Jenseits von Konsens, Gleichheit und Utopie: Neue Formen der Kollaboration

Martina Ruhsam

In den kollaborativen Praktiken zeitgenössischer Choreographen geht es nicht mehr um die Einlösung einer romantischen Sehnsucht nach einem glücklichen Beisammensein oder nach einem revolutionären Gesellschaftsumsturz, sondern vielmehr und das Ermöglichen singulärer Prozesse, die sich durch die Vielstimmigkeit der Beteiligten auszeichnen. In einer Podiumsdiskussion unter dem Titel Happy Together – Communities, Scenes, Circles, Networks and Other Modes of Collaboration and Friendship from the 1960s until Today[1] wehrte sich die Performance-Theoretikerin Bojana Kunst gegen eine Verknüpfung des aus der Hippie-Ära entlehnten Titels „Happy Together“ mit zeitgenössischen kollaborativen Methoden. Ein Problem in der Übernahme der Credos aus den 1960er Jahren (Gemeinschaft, glückliches Beisammensein, Befriedigung körperlicher Bedürfnisse etc.), die man in den Kollektiven und Kollaborationen dieser Zeit zu verwirklichen versuchte, ist, dass diese Attribute im 21. Jahrhundert längst vom kapitalistischen System einverleibt worden sind und wesentliche Bestandteile der neoliberalen Werbeproduktion darstellen. Die gigantische Werbemaschinerie, die uns umgibt, muss systembedingt permanent an unseren Hedonismus appellieren, um aus unseren Lüsten Kapital schlagen zu können.

Wurden künstlerische Kollektive in den 1960er und 1970er Jahren großteils durch eine gesellschaftspolitische Utopie zusammengehalten, so gibt es in künstlerischen Kollaborationen heute keine ideologische Klammer oder keine kollektive politische Intention mehr, die die kollaborierenden Künstler repräsentieren (wollen) würden. Zeitgenössische ChoreographInnen sind deshalb allerdings nicht unpolitischer als ihre VorgängerInnen. In Anspielung an Paolo Virnos Reflexionen über die Multitude kann vielmehr gesagt werden, dass zeitgenössische ChoreographInnen wenn, dann nur insofern entpolitisiert sind, als schon zu viel Politik im alltäglichen Arbeitsprozess steckt. PartnerInnen, die keine zukünftige gesellschaftspolitische Vision eint und keine Autorität bevormundet, sind das tägliche Ver- und Aushandeln von Rollen, von Kommunikationsweisen und Kollaborationsregeln, die die Politik der Zusammenarbeit prägen, gewöhnt. Sie kommen Tag für Tag im Hier und Jetzt mit der politischen Dimension des kollaborativen Arbeitens in Berührung und müssen sich immer wieder aufs Neue über die Spielregeln ihrer Kooperation einigen. Was kollaborierende KünstlerInnen verbindet, ist nicht ein großer gesellschaftspolitischer Entwurf, sondern vielmehr der Zugang zu bestimmten Netzwerken und eine gemeinsame, meist selbst entworfene Praxis. Der Grund für ein gemeinsames Arbeiten ist weniger die Illusion eines glücklichen Zusammenseins, als vielmehr Bedürfnis und Bedarf, Dringlichkeit und Not(wendigkeit).

Handelte es sich bei künstlerischen Kollaborationen in den 1960er und in den 1980er Jahren, so Bojana Kunst, um eine Kollaboration von Gespenstern („a collaboration of ghosts“), die ihre Arbeit an einer Utopie ausrichteten und vor allem durch ihre Vision der Zukunft vereint waren, so liegt die spezifische Produktivität heutiger Kollaborationen ihrer Meinung nach darin, dass die involvierten Personen nicht primär darüber nachdenken, wozu die Zusammenarbeit irgendwann bzw. irgendwo führen wird.[2] Im Unterschied zu Gesa Ziemer sieht Bojana Kunst die Potentialität zeitgenössischer Kollaborationen (vor allem im Bereich Tanz und Performance) genau darin, dass der Grund für die Zusammenarbeit die Zusammenarbeit selbst ist. Können sich die involvierten Personen von einer Orientierung an ein mögliches Produkt in ferner Zukunft lösen, so kann die spezifische Art und Weise der Zusammenarbeit ihrer Meinung nach Einfluss auf die Arbeitsmethoden und dadurch auf das Produzierte nehmen.[3]

Wollen mehrere Personen gemeinsam eine Performance entwickeln, so kann dieses gemeinsame Ziel freilich nicht aus dem Prozess ausgeblendet werden. Der Verlauf des Arbeitsprozesses wird allerdings sehr wohl davon abhängen, ob ein gelungenes, er folg reiches und verkaufbares Endprodukt das einzige Anliegen der Zusammenarbeit darstellt, oder ob es – über dieses Produkt hinausgehende – Agenden gibt, die miteinander verhandelt werden.

Bojana Cveijć sieht im Moment allerdings mit dem Hype um das Phänomen Kollaboration bereits eine ähnliche Dynamik am Werk wie in Bezug auf die Slogans der 1960er Jahre: „Collectivity and collaboration, thus, no longer appear as viable models of experimentation and critique as they are already subsumed under the institutional order and a cultural policy trend.“[4] Tatsächlich ist zu beobachten, dass der Begriff Kollaboration zu einer populären (und viel er orts nichtssagenden) Formel in aktuellen Diskursen avan ciert ist. Deshalb wird das Interesse an spezifischen ko l l aborativen Methoden das sinnentleerte Gerede über Kollaborationen ablösen müssen.

Als Motto für jede selbstbestimmte Zusammenarbeit, in der die Involvierten mehr als die funktionstüchtigen Glieder eines Gesamtkörpers darstellen, könnte eine Aussage der bolivianischen Aktivistin Maria Galindo stehen: „I can work with you because I can speak for myself.“5 Produktive kollaborative Praktiken lösen sich von der Prämisse der Gleichheit der Beteiligten. Sie zeichnen sich durch die Singularität der einzelnen Involvierten aus, die beisammen in heterogenen Sprachen artikulieren können, was keinem Wir der Gruppe untergeordnet oder auf ein solches angewiesen ist. In einer solchen Szenerie des Zwischen-uns können Wissensformen, Fähigkeiten, Affekte und Imaginationen (mit)geteilt und zu neuen sinnlichen Gebilden und Praktiken verstrickt werden.


Martina Ruhsam ist freischaffende Choreographin, Performerin und Autorin. Sie lebt in Wien und Ljubljana.


[1] Die Podiumsdiskussion Happy Together – Communities, Scenes, Circles, Networks and Other Modes of Collaboration and Friendship from the 1960s until Today fand im Kontext des IETM(International Network for Contemporary Performing Arts)-Kongresses im Mai 2008 in Ljubljana statt.

[2] Bojana Kunst in einem unveröffentlichten Vortrag im Rahmen der oben genannten Podiumsdiskussion.

[3] Kunst, ebd.

[4] Bojana Cvejić: Collectivity? You mean Collaboration, in: Republicart Webjournal, http://republicart.net/disc/aap/cvejic01_en.htm, Jänner 2005, Zugriff am 1. 3. 2012.

[5] Maria Galindo: No matter how much you love me, I do not want to belong to you, in: Republicart Webjournal,
http://eipcp.net/transversal/0605/galindo/en, Jänner 2005, Zugriff am 1. 3. 2012.