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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Online-Umfrage zu Ateliers: erste Schlaglichter

Jannik Franzen

Die mühsame Suche nach einem leistbaren Atelier beschäftigt viele Künstler_innen. Die IG Bildende Kunst startete im Sommer eine Online-Umfrage, um mehr über die Situation und den Bedarf bildender Künstler_innen in Österreich zu erfahren: Wie steht es um den Zugang zu Ateliers? Wo gibt es Atelierförderungen? Können sich Künstler_innen ein Atelier (noch) leisten? Wieviel darf es kosten? Nach was für Arbeitsräumen suchen sie? 324 Künstler_innen haben den Fragebogen ausgefüllt. Herzlichen Dank für die tolle Beteiligung! Drei Viertel der Teilnehmenden leben und arbeiten in Wien, 9% in Niederösterreich, 7% in Oberösterreich. 13% wohnen in einer ländlichen Region.

Sehr viele bildende Künstler_innen kombinieren mehrere Kunstsparten. Zusätzlich zu den erfragten Rubriken Bildhauerei, Fotografie, Grafik, konzeptuelle Kunst, Malerei, Medienkunst und Performance nennen sie etwa Comic, forschungsbasierte Kunst, Keramik, Kunst am Bau oder im öffentlichen Raum, Kunst im Kontext soziokultureller Arbeit, Mode/Textilkunst, Restaurierung oder Soundinstallation. Es zeigen sich vielfältige Arbeitsfelder, die teils spezielle räumliche Anforderungen mit sich bringen. Oft sind sie nicht durch Verkauf „verwertbar“. Im Kommentarfeld thematisieren manche Künstler_innen ihre prekäre oder schwer planbare Einkommenssituation. Nur 34% sind ausschließlich künstlerisch tätig. „Ich kann es mir finanziell nicht leisten, hauptsächlich oder ausschließlich als Künstlerin zu arbeiten“, merkt ein_e Teilnehmer_in an. Einige Künstler_innen arbeiten im sozialen Bereich oder in der Lehre, erledigen Auftragsarbeiten im Kunstfeld oder beziehen AMS-Leistungen.

67% der Teilnehmenden verfügen über ein Atelier. Der überwiegende Teil dieser Ateliers (86%) ist nicht gefördert. Fast ein Viertel hat keine Heizung, zwei Drittel sind schlecht isoliert. 15% haben keine Toilette. Dennoch sind fast drei Viertel der Befragten mit ihrem Atelier zufrieden.

33% der teilnehmenden Künstler_innen haben kein Atelier. Nur 5% dieser Gruppe geben als Grund an, dass sie keines brauchen. 7% verloren ihren Arbeitsraum, weil der Vertrag nicht verlängert wurde, 22% konnten sich die Miete nicht mehr leisten. 53% konnten bisher kein leistbares Atelier finden. „Ich hatte immer wieder Ateliers bzw. einen Platz in Gemeinschaftsateliers, stets beendet durch Befristung oder in Folge deutlicher Mieterhöhung“, berichtet ein_e Teilnehmer_in. „Wohne ich in meinem Atelier oder arbeite ich in meiner Wohnung?“, fragt ein_e andere.

63% der Künstler_innen ohne Atelier suchen eines. Auf der Wunschliste für die Ausstattung steht nach Toilette und Heizung an dritter Stelle eine Lagermöglichkeit (67%). Manche Teilnehmer_ innen äußern bescheidene Wünsche: „Es sollte vor allem trocken sein.“ Zwischennutzungen sind für viele bildende Künstler_ innen keine Option, weil der Transport und die Lagerung ihrer Arbeiten und Materialien zu aufwändig sind.

Teilnehmer_innen nutzten die Kommentarfelder auch, um auf strukturelle Ungleichheiten bei der Ateliervergabe hinzuweisen, die etwa für nicht im Kunstfeld etablierte Personen und ältere Künstlerinnen* zusätzliche Hürden darstellen.

Jannik Franzen ist kunstpolitische_r Sprecher_ der IG Bildende Kunst.

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