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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Wessen Haus brennt?

Jannik Franzen

Die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit kommen erst langsam in der österreichischen Kulturpolitik an. „Kultur oder Klima retten?“ fragte im September die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF). [1] Hängt das mit der chronischen Unterfinanzierung der Kulturinitiativen zusammen – beides geht sich nicht aus? Bescheidener formuliert die IG Kultur: „Was kann die Kunst für’s Klima?“ [2]

„Kunst und Kultur können zum Klimaschutz etwas beitragen, was kein anderer gesellschaftlicher Bereich leisten kann: Sie können neue Perspektiven eröffnen!“ antwortet Richard Schachinger vom Klimabündnis OÖ. [3] Kunst könne emotionale, politische, sogar lustvolle Blickwinkel auf Klimaschutz eröffnen. Und sie solle die eigenen Aktivitäten ökologischer gestalten, von der Anreise über das Essen bis zum Abfallkonzept.

Der Deutsche Kulturrat, Dachverband von über 250 Kulturverbänden und -organisationen, unterhält seit 2018 ein Projektbüro für Nachhaltigkeit und Kultur. In einer zweijährigen Kooperation mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) soll es „eine Brücke zwischen dem Nachhaltigkeitsdiskurs des Natur- und Umweltbereiches und kulturpolitischen Debatten zu schlagen.“ [4]

Durch Perspektiven aus der Kunst politischen Handlungsdruck aufbauen, ist das Konzept von Artists for Future, Künstler_innen verschiedener Sparten, die sich mit den Klimastreiks der Schüler_ innen solidarisieren. „Kunst reflektiert und schafft gesellschaftliche Realitäten. Oder stellt sie in Frage. Deshalb tragen wir eine Mitverantwortung für das, was gesellschaftlich als normal wahrgenommen wird. Das betrifft insbesondere die Frage, wie wir miteinander und mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen umgehen – sowohl in unserem direkten Umfeld als auch global.“ [5] Auch die Aktivist_innen von Extinction Rebellion setzen auf künstlerische Strategien, etwa Performances und „ready-made artwork“. [6] Ziviler Ungehorsam gehört zum Konzept, Verhaftungen sind einkalkuliert. Jedoch ist diese Strategie für Menschen, die Rassismus, Trans- und Homophobie erfahren, ungleich risikoreicher sind als für weiße, privilegierte Protestierende. Das Kollektiv Wretched of the Earth schreibt in einem offenen Brief an Extinction Rebellion: “For those of us who are indigenous, working class, black, brown, queer, trans or disabled, the experience of structural violence became part of our birthright. Greta Thunberg calls world leaders to act by reminding them that ‘Our house is on fire’. For many of us, the house has been on fire for a long time: whenever the tide of ecological violence rises, our communities, especially in the Global South are always first hit.” [7] Die Kritiker_innen prangern Kolonialismus und globalisierte Ausbeutung als Ursachen der Klimakrise und von Flucht und Vertreibung an. Sie wenden sich nicht gegen die Klimaproteste – sie reklamieren ihre Perspektiven hinein und fordern Umverteilung als notwendigen Bestandteil von Klimagerechtigkeit.

Jannik Franzen ist kunstpolitische_r Sprecher_ der IG Bildende Kunst.

[1] https://kupf.at/blog/kultur-oder-klima-retten/

[2] www.igkultur.at/artikel/greta-thunberg-inspiration-jugend-gabi-hampsonwort

[3] https://igkultur.at/artikel/kunst-kultur-klimaschutz-schachinger

[4] www.kulturrat.de/thema/nachhaltigkeit-kultur/projektbuero/

[5] https://artistsforfuture.org/de

[6] https://xrebellion.com; https://xrebellion.at

[7] www.redpepper.org.uk/an-open-letter-to-extinction-rebellion/