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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Wer spricht hier für wen? Wem gehören die Bilder? Wo enden die Möglichkeiten des solidarischen Miteinanders? Für das Mittelposter hat uns die französische Künstlerin Lili Reynaud-Dewar eine Dokumentation von Small Tragic Opera of Images and Bodies in the Museum (2017) zur Verfügung gestellt, die eine der Kernthematiken des diesmaligen Bildpunkt behandelt. Lili Reynaud-Dewar greift in der Installation und gleichnamigen Performance die Debatte um die Grenzen politischer Empathie auf, die mit Dana Schmutz’ Gemälde Open Casket (2016) auch im Kunstfeld Brisanz erlangt hat. Puppen mit beschrifteten Kleidern – von der Kurator*in über die Künstler*in bis zum Publikum – repräsentieren hier gegensätzliche Standpunkte und thematisieren damit die Schwierigkeiten, die das Aufgreifen etwa von Gewalt gegenüber People of Colour mit sich bringt. Reynaud-Dewar, 1975 in Frankreich geboren, beschäftigt sich in ihrer Arbeit häufig mit Race, Aneignung und Repräsentation – zuletzt etwa 2015 auf der Venedig- Biennale oder 2018 in der Ausstellung Der Wert der Freiheit im Belvedere 21, aus der diese Ansicht stammt.

„Crip ist Anti-Assimilatorisch und Stolz Drauf“: Unter diesem Zitat von Caitlin Wood lud die Crip Convention Vienna beim soeben zu Ende gegangenen Kulturfestival Wienwoche zur Auseinandersetzung mit normkritischen Themen. Das Event, das Eva Egermann und Cordula Thym ausgehend vom selbstorganisierten Zeitschriftenprojekt Crip Magazine initiiert haben, hat es sich zur Aufgabe gemacht, linke, queere und trans Kontexte mit Disability und Crip Culture zusammenbringen und so auf eine Art in einen noch immer überwiegend ableistischen Kunstdiskurs zu intervenieren – mit künstlerischen Interventionen, Vorträgen und einer Einladung zu Vernetzung und Austausch für verschiedene Initiativen. Eine Ausstellung in den barrierefreien Räumlichkeiten der Türkis Rosa Lila Villa zeigte Arbeiten der bildenden Künstlerin Iris Kopera. Kopera ist künstlerisch im Atelier 10 und der Bildbalance tätig und arbeitet als Peer Beraterin und Mitarbeiterin im Selbstvertreterzentrum für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das Backcover dieser Ausgabe des Bildpunkt zeigt eine ihrer Zeichnungen.

Die diesmalige Bildstrecke des Bildpunkt bespielen dokumentarische Fotos der Audioinstallation Warum bist du Wiener*in? (2019) des Kollektivs Raumstation – zu sehen kürzlich in der Ausstellung Haben und Brauchen in Wien im Wiener Künstlerhaus. Die Füße von sieben Personen stehen hier stellvertretend für sieben biografisch fundierte Statements, die Einblick in unterschiedliche Aufenthaltsstadien und Blickwinkel auf Wien als Lebensmittelpunkt gaben. Nicht nur in dieser Arbeit beschäftigt sich die Raumstation mit den Themen inklusive Stadtgesellschaft und solidarischer Munizipalismus. 2013 in Weimar gegründet, ist das Kollektiv mittlerweile auch in Berlin und Wien aktiv, als interdisziplinäre Plattform von Stadtgestalter*innen mit dem Leitsatz: „Wir wollen nicht darauf warten, dass sich die Stadt von allein verändert – wir wollen es selbst machen“.