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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Auf dem aktuellen Mittelposter ist Claudia Lomoschitz’ Arbeit Soft Gun 4ever zu sehen, die die Verniedlichung von Federdruckpistolen mit dem Produktionsmaterial Marshmallow auf die Spitze treibt. Lomoschitz „Waffen“ sind Teil eines größeren Projekts mit dem Namen OMG Armory Safety Solutions, das die Künstlerin als brandneues Sichterheits-Startup bewirbt, als „künstlerische Lösungen für globale Bedürfnisse“: „Softgun inkludiert eine Menge nahrhafter Optionen für vielfältige Ziele. Genießen sie die Süße der Sicherheit“. Claudia Lomoschitz studierte Performance in Hamburg und Kunst und Kommunikation an der Akademie der bildenden Künste, wo sie derzeit auch ihren PhD macht. Sie ist Gründungsmitglied der One Mess Gallery, einem der Off-Spaces, der aktuell in der belvedere 21-Ausstellung Über Das Neue. Junge Szenen In Wien mitmischt.

Durch die Bildstrecke führen diesmal Stylianos Schichos Zeichnungen beziehungsweise Malereien. Sie zeigen, so könnte man vermuten, verschiedene Menschen aus der Perspektive Überwachungskameras, ohne in dieser Hinsicht jedoch eindeutig zu sein: Tatsächlich sind es – anstatt der Kamera – wir, die Rezipient_innen der Bilder, die von leicht oben auf Schichos Figuren schauen. In seiner Arbeit geht es stets um Beobachtung, Kommunikation und Interaktion, die damit auch als gemalte Gesellschaftskritik lesbar wird. Großformatige Leinwände sind das Material, auf denen Schicho den permanenten Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, zwischen Intimität und Isolierung verhandelt. Formales und Inhaltliches kombiniert der Künstler durch die Verwendung zahlreicher Metaphern. Als Ergänzung zu Menschen malt Schicho beispielswei- Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen. se immer wieder Libellen – Insekten, die die Fähigkeit haben, in der Luft stehend zu beobachten. Ein weiteres Element sind kreisförmige Gebilde, die eine letztlich illusionäre Intimzone suggerieren. Stylianos Schicho studierte Malerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien und wird von der Luxemburger Galerie Clairefontaine und der Münchner Galerie Størpunkt vertreten. Fotos: Christian Hofer (S. 22), Peter Kainz.

Die Rückseite schmückt die Sicherheitsikone El Guachimán von Christian Diaz Orejarena. El Guachimán ist in einigen südamerikanischen Ländern eine umgangssprachliche Bezeichnung für Angestellte im Sektor der Sicherheitsdienstleistung. Abgeleitet vom US-amerikanischen Wort „Watching- Man“ benennt der Begriff einerseits im Alltag sichtbares Sicherheitspersonal in u.a. Gated-Communities, Banken oder Flughäfen. Andererseits bezeichnet er auch die bewaffnete Tätigkeit in informellen Zusammenhängen wie in Bürgerwehren oder paramilitärischen Gruppierungen. Die Zeichnung ist Teil einer Reihe von comichaften Fragmenten und Erzählungen, die auf einer Recherche über globale (Un)Sicherheitskulturen basiert. Ihren Anfang nahm diese Auseinandersetzung 2013 während der Anstellung des Künstlers beim Sicherheitsdienstleister G4S am Wiener Burgtheater. 2015/2016 führte Diaz Orejarena sie in Kolumbien fort, wo sich die Widersprüche zwischen der Corporate-Responsibility-Representation west - licher Security-Unternehmen und lokalen (Un)sicherheits - politiken besonders drastisch zeigen.