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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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96.940.977 €

Offener Brief zum erfolgreich verhandelten Budget für die Akademie der bildenden Künste Wien
*those who feel concerned*

Liebes Rektorat, liebe Lehrende, liebe Student_innen, liebe Kolleg_innen, liebe Alumni, liebe zukünftige Bewerber_innen,

wir nehmen das erfolgreich verhandelte Budget von 96.940.977 € für die Jahre 2019 bis 2021 zum Anlass, um aus allen prekären Winkeln der Akademie hervorzutreten und über Geld zu sprechen. Wir sind prekarisierte Student_innen und temporär Beschäftigte oder solidarisieren uns mit ihnen. Dass ausgerechnet unter der Türkis-Blauen Regierung eine Erhöhung des Budgets um 12 Millionen Euro (!) erwirkt werden konnte, drängt eine beunruhigende Frage auf: Wo und wie berührt eine queer-feministisch und postkolonial positionierte Ausbildungsstätte die politische Agenda von Türkis-Blau?

Im neuen Entwicklungsplan lesen wir, dass sich die Akademie um "bestmögliche Bedingungen zur Entwicklung und Erschließung der Künste und zur Forschung" bemüht. Wir unterstützen dieses Anliegen – doch: die bestmöglichen Bedingungen für wen? Denn dies ist der neuralgische Punkt, an dem Diskriminierung aufgrund von race, Klasse und/oder Geschlecht einsetzt. Let's face it: Die Akademie ist ein Ort, an dem sich eine Elite (re)produziert – einerlei wie kritisch diese ist. Wir möchten an alle Akademieangehörige appellieren, die eigene Stellung im aktuellen politischen Kurs auf struktureller Ebene zu klären. Wir müssen die Arbeits- und Produktionsbedingungen, unseren Umgang mit Geld und Anerkennung, sowie Zugangsbarrieren in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken. Wir müssen unsere Zukünfte neu imaginieren und die materiellen Ressourcen neu verteilen, wenn wir etwas verändern wollen. Als konkrete Handlungsfelder skizzieren wir drei:

1. An der Akademie stehen Lehre, Lectures und Ausstellungen auf der Tagesordnung, die sich in einem progressiv linken, postkolonialen und queer-feministischen Spektrum verorten. Ebenfalls tritt die Akademie mit dem Label der "Non-Binary University" gegen Außen. Diese einzigartige Profilbildung verleiht der Akademie eine hohe Anziehungskraft und öffentliche Wirksamkeit, die weit über das Kunstfeld hinausreicht. Auf struktureller Ebene fällt die Akademie jedoch weit hinter ihren Ansprüchen zurück. Um diesen Abstand aufzuholen, ist es erforderlich, der süßen Verzauberung durch emanzipatorische Gesten und Repräsentationen zu widerstehen und die Öffnung nicht auf Einzelne zu beschränken, damit die Bestrebung nicht zu einem bloßen Tokenism verkommt.Wir fordern, dass der kritische Impetus, den wir nicht missen wollen, in der Umgestaltung von Strukturen und institutionellen Praxen, ja des ganzen Produktionsapparats von Kunst, wirksam wird.

2. Wir beobachten besorgt, dass gewisse Arbeiten ausgelagert werden, was die Arbeitsbedingungen der empfindlichsten Arbeitnehmer_innen, der Reinigungskräfte, Portier_innen und Cater_innen, verschlechtert. Der Mittelbau ist das zweite Sorgenkind: Die ohnehin wenigen Arbeitsstellen als Senior Artists und Senior Lecturers sind befristet und zum Teil massiv unterbezahlt, und junge Künstler_innen und Theoretiker_innen werden temporär als Lehrbeauftragte eingesetzt, je nach Auftragslage, ohne dass sich ihnen eine Chance auf eine Festanstellung bieten dürfte. Dies schafft eine flatternde Belegschaft, die doch immer zur Stelle ist, weil sie durch eine spekulative Hoffnung auf eine bessere Zukunft gefügig gemacht wird.Wir fordern die Entfristung sämtlicher Verträge und das Schaffen von attraktiven Stellen im Mittelbau, die Künstler_innen und Wissenschaftler_innen das gute Leben in der Gegenwart ermöglichen und Perspektiven für die Zukunft schaffen.

3. Wenn wir gratis oder für (zu) wenig Geld arbeiten, prekarisieren wir nicht nur uns selbst, sondern unterwerfen uns einer Struktur des Ausschlusses, die für jene, die die Ressourcen nicht haben, Kunst- und Kulturproduktion (nahezu) unmöglich macht. Wir fordern daher, dass künstlerische Arbeit angemessen bezahlt wird. Dies soll auch in den internen Bestimmungen der Projektförderungen und Stipendien verankert werden. Darüber hinaus fordern wir, dass Wissen betreffend Selbstständigkeit und sozialer Sicherheit an der Akademie vermittelt wird.

Wir freuen uns, dass das ausgehandelte Budget der Akademie nun umso mehr die Möglichkeit gibt, sich stark zu positionieren und für eine bessere Zukunft für alle einzutreten.

With love and care,

Those Who Feel Concerned

#96Millionen

#96Millionen