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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Flogging a dead horse?

Editorial

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde das Konzept der künstlerischen Forschung bereits 2015 für tot erklärt. Inhaltlich schwammig, hätte der Versuch, Kunst und Wissenschaft auch im Geschacher um Fördergelder einander näher zu bringen, nicht gefruchtet. Galerien, Kunstmessen, Museen, nirgendwo sei künstlerische Forschung wirklich angekommen, sie wurde „vom Radar des Kunstsystems nie erfasst“. Die mangelnde Anerkennung wurde dann, so FAZ-Autor Daniel Hornuff, mit einem Metadiskurs kompensiert, der „die raunenden Phrasen der forschenden Kunst als unumgängliche Koalition von Theorie und Praxis verkaufte“.

Zumindest die regen Tätigkeiten in Sachen arts based research an den hiesigen Kunstuniversitäten lassen diese Analyse allerdings fraglich erscheinen. Dass da Dinge jenseits offizieller Rasterung geschehen, muss durchaus nicht als vernichtendes Urteil begriffen werden und gegen Metadiskurse ist ja auch nicht unbedingt etwas einzuwenden. Und wenn die Auffassung von Kunst als Sache von Talent und Genie mit dem Forschungsverdikt einen weiteren Knacks bekommt, ist das aus emanzipatorischer Sicht ebenfalls zu begrüßen.

Zu diskutieren bleibt allerdings, inwieweit der Bedeutungszuwachs der Kunstforschung – nicht nur, aber auch – dem zunehmenden Druck geschuldet ist, der hinsichtlich der Verwertbarkeit von Kunstpraktiken aufgebaut wird. Künstlerische Forschung erscheint dann als Trojanisches Pferd einer neoliberalen Umstrukturierung des akademischen Feldes. „Ergebnisorientierung“ der Kultur heißt das im Regierungsprogramm der neuen rechts-ultrarechten Koalition in Österreich. Ergebnis- und Effizienzchecks, Messbarkeit und Zweckgerichtetheit ziehen so wieder in die Kunstpraxis ein, aus der sie so lange herausgekämpft worden waren.

Aber auch dieser Befund ist sicherlich nicht die ganze Wahrheit. Auch wenn es sich in den Publikationen zum Thema kaum widerspiegelt, sind doch viele konkrete künstlerische Forschungsprojekte an gesellschaftspolitischen Fragestellungen ausgerichtet und hinterfragen die Normativität des Sozialen. Ist die künstlerische Forschung also noch zu retten oder überhaupt das Gebot der Stunde?

Diese Ausgabe des Bildpunkt widmet sich wieder stärker künstlerischer Praxis, ohne selbstverständlich theoretische Positionierungen und soziale Bewegungen aus dem Blick zu verlieren. Und diskutiert die Potenziale eines Paradigmas.

Jens Kastner, koordinierender Redakteur