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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Die Bildstrecke stammt von Zsuzsi Flohr, die derzeit an ihrem Doktorat innerhalb des PhD-in-Practice Programms der Akademie der bildenden Künste in Wien arbeitet. Ihr Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Dynamiken des Übergangs, des Transfers und des Transferiert-Werdens aus verschiedenen Perspektiven, beginnend bei ihren eigenen Erfahrungen der Übersiedelung von Budapest nach Wien. Indem Flohr andere Formen der Re- und Dislokation wie z.B. Emigration, Deportation, Diaspora und Exil untersucht, stellt ihre Forschung das Konzept einer „geteilten Politik der Erinnerung” in den Mittelpunkt: Parallelen von Trauma-Narrativen verschiedener Nationalitäten, Geschichten und Generationen. Die Möglichkeit von Diskurs- und Wissenstransfers untersucht sie zugleich auch in ihren Projekten, die von der Shoah erzählen. Flohrs künstlerische und wissenschaftliche Praxis, aus der sie hier ausschnittsweise Material zeigt, beschäftigt sich mit der „Dritten Generation nach dem Holocaust“, mit dem Fokus auf persönliche Erzählungen, Erinnerung, transgenerationales Trauma, die sie aus einer persönlichen, geschlechtersensiblen Perspektive adressiert.

Peacock Flower, zu Deutsch Pfauenblume, heißt die Arbeit von Mariel Rodríguez, die wir auf dem Backcover sehen. Sie ist Teil von Flowers of Evil, eines größeren künstlerischen Forschungsprojekts, das sich mit dem Zusammenspiel von Naturgeschichte und Kolonialismus beschäftigt. Im Rahmen ihres Forschungsprojekts ist Rodríguez den Geschichten verschiedener Pflanzen, wie z.B. Coca, Gummi und Mais aus genau dieser Perspektive nachgegangen. Peacock Flower setzt sich konkret aus einer Fotografie einer Pro-Choice Demonstration 1967 in Großbritannien und der Zeichnung einer Pfauenblume zusammen, die einer Arbeit von Maria Sibylla Merian entnommen ist – einer Schweizer Naturalistin, Insektenforscherin und botanischen Zeichnerin, die 1699 nach Surinam reiste, um Insekten zu studieren. Sie dokumentierte ihre Beobachtungen in detaillierten, außerordentlich schönen Zeichnungen. In ihrem Buch Metamorphosis Insectorum Surinamensium (1705) beschreibt Sibylla auch die Verwendung der Pfauenblume als Abtreibungsmittel durch indigene Frauen. Sie würden, wie Sibylla schreibt, es verwenden, um ihren Nachkommen das Leiden der Sklaverei zu ersparen. http://marielrodriguez.net/

Im Rahmen des Kurses memory & typography haben Toledo i Dertschei mit Teilnehmer_innen der Summer School as School 2017 des Stacion – Center for Contemporary Art in Pristina Denkmäler visuell untersucht. Dabei ging es um die Frage, welchen Einfluss die Wahl von Schrift auf einem Denkmal hat. Im Hintergrund des Posters ist die Arbeitssituation im Kursraum zu sehen. Die darüberliegenden Bilder dokumentieren die Interventionen der Teilnehmer_innen: Denis Ćupić, Designer aus Podgorica, und Fiona Mino, Künstlerin aus Tirana, forderten in ihrer temporären Installation die Aufmerksamkeit für ein Denkmal von 1961, das dem antifaschistischen Kampf der Partisanen im 2. Weltkrieg gedenkt. Enesa Xeladi, Architektin aus Prizen, reklamiert in einer Performance die Datierung desselben Monuments. Arba Bekteshi, Antropologin aus Tirana, übermalte Fotos dieser Denkmälern mit schwarzem Marker und untersuchte so, ob der politischen Aufladung damit etwas entgegengehalten werden kann. Katalina Mihuta, Performancekünstlerin aus Bukarest und Rosa Johanna, Malerin aus Amsterdam, fassten alle Interventionen des Kurses in einem Fanzine zusammen.