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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Mayday Paraden 2018 in Linz und Wien

Julia Tirler

Seit Anfang der 2000er Jahre finden in (west-)europäischen Großstädten am 1. Mai alternativ zu den traditionellen sozialdemokratischen Demonstrationen alternative Aktionen und Paraden unter dem Überbegriff Mayday statt. Der Tag und die Bezeichnung Mayday, die auch als Notruf gelesen werden kann, sind bewusst gewählt: Es geht um ein Verschieben der Aufmerksamkeit von Arbeit hin zu Prekarität, womit eine generelle Verunsicherung gemeint ist, die zwar oft von unsicheren, also prekären Arbeitsbedingungen ausgeht, tendenziell aber alle Lebensbereiche erfasst. In Wien wurde 2005 die erste Mayday Parade organisiert, in Linz gibt es seit 2010 Mayday Paraden. Die prekären Verhältnisse, die die Paraden aufzeigen wollen und gegen die am Mayday protestiert wird, sind vielfältig und betreffen viele auf unterschiedliche Weise.

Vor dem Hintergrund einer neoliberalen, rechtsextremen, rassistischen und anti-feministischen Regierung, die ein binäres Geschlechtersystem einzementieren will und deren regionales Vorbild in Oberösterreich Fördermittel für progressive, feministische Vereine wie maiz, Fiftitu% und ARGE SIE [1] streicht, wird am 1. Mai in Wien und Linz gegen die Vorhaben dieser Regierung, die Rechte von Mieter_innen auszuhölen ebenso protestiert wie gegen die Pläne zur Verlängerung der Arbeitszeit und zur Streichung von Geldern für erwerbsarbeitslose Menschen. Eine Forderung lautet, die Armut zu bekämpfen und nicht arme Menschen. Weitere Themen, die die Mayday Paraden 2018 sichtbar machen wollen, gehen von Streiks im Sozialbereich, Carearbeit und unbezahltem Arbeiten über Erwerbsarbeitslosigkeit, Nicht- Arbeiten-Dürfen und nicht existenzsichernder Bezahlung bis zur Forderung eines weltweiten, bedingungslosen Grundeinkommens und von sozialer Absicherung für alle. Die Selbstbestimmungsrechte von Menschen, die be_hindert werden und das Recht, über den eigenen Körper zu verfügen, egal ob es um Abtreibung oder Sexarbeit geht, spielen ebenso eine Rolle wie steigende Mieten, fehlende Räume und die Forderung von Systemwandel statt Klimawandel. Die Mayday Paraden 2018 stehen für Widerstand gegen Bildungs- und Zugangsbeschränkungen, gegen Überwachung, gegen den autoritären Staat, Militarisierung, Waffenexporte, gegen aktuelle Grenzpolitiken sowie die Festung Europa und für das Menschenrecht auf Asyl.

Um in der und gegen die Prekarisierung widerständig sein zu können, gilt es, sich zu verbinden, solidarisch gegen Ausgrenzung aufzutreten und der Vereinzelung Kooperation entgegenzustellen. Bei einem der Vorbereitungstreffen der Organisationsgruppe in Wien fällt dazu auch der Satz „Das Prekariat hat keine Identität“. Und so wird es am 1. Mai 2018 auf den Straßen wieder laut sein und heißen: „Gemeinsam gegen Kapitalismus, Patriarchat – für eine emanzipatorische Gesellschaft frei von Unterdrückung – für ein Gutes Leben für alle.“

Julia Tirler arbeitet als Kulturwissenschaftlerin und Autorin in Wien und setzt sich seit langem theoretisch und praktisch mit (prekären) Arbeitsverhältnissen und deren visueller Repräsentation auseinander.

Mayday Paraden 2018! Linz, Treffpunkt und Picknick: 1. Mai, 11h, Schillerpark, www.maydaylinz.at. Wien: 1. Mai, 12h, Praterstern, www.mayday.jetzt

[1] frauenlandretten.at, kulturlandretten.at