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One of these days the people will get organi-zized

Drehli Robnik

Die New Yorker Wahlkampfmanagerin des populistischen Präsidentschaftskandidaten Palantine geht mit einem Taxler auf einen Kaffee. Sie erzählt von „organizational problems“ mit ihren Wahlhelfer*innen. Er antwortet, er kenne das: „I gotta get organized. I should get one of those signs that says ,One of these days I’m gonna get organi-zized‘.“ Er erklärt ihr umständlich das Wortspiel organi-zized, und sie meint, das sei wie „those signs in offices that say ,Thimk!‘.“ Die Szene ist aus Taxi Driver von 1976. Der deutschen Synchro des Films machten die Büro-Wortwitze Probleme. Da will Robert De Niro „so ’ne Plakette tragen, auf der steht ,Ich bin organseziert‘.“ Darauf Cybill Shepherd: „Oh, Sie meinen, Sie lieben Ihre Organe. Das ist so wie auf manchen Schildern steht ,Erst denken, dann sprechen!‘.“

Daraus lernen wir: Organisation heißt organizational problems. Zumal beim Übersetzen von Sprach- und Wortspielen der Organisation. Und: Wie beim Büro-Imperativ „Thimk!“ (oder beim 1970er PR-Slogan zum Film Westworld: „Where nothing can go worng“) lauern performative Selbstwidersprüche. (Übrigens: Das organi-zized tauchte später samt anderer Taxi Driver-Zitate markant im Selbstjustiz-Irrsinns-Reggae „Red Angels Dragnet“ von The Clash auf.) Taxi Driver ist ein kritischer Film, der fragt, ob der Ekel der Titelfigur vor der multikulturellen Stadt Polemik bleibt, Psychose wird oder Politik antreibt. Und er ist voller Wortspiele. Ein anderer Wahlkampfmanager Palantines streitet mit einer Druckerei: Man habe Poster mit „We Are the People“ bestellt, aber „We Are the People“ bekommen; das sei ein Unterschied. Ist ein Unterschied zu hören in den Slogans der DDR-Bürgerrechtsbewegung 1989 und heutiger Pegida-Demos, die beide „Wir sind das Volk“ lauten? Slogans und Namen sind zentral beim Organisieren politischer Kollektivsubjekte: Das sagt Hegemonietheoriepapst Ernesto Laclau, wenn er meint, ein politisches Volk konstruiere sich durch einen geteilten demand; und das sagt, weiter rechts, auch Populist Palantine in Taxi Driver, wenn er – performativ selbstwidersprüchlich – verkündet: „Let the people rule!“ und „The people are rising to the demands I have made on them.“

The people are rising. Puh. Slogans setzen über, von links nach rechts, von egalitär zu autoritär und retour. Palantine redet dem Taxler nach dem Mund, verspricht ihm „radical changes“; Change war vor zehn Jahren Obamas Wahlkampfslogan. In Taxi Driver kommen Slogans zusammen, nämlich ins Bild, auf Schildern in der Taxler-Wohnung: „I’m gonna get organi- zized“ und „We Are the People“. Und De Niros Law & Order-Monolog fordert change: Ab jetzt „Total organization! Every muscle must be tight!“ Radikalismuspapst Slavoj Zˇ iˇzek stellt nicht nur dem Köper ohne Organe des Deleuzovitalismus eine Organisation ohne Körper gegenüber; er fordert auch, die Linke solle sich Disziplin, auch Muskeln, als Werte von der Rechten zurückholen. Mehr als Muskeldisziplin (die gar so dringend niemand braucht) liegt der Linken das selbstbezogene Organsezieren: das Zitieren/Ziselieren mit Wortspielen und alten Organisationsnamen; siehe die neuen Wiener/Ösi Filmbzw. Musik-Politisierungs-Organisationen #KlappeAuf und TeilDesLinkenMusiker*innenratNetzwerks. Guter Rat ist da, demands auch, jetzt fehlt nur noch Volk.

Drehli Robnik ist Theoretiker zu Film & Politik, Autor von Büchern zu Rancière, Kontrollhorrorkino und Kracauers DemoKRACy.



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