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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Vorerst ausgesetzt, es wird evaluiert ...

Last Minute Überraschung: Mentoringprogramm des BKA für Künstlerinnen 2018 abgesagt!

Sheri Avraham und Esra Özmen

„Weibliche Kunstschaffende sind nach der Studie zur sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler in Österreich nach wie vor in vielen Bereichen benachteiligt. Deshalb führt die Sektion II des Bundeskanzleramtes seit dem Jahr 2011 ein Künstlerinnen- Mentoring-Programm durch – ein Fachmentoring von Frauen für Frauen, von Künstlerinnen für Künstlerinnen.“ Auch wenn wir es schaffen, den Begriff „weiblich“ als FLIT-Frauen zu lesen: Ein Fachmentoring von Frauen für Frauen, auch wenn es ein langsamer Prozess ist, ist ein wichtiges Entgegenwirken, um den Gap zu reduzieren. Beim mittleren persönlichen Gesamteinkommen zeigte sich in der erwähnten Studie ein Gender Pay Gap von 31%, beim Medianeinkommen aus der künstlerischen Tätigkeit gar eine Differenz von 35,4%. Künstlerinnen verfügen außerdem seltener über längerfristige, stabile Kooperationsstrukturen mit Vermarkter_innen wie z.B. Galerien, Verlage, Agenturen (13,2% der Künstlerinnen gegenüber 18,8% der Künstler). Auch eigene Arbeitsräume haben sie seltener als ihre Kollegen (72,2% vs. 80,7%). Künstlerinnen sind deutlich öfter einem hohen Belastungsniveau ausgesetzt als ihre Kollegen (31,4% vs. 20,3%). All das liegt nicht am Ausbildungsniveau von Künstlerinnen, sondern an den etablierten geschlossenen Netzwerken, die nach wie vor von weißen Mittelklasse-Männern dominiert werden. Das Ausbildungsniveau ist generell überdurchschnittlich hoch, jenes von Künstlerinnen noch höher.

Gemeinsam für Frauenförderung, gegen ungleiche Bedingungen

Evaluierung ist immer gut, doch die Adaption und Verbesserung des Programms könnte anderes laufen. Die Mentorinnen und Mentees, die schon ins Programm aufgenommen waren, wurden ein paar Tage vor Beginn plötzlich informiert, „dass 2018 aufgrund von Umstrukturierungen das Mentoring-Programm nicht angeboten werden kann“. Eine Evaluierungsphase könnte auch parallel zum Programm laufen, wie es schon der Fall war. Es gab eine Umfrage vom BKA, die Beurteilungen des Programms waren sehr positiv. Das BKA argumentierte, dass das Programm teilweise nicht gut gelaufen sei, doch dies scheint fragwürdig. Warum? Da es wenig Anmeldungen gab? 14 Mentees im letzten Jahr sind in keinem Fall wenige, und die Frage sollte anders lauten: Ist das BKA bereit, mehr Mentees und Mentorinnen zu fördern? Welcher Zeitrahmen kommt für die neuerliche „Evaluierungsphase“ eigentlich in Frage? Wir als IG Bildende Kunst und IG Kultur Wien wollen, dass diese Unterbrechung des Mentoring-Programms keinesfalls zur Abschaffung führt. Als Interessenvertretungen ist uns wichtig zu betonen: Wir plädieren unbedingt für die Fortsetzung – und auch einen Ausbau – von Förderungen zum Abbau von Geschlechterdifferenzen. Wir haben uns ans BKA gewandt und im persönlichen Gespräch mit Abteilungsleiterinnen sofort ein offenes Ohr gefunden. Dennoch ist klar: Für eine Fortsetzung des Mentoring-Programms müssen wir uns alle gemeinsam und weiterhin einsetzen – als Künstler_innen, IGs, Mentorinnen, Mentees und als engagierte BKA-Mitarbeiter_innen.

Sheri Avraham ist Künstlerin und Theatermacherin, seit Jänner 2018 Vorstandsmitglied der IG Bildende Kunst. Esra Özmen ist Musikerin und Künstlerin, seit 2016 stv. Obfrau der IG Kultur Wien.