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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Winter 2018

pay the artist now!


Im künstlerischen Feld ist der Hinweis auf symbolische Gewinne gang und gäbe: Die Ausstellung oder der Auftritt bringe genug Ruhm und Reputation, wozu da noch bezahlen?! Geld mit Kunst zu verdienen galt bis zu Andy Warhol ohnehin als anrüchig, als Gütekriterium gilt der Marktwert auch heute nicht unbedingt. Aber von symbolischem Kapital allein lässt sich nicht leben, seine Konvertierbarkeit ist begrenzt. Deshalb braucht es neben kultureller Anerkennung auch finanzielle Entlohnung: „Kunst ist Arbeit. Und gehört bezahlt!“ heißt es daher in der aktuellen Kampagne der IG BILDENDE KUNST. Diese Forderung steht in einer langen Tradition emanzipatorischer Kämpfe, die weit über das Kunstfeld selbst hinausgehen und etwa um die Bezahlung der Haus- und anderer reproduktiver Arbeiten geführt wurden (und werden). „Unter der Devise ‚pay the artist now!‘ tritt die IG BILDENDE KUNST für eine angemessene Bezahlung künstlerischer Arbeit ein.“ Wie die aussehen könnte und in welchem Kontext diese Forderung steht, welche Modelle und was für mögliche Einwände es gibt, wie theoretisch und aktivistisch damit umzugehen ist, diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt.

 

 

Heft Sommer 2018

Krise und Konflikt


Die Welt scheint aus den Fugen. Die liberale Demokratie ist in der Krise, der Kapitalismus schlittert von einer zur nächsten, Krisenratgeber füllen die Buchhandlungen, gefährliche Eskalationen und Wendepunkte überall. Der arabische Frühling und die Platzbesetzungen der Jahre 2011ff. werden mit einer globalen Konterrevolution beantwortet. Die ultrarechten Bewegungen und Parteien in West- und Osteuropa und in den USA untergraben die etablierten Institutionen und das emanzipatorische Erbe.
Bloß die Krise des Kunstmarktes, meldete das Handelsblatt im Frühjahr 2018, dauerte nur kurz: „Das Millionenspiel geht weiter.“ Aber klar ist auch, dass die Kunstmärkte nur ein kleines Segment des künstlerischen Feldes sind und ohnehin „weder in Phasen rasanten Aufschwungs noch in Krisenzeiten ein echtes ökonomisches Eigenleben führen.“
Die multiplen Krisen sind Übergangserscheinungen, Zwischenräume, Kämpfe mit offenen Ausgängen. Die Krise ist nie bloß Niedergang und Verfall. Sie eröffnet auch Möglichkeiten. Nur welche? Und sind die Akteur*innen des Kunstfeldes wirklich die Krisengewinnler*innen, oder sind wir, die Schöpfer*innen der sozialen Welt doch, wie der Politikwissenschaftler John Holloway meint, die Krise des Kapitals? Zur Rolle der Kultur in den Netzwerken der währungs-, geo- und ökologisch-soziopolitischen Krise diagnostiziert diese Ausgabe des Bildpunkt.

 

 

Heft Mai 2018

Aus dem utopischen Halbdunkel


„Die Probleme der Organisation“, schrieb Georg Lukács 1922, „gehören zu den Fragen, die theoretisch am allerwenigsten durchgearbeitet sind.“ Ging es hier noch eindeutig um das Proletariat und die Partei, stellen sich Organisierungsfragen heute zugleich allgemeiner und spezifischer. Zudem sind Subjekt und Objekt unbestimmt: Wer braucht überhaupt Organisation – die Zivilgesellschaft oder die postsozialdemokratische Linke, das alternative Milieu, das Prekariat oder die Subalternen? Und welche – Netzwerk, Mosaik, Schwarm, oder doch Partei? Auch stellen sich Fragen der Organisierung im Kunstfeld strukturell anders als im politischen Feld. Nicht zuletzt angesichts des Regierungswechsels in Österreich und des Vormarsches ultrarechter Bewegungen und Parteien in ganz Europa stellt sich die Frage linker Organisierung neu. Während mit dem Aufbruch in Österreich der langen Reihe linker Organisierungsversuche ein weiterer hinzugefügt wurde, hat auch die Geschichte des künstlerischen Feld einige Zusammenrottungen um Programme, Mitglieder und Statuten zu bieten. Vor dem Hintergrund dieser historischen Differenzen und gegenwärtiger Entwicklungen stellt der Bildpunkt die Organisationsfrage(n), um sie nicht länger im „utopischen Halbdunkel“ zu belassen, wo Lukács sie noch sah.

Heft März 2018

Kunst, Forschung, Politik


Kunst erzeugt Erkenntnis. Eine Ahnung davon gibt es zwar (in etwa) schon seit Heraklit, doch die Rede von "künstlerischer Forschung" ist erst im vergangenen Jahrzehnt in die Feuilletons und in die Lehrpläne gesickert. Sie wirkte als Herausforderung für die konventionelle Wissenschaftspraxis, weil sie "performative, mediale, soziale aber auch ökonomische Einflüsse reflektiert" (Elke Bippus). Allerdings: Kaum war das Spezifische, das Kunst zur Forschung beizutragen hat, anerkannt und etabliert, gilt die künstlerische Forschung schon wieder als verwerflich: Als ein Label, das künstlerische Produktion quantifiziert und evaluierbar macht, kurz: das die Ökonomisierung nicht nur reflektiert, sondern selbst betreibt. Ist also eine emanzipatorische künstlerische Forschung in der Bologna-Universität überhaupt noch denkbar? Und wenn ja, wie sähe sie aus? Diese Ausgabe des Bildpunkt greift also die Debatten der letzten Jahre auf und forscht nach den Potenzialen und Verwerfungen künstlerischen Forschens.