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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Das Mittelposter, diesmal von Louise Hervé und Chloé Maillet gestaltet, ist Teil eines größeren Projekts der beiden Pariserinnen, das sich mit den Ritualen der SaintSimonianer*innen beschäftigt. Die Saint-Simonianer*innen waren eine in Frankreich im 19. Jahrhundert gegründete Gruppe, die eine frühe Form des Sozialismus entwickelte, der sich durch Zusammenarbeit und radikale Gleichberechtigung auszeichnete. Sie lebten in einer Gemeinschaft, in der Lieder und Tänze ihre Aktivitäten begleiteten und alle Alltagshandlungen geteilt wurden. Dies zeigte sich sogar in ihrer Kleidung – sie trugen ein am Rücken geknöpftes Hemd und benötigten so schon beim Anziehen eine helfende Hand. Hervé und Maillet arbeiten seit 2000 zusammen – in den Medien Performance, Film und Publikation. Sie hybridisieren Codes und vermengen hierarchiefrei Gelehrsamkeit, Populärkultur und Klatsch, von Arnold Schwarzenegger bis Stanley Kubrick, vom Paläolithikum bis zum außerirdischem Schleim.

Unter dem Titel Site for Unlearning (Art Organization) gestalten Annette Krauss und das Team von Casco Art Institute: Working for the Commons (Utrecht) diesmal das Backcover. Das dort sichtbare Inhaltsverzeichnis verweist auf eine Serie von „Übungen des Verlernens“, die von ihnen als Referenzwerk und Dokumentation (in Form einer Installation) dessen gedacht ist, wie man den Herausforderungen des Verlernens von institutionellen Gewohnheiten gewahr werden und gleichzeitig eine auf Commons basierende Arbeitspraxis entwickeln kann. Diese – wie sie betonen, stets weiterzuentwickelnden – Übungen sollen des Weiteren im Dezember 2017 in einem Buch veröffentlicht werden, in dem auch Gespräche über kollektive Arbeits- und Organisationsweisen (sogenannte „Toilet (T)issues“) zu finden sind, die in Zusammenarbeit mit dem Kunci Culture Studies Center (Yogyakarta), der Cooperatíva Crater Invertido (Mexico City) und The Showroom (London) entstanden sind – sowie ein Beitrag der Wissenschaftlerin Andrea Phillips beinhalten, der das gemeinschaftliche Bemühen des Verlernens in Zusammenhang mit der Leistungsorientierung der globalen Wissensökonomie setzt.

Die Bildstrecke stammt aus dem semidokumentarischen Comic Homestories, den die Journalistin Vina Yun im Rahmen des Stipendiums kültür gemma! und in Zusammenarbeit mit den Comic-Künstlerinnen Tine Fetz (Berlin), Patu (Berlin), Moshtari Hilal (Hamburg) und Sunanda Mesquita (Wien) entwickelt hat. Homestories erzählt ein Stück wenig bekannte Migrationsgeschichte aus dem Wien der 1970er Jahre, als die ersten koreanischen Krankenschwestern als angeworbene „Gastarbeiterinnen“ nach Österreich kamen – lange vor Hi-Tech made in Korea, Kimchi-Hype und „Gangnam Style“. Homestories dreht sich außerdem um das Aufwachsen der Kinder der Einwanderinnen, der sogenannten Zweiten Generation – zwischen Bruno Kreisky und „Rennbahn-Express“, Acid House und Waldheim-Affäre, Alltagsrassismus und Whitney Houston. Zu ihnen zählte auch Vina Yun selbst, die neben ihren eigenen Erfahrungen auch die Erinnerungen anderer Ilsae und Isae hat einfließen lassen.

Weitere Infos & Bestellmöglichkeit: fb.com/homestoriesvienna, homestoriesvienna(at)gmail.com