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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Antifa heißt Verteidigung.

Editorial

Droht ein neuer Faschismus? Der Aufstieg der rechtspopulistischen Parteien lässt diese Frage leider nicht mehr so abwegig erscheinen, wie sie einem in Westeuropa und Nordamerika vor nicht allzu langer Zeit noch hatte vorkommen müssen. Auch im Kunstfeld wird die Frage nach A New Fascism? aufgeworfen, wie etwa beim gleichnamigen Symposium in Kassel im Dezember 2016. Wie ist eine Gesellschaftsformation zu nennen, in der die forcierten Privatisierungs- und Deregulierungspolitiken mit völkischen Vorstellungen von Gemeinsamkeit gepaart werden? Und wie genau ist sie beschaffen? Wie wird der nationalistische Konsens erzeugt, auf den jeder Rechtspopulismus gründet?

Sicherlich hat Didier Eribon Recht mit seiner Feststellung, dass die Sozialdemokratie das Wort Arbeiterklasse aus ihrem Wortschatz verbannt und diejenigen systematisch vernachlässigt hat, die sie früher unter dieser Kollektivbezeichnung zu repräsentieren beansprucht hat. Aber der Aufstieg des Rechtspopulismus ist neben den enttäuschten ArbeiterInnen auch und vor allem der so genannten abstiegsbedrohten Mittelschicht zu verdanken. Die eigenen Ängste mit Ressentiments gegen und Hass auf andere anzugehen, ist allerdings weniger Effekt ökonomischer Kurzzeitentwicklungen als vielmehr Ausdruck lang gepflegter Dispositionen – und nicht zuletzt auch eine Entscheidung. Eine emanzipatorische Haltung kann daher nur gegen die herrschende Verständnisformel vom Ernstnehmen blablabla gerichtet sein: Die Ängste der Bevölkerung müssen nicht ernst genommen, sondern bekämpft werden.

Wie dieser Kampf zu führen ist, insbesondere auch aus dem Kunstfeld heraus, ist selbstverständlich abhängig davon, wie die Lage eingeschätzt wird. Jede politische Strategie beruht auf einem zeitdiagnostischen Befund. „Fite Dem Back“, die alarmistische Parole von der Notwendigkeit des Zurückdrängens, erscheint zunächst selbstverständlich plausibel angesichts der demokratischen Errungenschaften, die auf dem Spiel stehen. Die Formel geht auf den gleichnamigen Song des Reggae-Poeten Linton Kwesi Johnson zurück, getextet angesichts faschistischer Angriffe auf Schwarze in Großbritannien im Jahr von Thatchers Wahlsieg 1979. Achtet man allerdings auf den Songtext, büßt die Parole ihre Ratgeberfunktion sehr, sehr schnell ein („we gonna smash their brains in/ cause they ain’t got nofink in `em“). Gegen die Hälfte der Bevölkerung, die bereit ist, Leuten wie Trump, Hofer und Le Pen ihre Stimme zu geben, brauchen wir – wie überhaupt! – definitiv andere Mittel.

Das bekannte Logo der Antifaschistischen Aktion, zwei nach rechts wehende Fahnen – eine rot, die andere schwarz – in einem Kreis, steht für zivilgesellschaftliche Entschlossenheit ebenso wie für Dogmatismus und Spaltungen. Das Abzeichen geht auf den Entwurf zweier Grafiker zurück: Max Keilson und Max Gebhard entwickelten das Symbol 1932 (damals noch mit zwei roten Fahnen SozialistInnen und KommunistInnen repräsentierend). Beide waren Mitglieder des kommunistischen Bund revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (BRBKD). Lässt sich mit früheren Antifa-Konzepten auch gegen den Rechtspopulismus noch arbeiten? Über Strategie und Taktik neuer Antifaschismen und die Rolle der Kunst in ihnen diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt.


Jens Kastner, koordinierender Redakteur