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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Auf dem Backcover des Bildpunkt ist erstmals eine „bezahlte Anzeige“ zu sehen, geschaltet von der Burschenschaft Hysteria. Hysteria, die älteste und traditionsreichste Verbindung Österreichs, setzt sich konsequent für starke, ideelle Werte, Unterdrückung Andersdenkender und aktiven Vaterlandsverrat ein und formuliert in ihrem Forderungskatalog u.a. die Notwendigkeit einer Durchsetzung von 50.000 Euro für das Ableisten einer Geburt, die Einschränkung des Wahlrechts für Männer auf Bezirksebene, kostengünstige Abtreibungen bis maximal 20 Euro in Privatordinationen, eine 80%ige Frauen- und Transgenderquote in öffentlichen Ämtern und den Schleierzwang für Männer in der Öffentlichkeit. Ein Auszug aus ihrem Leitbild lautet wie folgt: „Die Sphäre des Mannes ist die des Privaten. Sein Schutz ist unsere Pflicht. Wir glauben entgegen den grassierenden Gleichberechtigungswahn, dass die Sphäre des aktiv öffentlich Politischen der Frau vorbehalten ist. Das unkontrollierte, emotionale Wesen des Mannes hingegen bedarf der bedächtigen Obhut der Frau.“

Das von der finnischen Künstlerin Minna Henriksson gestaltete Mittelposter zeigt einen Linolschnitt, dessen manifesthafter Text sich mit Handlungsmöglichkeiten in Zeiten des Aufstiegs der Rechten und mit dem Umgang mit der verdrehten Logik neofaschistischer Rhetorik beschäftigt: Wie kann der Beschlagnahmung von Frieden und Feminismus entgegengetreten werden? Minna Henriksson hat bildende Kunst in Brighton, Helsinki und Malmö studiert, arbeitet häufig in kollektiven Zusammenhängen und unter Bezugnahme auf antirassistische, linke und feministische Kämpfe. Sie ist Mitglied der Gruppe Helsingin Nuorisofestivaali 1962 – Muistityöryhmä und Co-Herausgeberin des Buchs Art Workers. Material Conditions and Labour Struggles in Contemporary Art Practice. Ihr hier abgebildeter Linolschnitt basiert auf Diskussionen, die im Rahmen eines gemeinsam mit Enna Gerin geleiteten Workshops auf dem No Play Feminist Training Camp in Berlin geführt wurden.

Die Bildstrecke stammt diesmal vom Queer Beograd Collective, einem queeren, antifaschistischen Kollektiv, das zwischen 2005 und 2011 in Serbien fünf Queer Festivals organisierte, Publikationen herausgab und als Queer Beograd Border Fuckers Cabaret durch Serbien und andere europäische Länder tourte. Das Grundanliegen des Queer Beograd Collective war es, in ihre Arbeit alle Aspekte eines gesellschaftlich unterdrückenden Systems miteinzudenken: Keine „single issue“-Politik, sondern eine Politik des Vernetzens, eine, die dem „militaristischen nationalistischen Staat, der Macht der orthodoxen Kirchen und des Kapitalismus, der eine sexistische, rassistische und homophobe Gesellschaft“ anstrebt, entgegenwirkt. Auf ihrer Website findet man u.a. ihr letztes Buch The Queer Beograd Script Book, eine Kompilation der Performances und Texte des Border Fuckers Cabaret (design by Ola Podgorska, photos by Biljana Rakojevic).