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Die IG BILDENDE KUNST ist eine Interessenvertretung der bildenden Künstler_innen in Österreich. Wir initiieren kulturpolitische Debatten und intervenieren in Entscheidungsprozesse, die Auswirkungen auf Arbeit und Leben bildender Künstler_innen haben. Unsere Aktionsfelder sind Kunst, Politik, Service und Zeitung. Wir fordern: Freiheit der Kunst! Recht auf soziale Rechte! Bleiberecht für alle! Gleiche Rechte für alle!

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Heft Herbst 2017

Gemeinsamkeiten

Die Zeit der Differenzpolitiken scheint passé. Spätestens seit den 99 Prozent der Occupy-Bewegung, gerät das Gemeinsame wieder in aller Munde: Von Antonio Negri und Michael Hardt über Judith Butler bis zu Guy Standing und Silvia Federici, beziehen sich radikale linke Theoretiker_innen positiv auf Commons. Aber gibt es sie wirklich und wenn ja, wie sind sie zu finden? Was ist aus den guten alten Antagonismen geworden und welche Rolle spielen noch Intersektionen und Klassenspaltung? Ist das Gemeinsame ein guter Ausgangspunkt für kulturelle Kämpfe oder sollten sie nicht doch an den sozial konstruierten Unterschieden beginnen? Die Debatte um Commons betrifft schließlich fast alles und weit mehr als nichts: Freihandelsverträge und Urheber_innenrecht, Grundeinkommen und den öffentlichen Raum. Hier eine kulturtheoretische Perspektive anzulegen, die von aktivistischen und künstlerischen Praktiken ausgeht – und auch an das Jahresthema der Galerie IG BILDENDE KUNST „gemeinsam handeln“ anschließt –, ist die gemeinsame Sache dieser Bildpunkt-Ausgabe.

 

 

Heft Sommer 2017

Class Matters

 

In ihrer Geschichte der Art Workers’ Coalition (1969-1971) hebt Julia Bryan-Wilson hervor, dass KünstlerInnen ihren Klassenstatus gerade in dem historischen Moment entdeckten, als von den ArbeiterInnen kaum mehr politisch-emanzipatorische Impulse auszugehen schienen: In der Theorie der Neuen Linken waren sie gerade vom „revolutionären Subjekt“ zu integrierten TrägerInnen des Konsumkapitalismus degradiert worden.
Fortschrittlichkeit und revolutionäres Potenzial dürfe der Klasse „qua Klasse“ (Hans-Günther Thien) ohnehin nicht unterstellt werden. Für einen Abschied von der Klassentheorie aber gibt es keinen Grund. Nicht zuletzt die nach wie vor wachsende soziale Ungleichheit zwingt zum Gebrauch einer Kategorie, die die ungleiche Verteilung von Ressourcen als kollektive und als systematisch hervorgebrachte zu beschreiben vermag.
Wenn auch weniger als mobilisierendes Motiv (Klassenkampf), so ist in den letzten Jahren doch mehr und mehr die diskriminatorische Dimension der sozialen Position – die Anzahl der Studierenden aus ArbeiterInnenfamilien nimmt auch an Kunstunis beständig ab – in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten (Klassismus). Hinsichtlich abwertender und ausgrenzender Praktiken ist Klasse dabei ebenso mit ethnisierenden und geschlechtlichen Diskriminierungen analytisch verknüpft worden, wie das auch schon mit Klasse als Strukturkategorie geschehen war.
In den analytischen Klärungsversuchen innerhalb undogmatisch-linker Theorie (Klassenstellung & Klassenlage, Klassenzusammensetzung, Klasse & Klassifizierung, Klassenhabitus, etc.) tauchen schließlich doch wieder transformatorische Zuschreibungen an die Klasse auf: etwa wenn im Prekariat eine „neue explosive Klasse“ (Guy Standing) gesehen wird. Der Bildpunkt stellt also die Klassenfrage und selbstverständlich diejenige danach, was das alles mit Kunst zu tun hat.

 

 

Heft Frühling 2017

Arbeitstitel Antifa

Der Vormarsch der Ultrarechten nicht nur in Europa scheint unaufhaltsam. Gestützt auf alte Ressentiments und neue Ängste immer größerer Teile der Dominanzgesellschaft, forcieren sie Rassismus und missachten Pressefreiheit und Menschenrechte. Wurde der antifaschistische Kampf lange als Scharmützel radikalisierter Jugendlicher untereinander oder als letztes Aufbegehren gegen ewiggestrige Alte abgetan, erscheint seine Notwendigkeit nun in ganz anderem Licht. Aber wie könnte er aussehen? Das bekannte Logo der Antifaschistischen Aktion, zwei nach rechts wehende Fahnen – eine rot, die andere schwarz – in einem Kreis, steht nicht nur für zivilgesellschaftliche Entschlossenheit. Auch Dogmatismus und Spaltungen sind im Laufe der Jahrzehnte in es eingeflossen. In der Bewegung der Autonomen seit den 1980er Jahren ein beliebter Jackenaufnäher, geht das Abzeichen auf den Entwurf zweier Grafiker zurück: Max Keilson und Max Gebhard entwickelten das Symbol 1932, damals noch mit zwei roten Fahnen SozialistInnen und KommunistInnen repräsentierend. Beide waren Mitglieder des kommunistischen Bund revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (BRBKD). Lässt sich mit früheren Antifa-Konzepten auch gegen den Rechtspopulismus noch arbeiten? Über Strategie und Taktik neuer Antifaschismen und die Rolle der Kunst in ihnen, diskutiert diese Ausgabe des Bildpunkt.