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Zur Schrift Walbaum

Toledo i Dertschei

In jeder Ausgabe des Bildpunkt wird der Titel des Schwerpunktthemas in einer anderen Schrifttype gesetzt, diesmal in der Walbaum (Justus Erich Walbaum, ca. 1800). Sie gilt als eine der schönsten und lesbarsten klassizistischen Antiqua- Schriften. Die Schriftfamilie der klassizistischen Antiqua ist durch sich stark unterscheidende Linienstärken gekennzeichnet. Charakteristisch sind auch die feinen, langen Serifen. Die „deutsche“ Walbaum gilt als „humane“ Interpretation dieser Schriftfamilie, da sie der strengen klassizistischen Formensprache nicht genau folgt. Dieser „deutsche Humanismus“ kam uns bei einem Konzert der neunten Sinfonie Ludwig van Beethovens vor Kurzem wieder in den Sinn. Der 4. Satz – ohne Worte – ist heute die Europahymne. Beethoven wählte aber als Text dafür das Gedicht An die Freude von Friedrich Schiller. Das Lied beginnt mit „O Freunde, nicht diese Töne!“ und gegen Ende heißte es: „Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt!“. Dies scheint hoch aktuell, und zwar im Sinne einer „neuen Aufklärung“, wie sie gerade vom Europäischen Forum Alpbach propagiert wird. Hierzu fragt Oliver Machart in seinem Gastkommentar Für eine demokratische und politische Aufklärung in der Wiener Zeitung vom 10. 8. 2016, wie es heute möglich wäre, den Spalt zwischen „(Besser)wissenden“ und „ungebildeten Massen“ zu schließen. Sein Appel, dass sogar Sportvereine Schulen der Vernunft und Demokratie sein sollen klingt schön. „Demokratisierung der Demokratie“ im Sinne einer Aktualisierung der historischen Aufklärung: „Freiheit, Gleichheit und Solidarität“: „Denn sind wir nicht umgeben von alten und neuen Obskurantismen?“

Toledo i Dertschei sind Eva Dertschei und Carlos Toledo. Als Gestalter_innen beschäftigen sie sich in unterschiedlicher Form mit Schrift, Sprache und Sprachpolitik. In dieser Glosse im Bildpunkt wird jeweils eine andere Schrifttype vorgestellt und in Bezug zum Thema des Heftes gestellt. 

 

 

Bildpunkt Herbst 2016: Politiken der Freund*innenschaft